Nebenan beginnt die Welt

Will Satelliten in Umlaufbahnen bringen: Künstler Christoph Lammert. Foto: Humpfle

Kulturprojekt „Neighboring Satellites“ führt Menschen zusammen – GFW stellt „Homebase“ zur Verfügung

(J.H.) Wer im April durch das Schaufenster am Ernst-Käsemann-Platz geschaut hat, fand dort kein verwaistes Ladenlokal vor, sondern dekorierte Wände und mittendrin Künstlerin Ahang Nakhaei. Das temporäre Atelier ist eine Aktion des Projektes „Neighboring Satellites“, das Menschen aus verschiedenen Stadtteilen, benachbarten Satelliten, zusammenbringen möchte. Das Motto lautet: „Nebenan beginnt die Welt.“

Die Idee zu Neighboring Satellites stammt von Christoph Lammert. Der Künstler lebt in Ückendorf und organisiert dort das Kunst- und Kulturfestival „Szeniale“. „Nachdem ich sah, wie viel sich in meinem Stadtteil entwickelte, keimte die Idee, diesen Gestaltungsgeist auf andere Stadtteile zu übertragen.“ Zunächst galt es Menschen zu finden, die mitmachen wollten: „In Rotthausen stieß ich schnell auf Interesse.“

Ungefähr zeitgleich, Anfang 2020, legte das Land NRW das Programm #heimatruhr auf. „Das war für uns ein Geschenk“, betont Lammert. Im Förderantrag formulierte er die Grundidee: Alte, bekannte oder lange Zeit unbenutzte Orte neu zu entdecken, wiederzubeleben und somit neue Heimatorte zu kreieren. Seine Idee überzeugte, „Neighboring Satellites“ erhielt als eines von 40 geförderten Projekten den Zuschlag. „Ich glaube ausschlaggebend war, dass wir mit der Awo und dem Rotthauser Netzwerk schon Akteure vor Ort mit im Boot hatten.“

Als Lern- und Mentorenprogramm gedacht

Bei der Auftaktveranstaltung im Oktober im Kolpinghaus erhielt das Projekt positive Rückmeldungen. Gelte es zunächst zu entdecken, Umlaufbahnen zu ziehen, Orte und Menschen kennenzulernen, sollen in der zweiten Phase die Akteure vor Ort – zunächst unter Anleitung – das Projekt fortführen. „Gedacht ist es als Lern- und Mentorenprogramm“, erklärt Christoph Lammert. „Das schönste Erlebnis wäre, wenn wir einen Heimatort etablieren, der nach Projekt-ende weiter besteht und ein Treffpunkt für alle wird.“

Projekt hat soziale Komponente

Bei Neighboring Satellites geht es um Dialog und Austausch. In Zeiten der Pandemie nicht einfach. Deshalb mussten Christoph Lammert und seine Mitstreiter bereits neue Formate entwickeln. So wie die Ausstellung „Zusammen.Rottung“ von Ilsebill Eckle, die in der sog. „Homebase 1“, dem ehemaligen Küchenstudio am Ernst-Käsemann-Platz, stattfand. Oder das temporäre Atelier, in dem bis Anfang Mai Künstlerin Ahang Nakhaei gastierte. Nun sollen Kinoabende stattfinden, an denen der Konzertfilm gezeigt wird, der zum Abschluss von „Zusammen.Rottung“ entstand. Die Homebase soll unter dem Motto „Küche als Heimatort“ eingerichtet werden, mit Stücken der Ausstellung „Gelsenkirchener Barock“.

Die GFW, der die Ladenzeile gehört, stellt dem Projekt die Homebase 1 zunächst bis Ende Mai zur Verfügung. Christoph Lammert hofft, dass sich Menschen melden, die einen Raum zur Verfügung stellen, der langfristig ein Heimatort werden kann. Dies müssen nicht unbedingt gewerbliche Orte sein. „Wir hoffen, dass bald wieder Treffen möglich sein werden“, sagt Lammert, der sich vom Virus nicht aufhalten lässt: „Schließlich sind wir ein Projekt mit sozialer Komponente. Das kann man nicht einfach nicht machen!“