Tafel versorgt pro Woche bis zu 50 Kunden

Die Stimmung ist prima: Mit einem Lächeln packen die ehrenamtlichen Tafel-Helferinnen die Körbe mit Obst und Gemüse. Foto: Humpfle

Trotz Corona halten Ehrenamtliche Versorgungsangebot im Pfarrsaal von St. Barbara aufrecht – Gutes Miteinander

(J.H.) „Kommen Sie gut durch die Woche!“ – Diesen Satz hören die Männer und Frauen an diesem Vormittag öfter. Das lächelnde Gesicht dazu ist zwar durch die OP-Maske verdeckt, aber strahlende Augen sind trotzdem zu sehen. Die Stimmung bei der Ausgabe der Tafel in Rotthausen ist gut.

„Durch die Pandemie ist unsere Arbeit aufwändiger geworden“, sagt Christine Bartsch, Vorsitzende der Tafel Gelsenkirchen. In der Anfangszeit sei es schon bitter gewesen, da die ehrenamtlichen Helfer nur fertig gepackte Tüten abgeben durften. „Damals hatten wir noch keinen Schutz.“ Mittlerweile sei die Lage etwas entspannter – die acht Ehrenamtlichen, die jeden Montagmorgen helfen, sind mit Mund-Nasen-Schutz und Desinfektionsmittel ausgestattet. Christine Bartsch, eine ehemalige Krankenschwester, führt – unterstützt durch die APD Ambulante Pflegedienste Gelsenkirchen – auf Wunsch Corona-Schnelltests durch.

Trotzdem geht es nicht seinen gewohnten Gang. Konnten die Kunden früher von Station zu Station gehen, erhalten sie jetzt vier vorgepackte Körbe an zwei räumlich getrennten Tischen. Morgens werden die gespendeten Lebensmittel auf Paletten angeliefert, gesichtet und auf Körbe verteilt. „Wir kennen unsere Kunden und wissen, wer lebt vegetarisch oder wer kein Schweinefleisch isst.“ Welche und wie viele Lebensmittel die Ausgabestelle erhält, sei stets unterschiedlich. An diesem Tag gibt es viele Bio-Möhren, sodass die Kunden, die vor dem Pfarrsaal der St. Barbara-Kirche, Mechtenbergstraße/Danziger Straße, Schlange stehen, mehrfach zugreifen können.

Rotthauser nehmen Angebot gut an

Wer etwas nicht möchte, lässt es liegen – so wie an diesem Tag Radieschen und Rhabarber. Gabriele Hüntink, die seit zwei Jahren bei der Tafel hilft, sortiert das Gemüse in neue Körbe. Der 72-Jährigen macht das Ehrenamt Spaß: „Ich bin alleine und habe eine Aufgabe gesucht. Bei der Tafel komme ich unter Menschen und kann mich austauschen.“ Obwohl Gespräche coronabedingt leider weniger geworden sind.

An Spenden mangele es der Tafel nicht: „Wir hatten zum Glück keine Einbrüche“, sagt Christine Bartsch. Eher im Gegenteil: Zahlreiche Privatleute spenden Lebensmittel oder Desinfektionsmittel. Die Tafel wird in Rotthausen gebraucht. Waren es anfangs 20 Kunden, kommen mittlerweile um die 50, Woche für Woche. „Vorher musste ich immer mit dem Bus fahren, jetzt kann ich zu Fuß herlaufen“, sagt eine ältere Dame. Eine andere fügt hinzu: „Hier sind alle sehr freundlich.“ So sieht es auch der 13-Jährige Oliver, der im Wechsel mit seiner Mutter Lebensmittel holt.

Das gute Miteinander schätzen auch die Tafel-Mitarbeiter. Natürlich gebe es mal Reibereien: „Ich versuche, Konflikte immer mit einem Scherz zu lösen“, betont Bartsch. Wer sich trotzdem daneben benehme, werde mündlich verwarnt. „Das ist aber wirklich die Ausnahme. In der Regel lässt sich alles durch ein Gespräch vor Ort lösen.“ Viel häufiger aber bekämen die Helfenden in Rotthausen kleine Geschenke: Gebackene Osterlämmchen, Basteleien oder selbst gemachte Nudeln. „Das ist hier in Rotthausen wirklich besonders.“


Info

Die Tafel-Ausgabestelle im Pfarrsaal der St. Barbara-Kirche existiert seit 2018. Angemeldete Kunden kaufen hier montags von 11 bis 13 Uhr für zwei Euro ein.Neuanmeldungen sind am 1. Montag des Monats von 10 bis 11 Uhr möglich.
Infos: www.tafel-ge.de