Pastor unterrichtet Religion in Japan

Drei Jahre lang leitete Mirco Quint die katholische Gemeinde St. Augustinus, zu der mittlerweile auch Rotthausen zählt. Foto: Jennifer Humpfle

Mirco Quint verabschiedet sich: Er leitet ab Sommer die deutsche katholische Gemeinde in Tokio

(J.H.) Von Rotthausen nach Japan: Für Pastor Mirco Quint, der aktuell noch die Koordination der St. Augustinus Gemeinde inne hat, erfüllt sich ein lang gehegter Traum. Ab Mai wird er für fünf Jahre die deutsche Gemeinde in Tokio leiten.

„Eine Zeit im Ausland zu arbeiten, wünsche ich mir schon seit zehn Jahren“, erklärt der 43-Jährige. Nun habe es endlich geklappt, dass das Bistum Essen ihn für fünf Jahre frei stellen konnte. „Mein größter Wunsch war London.“ Dort gibt es ein Jugendgästehaus, eine Bildungsstätte für knapp 100 Personen. „Das hätte mich sehr gereizt, da die Jugendarbeit für mich einen großen Stellenwert hat.“ Aktuell seien aber nur Stellen in Asien frei. Zur Wahl standen Seoul in Südkorea, eine geteilte Stelle in Peking und Hongkong in China sowie Thailand, Singapur und Japan. „Tokio war am reizvollsten für mich, was die Kultur und Geschichte des Landes betrifft.“

Quint: Tokio ist vergleichbar mit dem Ruhrgebiet

Ein ersten Einblick in die Stadt, die für die kommenden fünf Jahre sein Zuhause sein wird, konnte Mirco Quint schon erhalten. „Ich hatte das große Glück, im Oktober einen dreiwöchigen Vorbesuch machen zu können.“ Tokio sei anders, als man es aus den Medien kennt. „Eigentlich ist es vergleichbar mit dem Ruhrgebiet und auch mit Gelsenkirchen, denn Tokio besteht aus vielen kleinen Dörfern.“ In deutschen Stadtteilen gebe es in der Regel zwei Kirchen, in Tokio gibt es Tempel, die in Grünanlagen eingebettet sind. „Natürlich gibt es auch große Straßenzüge mit Hochhäusern, aber wenn man diese großen Straßen verlässt, wird es sehr ländlich, grün, fast malerisch.“

Als Leiter der deutschen Gemeinde findet Mirco Quint in Tokio bereits ein bestehendes Netzwerk aus Industrie- und Handelskammer, deutschsprachigen Diplomaten, deutscher Schule und Kindergarten sowie dem Goethe-Institut vor. An drei Tagen in der Woche wird er an der Schule katholische Religion, Ethik und vielleicht auch Deutsch als Zweitsprache unterrichten. Außerdem übernimmt er die Aufgabenbereiche der Pfarrei: Gottesdienste, Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen, Bibelarbeit. Darüber hinaus hat Mirco Quint einen kulturellen Auftrag: „Die Frage lautet, was können wir von unserer Kultur im gastgebenden Land einbringen?“ Eine Sternsinger-Aktion im Umfeld der Kirche oder eine St. Martins-Feier nach europäischer Art könnten dazu gehören.

Ein Prozent der Japaner haben einen christlichen Glauben

„Ein Missionierungsgedanke ist bei mir nicht gegeben“, stellt der gebürtige Wattenscheider klar. Dieser liege bei den Katholiken japanischer Sprache; ungefähr ein Prozent der Japaner sind Christen. „Mir geht es um Kulturaustausch, kulturelle Verständigung.“ Natürlich interessiert er sich für die beiden Hauptreligionen Japans, Buddhismus und Shintoismus. „Die Religion ganz verstehen, werde ich vermutlich erst spät, wenn überhaupt“, sagt er offen. „Aber ich möchte so viel wie möglich über sie lernen.“ Spannend sei die Frage, wie beide Religionen so friedlich nebeneinander existieren können.

Zurzeit lernt Mirco Quint japanisch über Online-Sprachkurse. „Aber ich stoße schon ein bisschen an meine Grenzen“, verrät er. Lautsprache, Sprachmelodie, Satzbau – alles ist ganz anders als im Deutschen. „Aber zum Glück wird meine erste Amtssprache deutsch sein.“ In den touristischen Bereichen Tokios könne er sich zudem mit Englisch verständigen. Angst vor Heimweh hat er nicht: „Japan ist weit weg, aber über die modernen Medien trotzdem ganz nah.“ Der Netzausbau in Tokio sei hervorragend, sodass er mit Familie und Freunden gut Kontakt halten kann. Bleibt nur die Frage, ob Mirco Quint wie geplant im Mai abreisen kann: „Die Vorbereitung ist durch die Pandemie schwierig. Außerdem lässt Japan aktuell nur japanische Staatsbürger über die Grenze.“


Zur Person

Mirco Quint ist gebürtiger Wattenscheider. Der 43-Jährige ist seit drei Jahren als Pastor in Gelsenkirchen eingesetzt, seit 2019 trägt er die Hauptverantwortung für St. Augustinus sowie Alt- und Neustadt. Aktuell lebt er noch im Pfarrhaus St. Augustinus. Beruflich war Pastor Quint bereits für kurze Einsätze in Ruanda und im Kongo.

Ob seine Stelle in der Pfarrei neu besetzt wird, ist unklar. Es gibt zu wenig Nachwuchs. In St. Augustinus sind aber neben ihm noch drei andere Priester sowie zwei hauptamtliche Seelsorgerinnen tätig, die seine Arbeit übernehmen werden.