Passionsspiele erwachen wieder zum Leben

Der Einzug in Jersusalem – Julian Wangemann (Jesus) steht inmitten seiner Jünger und spricht zum Volk Jerusalems. Noch fehlen die Kostüme. Auch Licht- und Musikbegleitung kommen noch dazu.

Vor fünf Jahren wurde die Leidensgeschichte von Jesus Christus zuletzt in der evangelischen Kirche an der Steeler Straße aufgeführt. Nun gibt es die Neuauflage.
Ab dem 7. März wird das Theaterstück neunmal in der evangelischen Kirche gespielt. Regisseur Ulrich Penquitt bereitet die Laienakteure auf die Aufführungen vor. Auf der Bühne wird dann ein neuer Hauptdarsteller zu sehen sein. Julian Wangemann übernimmt die Jesus-Rolle. Die Rotthauser Post hat eine Probe der Theatergruppe begleitet.

Laien-Schauspieler müssen für ihren großen Auftritt mehr als nur Texte lernen

Bei intensiven Proben steigt die Vorfreude der Theatergruppe auf die Premiere der Passionsspiele im März – Für Regisseur Ulrich Penquitt ist die Leidensgeschichte Christi auf der Bühne ein Herzensprojekt

VON JULIAN PREUß (TEXT) UND AHMAD SHIHABI (FOTO)

Zum dritten Mal nach 2013 und 2015 bringen dieses Jahr 33 Thearterbegeisterte die Geschichte um die Kreuzigung von Jesus Christus auf die Bühne. Regisseuer Ulrich Penquitt (64) übernahm die Leitung. Bis zur Premiere am 7. März formt er aus den Schauspiel-Laien eine harmonierende Theatergruppe. Für die Darsteller bedeutet dies mehr als stumpfes Auswendiglernen.

Die Gruppe trifft sich vor der evangelischen Kirche an der Steeler Straße treffen. Sie folgt Ulrich Penquitt bis vor den Altar der Kirche. Dort ist eine kleine Bühne aufgebaut: Seit Oktober probt die Gruppe für die insgesamt zehn Aufführungen – nicht immer in der gleichen Besetzung. „Es kommt immer auf die Szenen an, die wir durchspielen. Bei dieser Probe sind 18 Personen da“, erklärt Penquitt. Sind alle da, besteht die Theatergruppe aus 33 Personen verschiedenen Alters.

Auf dem Programm stehen die Abschnitte „Einzug in Jerusalem“, die „Tempelreinigung“ und „Jesus und die Sünderin“. Es sind drei der 22 Szenen, in die sich die Passionsspiele aufteilen lassen. Atem- und Aufwärmübungen zu Beginn des Probe-Abends sollen dafür sorgen, „aus dem Alltag herauszufinden und sich zu konzentrieren“, erklärt der erfahrene Regisseuer.

Bei den vorherigen Ausgaben der Passionsspiele hatte der inzwischen verstorbene Elmar Rasch Regie geführt. „Unter seiner Leitung habe ich bei den Passionsspielen als Schauspieler ausgeholfen. Deshalb wusste ich schon ungefähr, was auf mich zukommt“, sagt der 64-Jährige, der seit 1991 das Trias-Theater in Gelsenkirchen betreibt.

„Spannende Aufgabe“ für Jesus-Darsteller

Inzwischen spielen die Darsteller den Einzug in Jerusalem. Acht Schauspieler stellen sich als das Volk von Jerusalem auf der Bühne auf. Sie empfangen den Sohn Gottes, der von seinen Jüngern begleitet wird. Jesus wird in diesem Jahr von Julian Wangemann verkörpert. Er ist zum ersten Mal dabei. Die Passionsspiele sind seine erste Theaterproduktion mit Text. Bühnenerfahrung hat der 26-Jährige dennoch vorzuweisen. Wangemann war bereits bei einigen Aufführungen im Musiktheater im Revier (MiR) aktiv. „Ich hätte nicht damit gerechnet, die Hauptrolle zu bekommen. Als wohnhafter Rotthauser ist das für mich etwas ganz besonderes und gleichzeitig eine spannende Aufgabe“, führt Wangemann aus.

In Jerusalem angekommen, kommt Jesus mit dem Volk ins Gespräch, auch die Jünger diskutieren mit. „Lauter! Um Einiges lauter! Aber das Timing ist gut“, unterbricht Regisseur Penquitt die laufende Szene. „Ich gebe den Leuten Hilfestellungen, sich besser in ihre Rollen hineinzuversetzen. Außerdem zeige ich ihnen den Umgang mit ihrer Stimme: Wann müssen sie lauter sein, wann leiser?“, beschreibt Penquitt seine Aufgabe. Grundsätzlich könne aber jeder mitmachen. Die einzigen Voraussetzungen: Spaß an der Schauspielerei und die Motivation, sich mit der Passionsgeschichte zu beschäftigen – immerhin warten 50 Seiten Skript.

Zum Lernen: 30 Minuten Skript als Hörbuch eingesprochen

Die Vorlage stammt von Wolf Reiner Borkowski, der ebenfalls mitspielt. In der Jesus-Rolle muss Julian Wangemann mehr Text lernen als alle anderen Gruppenmitglieder. „In Summe muss ich rund 30 Minuten Text parat haben. Diesen habe ich mir als Hörbuch eingesprochen. So kann ich mir die Passagen beispielsweise auf einer Autofahrt anhören. Dadurch lerne ich ihn“, meint Wangemann. Er ist einer der wenigen, der seinen Text schon jetzt flüssig aufsagen kann. Aber Schauspielern ist mehr, als nur etwas auswendig zu lernen.


Zehn Termine bis Ostermontag

Die dritten Passionsspiele in Rotthausen feiern ihre Premiere am 7. März, um 20 Uhr in der evangelischen Kirche an der Steeler Straße.

Das Theaterstück wird am Ostersonntag (12. April) um 18 Uhr zum letzten Mal in Rotthausen gezeigt. Insgesamt gibt es neun Aufführungen in der evangelischen Kirche an der Steeler Straße. Auf Einladung von Pfarrer Rolf Neuhaus gibt es noch eine Aufführung in der evangelischen Gemeinde in Hemer. Diese findet am Ostermontag statt.

Karten gibt es im Vorverkauf im Gemeindebüro, Robert-Koch-Straße 3a, in der Buchhandlung Kottmann sowie im Reisebüro Scholz.

Terminübersicht:
Samstag, 7.3., 20 Uhr (Premiere),
Freitag, 13.3., 20 Uhr,
Samstag, 14.3., 20 Uhr
Freitag, 20.3., 20 Uhr,
Samstag, 21.3., 20 Uhr,
Freitag, 27.3., 20 Uhr,
Samstag, 28.3.,20 Uhr,
Freitag, 3.4., 20 Uhr,
Samstag, 4.4., 20 Uhr,
Osterssonntag, 12.4., 18 Uhr,
Ostermontag (Gastauftritt in Hemer)