Wenn Handwerk eine Perspektive bietet

Hat seinen ersten Ausbildungstag hinter sich: Seko Murad (Bild) freut sich auf die kommenden Herausforderungen als Maler.

2015 floh Seko Murad nach Deutschland – Bei Malermeister Kremer fand der Iraker eine berufliche Heimat

(JP) Fast 4.500 Kilometer liegen zwischen Gelsenkirchen und dem Irak. Seko Murad (19) nahm diese lange Strecke bei seiner Flucht aus der Krisenregion nach Deutschland auf sich. Nun hat er nicht nur ein neues Zuhause gefunden, sondern auch eine berufliche Heimat in dem Handwerksbetrieb von Malermeister Patrick Kremer.

Seko Murad absolviert bei dem Rotthauser Traditionsbetrieb, der gerade vom Vater auf den Sohn übergegangen ist (Rotthauser Post berichtete), eine Ausbildung zum Maler. Um dem jungen Mann eine Chance zu geben, musste Ausbilder Patrick Kremer viele bürokratische Hürden überwinden. „Ich bilde ihn sehr gerne aus, weil ich ihm helfen kann“, erklärt Kremer.
Seko Murad lebt nun seit etwa vier Jahren in Deutschland. 2015 kam der Jeside mit seiner Familie aus dem Irak. Dort gilt die ethnisch-religiöse Minderheit der Jesiden als „ungläubig“ und muss Verfolgung, Versklavung und Ermordung durch die fundamentalistische Miliz Islamischer Staat (IS) fürchten.

Seinen ersten Arbeitstag bei Patrick Kremer trat der Iraker im Mai 2019 an. Damals noch im Rahmen eines dreimonatigen Praktikums. Mit Einsatz, Fleiß und Sympathie überzeugte er seinen Chef, der ihm ab August eine Ausbildung anbot.

In drei Monaten vom Praktikanten zum Azubi

„Seko passt menschlich sehr gut zu den anderen Mitarbeitern, ist lernwillig und hat von Beginn an verstanden, dass er mit dieser Ausbildung in eine gute berufliche Zukunft starten kann“, lobt Kremer. Seitdem hat sich Seko zu einem wichtigen Mitglied des Kremer-Teams entwickelt.

Seko Murad lernt weiter fleißig Deutsch

Zuvor hatte Murad an einer Maßnahme des Arbeitsamtes beim TÜV Rheinland teilgenommen, bei der er jedoch nicht bleiben wollte. Ihn aus der Maßnahme herauszulösen, gestaltete sich für Kremer zu einer Mammut-Aufgabe: „Es geht dabei um Fördergelder, die die Träger für diese Maßnahmen bekommen. Aber ich wollte ihn unbedingt zu mir holen. Obwohl er erst vier Jahre hier lebt, spricht er besser Deutsch als mancher Muttersprachler.“ Auch nach Feierabend feilt der Auszubildene an seinen Sprachkenntnissen und besucht einen Deutschkurs. „Ich möchte mir bald eine Wohnung in Rotthausen suchen“, verriet Murad, der gerne im Malerhandwerk arbeitet und in dem Beruf seine Leidenschaft gefunden hat.

Dass eine Ausbildung im Malerhandwerk bei Schulabgängern immer unbeliebter wird, erlebte Malermeister Patrick Kremer in den vergangenen zwei Jahren häufig.

Betrieb kämpfte zwei Jahre lang mit Nachwuchsproblemen

In diesem Zeitraum suchte der Betrieb Nachwuchs – ohne Erfolg. Mehrere Kandidaten brachen die Ausbildung aus verschiedenen Gründen vorzeitig ab. „Es herrscht auch bei uns ein Fachkräftemangel“, merkt Kremer an. Auf Seko Murad kann sich der Malermeister zu 100 Prozent verlassen. Der junge Iraker hat längst bewiesen, dass er nach 4.500 Kilometern seinen neuen Lebensmittelpunkt gefunden hat.