Vogelmama kümmert sich um kleine Piepmätze

Von ihrer Mutter verlassen, haben Jungvögel nur geringe Überlebenschancen. Kim Janotte päppelt sie wieder auf. Nach drei bis vier Wochen sind sie bereit, wieder ausgesetzt zu werden.

Kim Janotte versorgt kranke und verletzte Wildvögel Hobby ist zu einem zweiten Vollzeitjob geworden

(JP) Der Sommer steht vor der Tür und das Gezwitscher in den Bäumen wird wieder lauter. Einige Wildvogelarten haben damit begonnen, ihren Nachwuchs auszubrüten oder er ist bereits geschlüpft. Für Kim Janotte hat damit die Hochsaison ihres ungewöhnlichen Hobbies begonnen. In ihrer Rotthauser Wohnung füttert und behandelt sie verschiedenste Vogelarten, damit diese bald wieder in die Natur zurück können.

„Angefangen hat alles vor etwa drei Jahren“, berichtet Janotte. „Damals habe ich ein Rotkehlchen mit der Hand großgezogen“, erinnert sich die Tierliebhaberin. Mittlerweile betreut sie bei sich zuhause wesentlich mehr gefierdete Freunde. Im letzten Jahr waren hier mehr als 350 Vögel – darunter Amseln, Meisen, Mauersegler und viele andere Arten“, berichtet die Bürokraft, die in einer Physiotherapiepraxis arbeitet.

Aktuell befinden sich 18 Tiere in den faltbaren Transportboxen. „Ich halte die Vögel nicht in den üblichen Gitterkäfigen. Sie können sich darin erstens viel einfacher verletzen. Zweitens müssen sie stündlich mit Nahrung versorgt werden. Deshalb nehme ich sie in den Transportboxen mit zur Arbeit. Glücklicherweise hat mein Chef nichts dagegen“, beschreibt Janotte ihren Tagesablauf. Auch Tochter Hannah (8) unterstützt ihre Mutter tatkräftig. Ab und an fällt es ihr schwer, sich von den Tieren wieder zu trennen. Da es offiziell verboten ist, Wildvögel zuhause zu halten, besitzt Janotte eine Sondergenehmigung der Unteren Naturschutzbehörde.

Auf die Toleranz der Nachbarn angewiesen

Nachts muss sie aber nicht aufstehen. Dann verhalten sich die Tiere ruhig. Tagsüber ist das anders. „Da sich die meisten Vögel in der Wohnung befinden, wird es ab und an schon mal laut. Beim Telefonieren wurde ich auch schonmal gefragt, ob ich mich in einem Vogelhaus befinde“, lacht die junge Mutter, die wegen des Lärms auf die Toleranz ihrer Nachbarn in dem Mehrfamilienhaus angewiesen ist.

Aktuell kommen beinahe täglich neue Tiere dazu. Das liegt daran, dass Janottes Mobilnummer bei sämtlichen Tierärzten in der Umgebung hinterlegt ist. Bei gutem Wetter an Sonn- und Feiertagen klingelt das Handy fast durchgehend. „Menschen gehen raus und finden dann die verschiedensten Vögel, die sie für krank oder verletzt halten“, berichtet sie und verrät, was es dann zu beachten gibt:

„Am Wichtigsten ist es, die Tiere warm zu halten. Sie müssen auch nicht sofort gefüttert oder mit Wasser versorgt werden“, rät Janotte und ergänzt: „Weiterhin sollte zunächst festgestellt werden, ob diese Vorgelart Insekten oder Körner frisst. Für die Tiere ist das lebensnotwendig, denn falsche Nahrung verklebt ihre Verdauungswege, sodass sie sterben“, warnt die Vogelexpertin.

Auch das handelsübliche Futter aus der Tierhandlung ist oftmals nicht geeignet. Deshalb belaufen sich die monatlichen Futterkosten für Kim Janotte auf mehrere hundert Euro. Spezielles Futter für seltene Tiere, wie beispielsweise den Eisvogel, kommt noch hinzu. „Eisvögel leben hier normalerweise nicht. Die Feuerwehr hat ihn bei mir abgegeben“. Auch die Medikamente bezahlt Janotte privat.

Die Kenntnisse, wie die Tiere behandelt werden müssen, hat sich die 34-Jährige überwiegend selbst beigebracht. Eine Ausbildung gibt es nicht. „Dennoch ist es ratsam, mehrere Tage in einer Wildvogelauffangstation mitzuarbeiten. Da lernt man die Basics“, führt sie aus.