Umbau läuft: aus Kolpinghaus wird Quartiersbüro

Ziehen für Rotthausen an einem Strang: Am 24. Juli unterschrieben alle Partner den Mietvertrag für das neue Quartiersbüro in der früheren Traditionsgaststätte. Foto: Rotthauser Post

Ziehen für Rotthausen an einem Strang: Am 24. Juli unterschrieben alle Partner den Mietvertrag für das neue Quartiersbüro in der früheren Traditionsgaststätte. Foto: Rotthauser Post

Alle(s) unter einem Dach: Innovatives Gemeinschaftsprojekt verknüpft Stadtentwicklung und Arbeitsmarktqualifizierung

(SuSch) Das Kolpinghaus an der Karl-Meyer-Straße 42 wird zum zentralen Anlaufpunkt für die Menschen im Stadterneuerungsgebiet Rotthausen.

Dort wird neben dem Stadtteilbüro auch das QuartiersBüro des Integrationscenters für Arbeit Gelsenkirchen (IAG) und der Agentur für Arbeit Gelsenkirchen einziehen, um die Bevölkerung direkt vor Ort zu beraten. Auch das Rotthauser Netzwerk bekommt ein eigenes Büro. Am 24. Juli wurde der Mietvertrag unterzeichnet. Spätestens 2021 sollen sich die Tore öffnen. „Diese Verknüpfung von Stadtentwicklung und Arbeitsmarktqualifizierung unter einem Dach ist eine Besonderheit dieses Stadtentwicklungsgebietes“, betonte Stadtbaurat Christoph Heidenreich bei dem Treffen.

Den Rotthausern entgegenkommen

Kurze Wege für optimalen Bürgerservice: Stadtteilbüro und IAG-Quartiersbüro ab 2021 gemeinsam vor Ort

Seine besten gastronomischen Jahre hat das 1956 eröffnete und seit Monaten leerstehende Kolpinghaus lange hinter sich. Ab 2021 erwacht der altehrwürdige Treff, in dem so viele Rotthauser Familien fröhliche Feste feierten, trotzdem zu neuem Leben – als gemeinschaftlich genutztes Quartiersbüro, das in den nächsten zehn Jahren im Stadtteil die Weichen für eine lebens- und liebenswerte Zukunft für alle Generationen und Kulturen stellen will.

Noch sind die Räumlichkeiten im Erdgeschoss eine einzige Baustelle, aber schon bald werden sich dort das Stadtteil- und das Quartiersbüro auf 320 weitestgehend barrierefreien Quadratmetern Seite an Seite um die Belange der Menschen im Quartier kümmern. „Wir wollen mit diesem breiten Leistungsspektrum vor Ort den Menschen in Rotthausen buchstäblich entgegen kommen – und zwar mit einem Angebot, das am spezifischen Bedarf im Stadtteil ausgerichtet ist“, sagte Sozialdezernent Luidger Wolterhoff bei der Vorstellung der Planungen mit Blick auf den verhältnismäßig hohen Anteil an Menschen, die auf Grundsicherung angewiesen und auf Arbeitssuche sind.

Raus aus den Amtsstuben, hin zu den Bürgern

Die dauerhafte Präsenz des IAG vor Ort soll langfristig die sozialräumlichen Perspektiven für Rotthausen weiter verbessern. Immer frei nach dem Motto, welches das Jobcenter/IAG bereits im 2018 eröffneten Vorläuferbüro mit großem Erfolg umgesetzte: „Raus aus den Amtstuben und zu den Themen Arbeitssuche und Bildung vor Ort – so unbürokratisch wie möglich präsent sein für die Rotthauser Kundinnen und Kunden“.

Vermieter der Immobilie ist die Kolpingfamilie Rotthausen, eine Einrichtung der katholischen Kirche. Intensiv, aber vergeblich war die nach der Schließung des Restaurants erfolgte Suche nach einem gastronomischen Nachfolger. Nun wurde mit der S.T.E.R.N. GmbH, die im Auftrag der Stadt Gelsenkirchen den Stadtteilentwicklungsprozess nicht nur in Rotthausen begleitet und koordiniert, eine dauerhafte Lösung gefunden, die über zehn Jahre tragen soll.

Großer Saal kann weiterhin angemeitet werden

Der große Kolpingsaal im ersten Obergeschoss ist von der Umwidmung nicht betroffen. Er bleibt interessierten Vereinen, Initiativen und Kaufleuten (nicht nur) aus Rotthausen erhalten und kann wie bisher für Basare, Feste oder Verkaufsveranstaltungen angemietet werden.

Bevor das Quartiersbüro jedoch neues Leben ins Erdgeschoss der Immobilie bringt, muss die Kolpingfamilie Rotthausen als Vermieterin noch eine Menge Hausaufgaben erledigen. Die Gaststätte wurde geräumt, jetzt haben die Handwerker mit dem Rückbau und der Renovierung alle Hände voll zu tun. Kenner schätzen die Umbaukosten auf eine runde halbe Million Euro.

Rotthausen ist seit 2018 in das Städtebauförderprogramm von Bund und Land aufgenommen. Zur langfristigen Stabilisierung und Aufwertung des Stadtteils sieht das Integrierte Entwicklungskonzept (IEK) für Rotthausen unter anderem die Erneuerung von öffentlichen Plätzen, Spielplätzen und Straßenräumen vor. Das erste Bauprojekt wird der Neubau eines Spielplatzes an der Weindorf- und Wembkenstraße sein.

Durch verschiedene Beteiligungsformate und Förderprogramme sollen die Menschen vor Ort direkt in die Gestaltung ihres Stadtteils einbezogen werden. Ein Schwerpunkt liegt in der Beratung zu energetischer Sanierung bei Wohn- und Gewerbegebäuden.

Bekannt und beliebt: Im Zentrum des Stadtteils Rotthausen liegt das Kolpinghaus an der Kreuzung Karl-Mayer-Straße/Steeler Straße. In dem 1956 eröffneten Restaurant feierten Generationen ihre Familienfeste. Ab 2021 wird im Erdgeschoss das gemeinsame Quartiersbüro der Stadtplaner, der Agentur für Arbeit und des Jobcenters einziehen. Auch das Rotthauser Netzwerk wird hier ein Büro haben. Foto: Archiv


Kommentar

Endlich Bewegung

Die Bekanntgabe, dass das zukünftige Quartiersbüro in Rotthausen im Kolpinghaus wichtige Akteure der Stadtplanung, des Arbeitsmarktes und der Stadtgesellschaft unter einem Dach zusammenführen wird, hat eine gefühlte Ewigkeit gedauert. Ein Grund dafür war das sich rasant drehende Personalkarussell, das für Rotthausen verantwortliche Planerinnen und Planer als Karrieresprungbrett nutzten. Der nahbare und engagierte „Quartierskümmerer“ Andreas Beilein, gerade frisch im Stadtteil angetreten, verabschiedete sich im September 2018 aus heiterem Himmel in eine leitende Funktion nach Datteln. Janine Feldmann, die Beileins Aufgaben seitdem kommissarisch verwaltete und sich dabei wenig kommunikativ zeigte, wird demnächst in Herten das stadtplanerische Sagen haben. Es bleibt zu hoffen, dass nun endlich Kontinuität in die stillstehende Stadtteilentwicklung kommt. Das neue Büro der kurzen Wege ist aus Bürgersicht nur zu begrüßen. Im Juni 2017 versprach OB Baranowski im Interview, teure und sinnlose Parallelstrukturen zu vermeiden. Er hat Wort gehalten.
Susanne Schübel