Sportvereine halten Corona-Schlaf

Die Sportanlage Auf der Reihe bleibt mindestens bis Ende November geschlossen. Foto: Julian Preuß

Kein Amateursport im November: Fußballklubs fürchten Stillstand bis Ende Januar, Turnverein pausiert

(JP) Bis auf den Profibereich und die Leistungsstützpunkte ruht der Spiel- und Trainingsbetrieb bundesweit. Während der TV 1880 Rotthausen und die DJK TuS Rotthausen die Zwangspause aussitzen, startet der SSV/FCA Rotthausen mit einer Laufchallenge und Online-Training. Den Fußballklubs droht ein Horrorszenario.

Seit Ende Oktober ruht auf der Bezirkssportanlage Auf der Reihe der Ball. Damit kamen der SSV/FCA und die DJK TuS Rotthausen dem Konsens der Bund-Länder-Gespräche zuvor, alle Breitensportangebote aufgrund der steigenden Corona-Zahlen zu unterbinden.

„Das hohe Infektionsgeschehen war schon länger präsent. Deshalb haben wir gemeinsam mit der DJK TuS schnell gehandelt. Wir konnten und wollten die Verantwortung nicht übernehmen, dass sich jemand beim Training oder an Spieltagen mit Corona infiziert“, sagt Holger Wilbrandt, zweiter Vorsitzender des SSV/FCA Rotthausen. Aus diesem Grund entschloss sich auch die Platzkommission, die Anlage nicht für einzelne Sportler zu öffnen. Die Dachorganisation Gelsensport hatte dies angedacht.

Auch bei der DJK TuS hat man den zweiten Lockdown und damit die Schließung der Sportanlagen erwartet. „Es war die logische Konsequenz, den Spiel- und Trainingsbetrieb einzustellen. Natürlich hätten wir gerne weitergespielt. Unsere erste Mannschaft ist gut in die Saison gestartet und hat sich auf das Nachbarschaftsderby gegen den SSV/FCA gefreut. Die Gesundheit geht allerdings vor“, sagt Thorsten Bauer, Abteilungsleiter des Seniorenfußballs bei der DJK TuS.

Normalerweise lockt das Duell zwischen den beiden benachbarten Vereinen zahlreiche Zuschauer auf die Sportanlage und sorgt damit für vergleichsweise hohe Einnahmen. Die Klubs müssen nun den gesamten November ohne dieses Geld durch Zuschauer sowie den Verkauf von Getränken und Snacks auskommen. Doch nicht nur das sei problematisch, meint Holger Wilbrandt: „Durch Corona kamen seit der Öffnung im Mai grundsätzlich weniger Menschen zu uns als üblich.“

Zweiter Lockdown ist eine „größere Herausforderung“

Dies liege auch daran, dass keine der gut besuchten Jugendturniere stattfinden konnten. „Beim ersten Lockdown konnten wir uns mithilfe der Mitglieder und der Sparkasse über Wasser halten. Nun erwarte ich eine größere Herausforderung“, sagt Wilbrandt. Schließlich laufen die Kosten für beide Vereine weiter. Pacht, Versicherungen, Trainerhonorare, und Verbandsabgaben werden weiter abgebucht. Außerdem teilen sich die Klubs ein Drittel der Kosten für die Platzwarte.

Dass Anfang Dezember die Jugend- und Seniorenspieler auf dem Platz stehen, glauben die Vereinsverantwortlichen nicht. „Ich gehe nicht davon aus, dass wir im Dezember spielen“, sagt Thorsten Bauer. Sollte der zweite Lockdown wie geplant am 30. November enden, hängt der Neustart des Trainings- und Spielbetriebes vom Wetter ab. Immerhin: Die Rotthauser Sportanlage verfügt über einen Kunstrasenplatz. Zwischen Ende Dezember und Mitte Januar folgt dann die Winterpause. „Das wäre eine Horrorvorstellung für uns. Gleichzeitig ist dies das wahrscheinlichste Szenario“, sagt Bauer. Wilbrandt sorgt sich zudem um das gemeinschaftliche Miteinander: „Kontakt über die sozialen Netzwerke ersetzt nicht die persönlichen Gespräche.“

Die beiden Fußballvereine können sich in den unsicheren Zeiten allerdings auf ihre Sponsoren verlassen. „Wir haben nahezu kontinuierliche Sponsoreneinnahmen“, bestätigt Bauer dankbar. Wilbrandt ergänzt: „Unsere Partner halten zu uns. Allerdings sind unsere Sponsoren auch von Einnahmeausfällen betroffen. Da müssen wir fair bleiben. Deshalb befinden wir uns mit ihnen in Gesprächen.“

TV 1880 sieht kaum Alternativen zum Hallentraining

Neben den Fußballklubs pausiert ebenfalls der TV 1880 Rotthausen. Die Turngruppen des Vereins sind in der Sporthalle der Turmschule beheimatet. Da auch die Hallen geschlossen bleiben, sind die Turnerinnen und Turner zum Nichtstun verdammt. „Wir sind auf den Hallenbetrieb angewiesen und können die Einheiten nicht nach draußen verlegen“, sagt die Vorsitzende Ruth Witucki.

Den mehr als 100 Mitgliedern bleibt damit nur die Alternative, zuhause Sport zu treiben. Ihnen stehen dafür Videos zur Verfügung, die die Überungsleiter im Frühjahr angefertigt hatten. Existenzielle Auswirkungen wird der Lockdown auf den Turnverein kaum haben. „Wir schwimmen nicht in Geld. Allerdings können wir gut haushalten, weil wir nur ein kleiner Verein sind“, sagt Witucki – zumal der Vorstand im Frühjahr beschloss, den Mitgliedern den Beitrag für den ersten Lockdown zu erlassen.

Vom Lockdown weniger betroffen ist der TC Rotthausen. Der Tennisklub beendete Anfang Oktober die Sommersaison. Ein Spielbetrieb auf den vereinseigenen Plätzen wäre so ohnehin nicht möglich gewesen. So fehlen einzig die Einnahmen durch den Getränkeverkauf. Was trotz der Ungewissheit bei allen Sportvereinen im Stadtteil bleibt, ist die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr in eine neue Normalität.