Von der „Bretterbude“ über den Neubau zum Unterstand

Lange Jahre wurden in Rotthausen neben den zwei Gleisen für den Personenverkehr viele weitere für den Güterverkehr genutzt. Sowohl die Zeche Dahlbusch als auch die DELOG waren angeschlossen.

Serie: Häuser erzählen Geschichte(n): Einst lebhafter Bahnhof zur Bedeutungslosigkeit verkommen

Von Frank Winter

Nur noch je einmal stündlich verkehrt heute die S2 in Richtung Essen und Dortmund vom Bahnhof, der der niedrigsten Bahnhofskategorie 6 angehört. Dabei hat der schon ganz andere Zeiten gesehen. Wie so vieles in Rotthausen, so erlebte auch der Bahnhof seine besten Jahre in jenen der Zeche Dahlbusch. Deren Aus bedeutete für den Bahnhof den Schritt in die Bedeutungslosigkeit.

Zum Abschluss unserer kleinen Serie geht es also um einen Gebäudekomplex, in dessen Zentrum natürlich das Bahnhofsgebäude steht. Dort, wo heute nur noch ein Unterstand und ein Fahrkartenautomat zu finden sind. 1878 wurde erstmals eine Haltestelle Dahlbusch eingerichtet, auf zwei Jahrzehnte Personenverkehr eingestellt. Eine Güterabfertigung erfolgte erst 1895 – und die Station hieß nun Dahlbusch-Rotthausen, was sich schnell in Rotthausen änderte, mit dem Zusatz „Kreis Essen“ im Güterverkehr.

Eine kleine „Bretterbude“ diente lange als Notbehelf. Mit der Selbstständigkeit Rotthausens 1906 wurden die Rufe nach Veränderung lauter. Die hatte letztlich den kompletten Umbau des Bahnhofs zur Folge. Das neue Bahnhofsgebäude wurde am 22. Oktober 1914 in Betrieb genommen.

Abriss in den 70er Jahren

1924 erfolgte die Eingemeindung samt erneuter Umbenennung des Bahnhofs in Gelsenkirchen-Rotthausen. Nach dem 2. Weltkrieg wurde 1966 die Zeche Dahlbusch stillgelegt, die neben der DELOG (später Flachglas AG) an den Güterverkehr des Bahnhofs angeschlossen war. Der verlor vollends an Bedeutung. Nachdem vom Hauptgebäude jahrelang nur noch die Wartehalle genutzt worden war, wurde es in den 70er Jahren abgerissen. Ihm folgte 1984 das Stellwerk. Rotthausen war nur noch ein Haltepunkt, gesteuert vom nahen Gelsenkirchener Hauptbahnhof. 1998 erhielt der Halt eine Auffrischung, wurde für den S-Bahnverkehr umgebaut.

Das „Frollein“ und die Kneipe

Alte Rotthauser kennen noch den ehemaligen Bahnhof samt seinem Umfeld, wissen noch vom „Frollein“ am Fahrkartenschalter zu erzählen. Oder von der alten Brücke, deren Holzplanken durch die Fahrzeuge so ins Wackeln gerieten, von den winterlichen Schlittenfahrten. Und selbstverständlich von der Bahnhofskneipe. Da, wo sonntags Jupp Wimmer, der Mann von Betreiberin Maria, alte Schlager auf dem Klavier zum Besten gab.

Heute ertönt Musik nur aus Kopfhörern beim Warten auf die S2. Es gilt: Bloß nicht verpassen. Gelsenkirchen-Rotthausen wird nur einmal stündlich angefahren.