Mit 77 Jahren geht es zurück in die Heimat

Mit ihren Nähmaschinen passt Caterina D‘Ettorre Kleidungsstücke wie beispielsweise Hemden indivduell an. Zu jeder Farbe verwendet sie das passende Garn. Foto: Julian Preuß

Nach mehr als 40 Jahren ist Schluss: Caterina D‘Ettorre schließt ihre Änderungsschneiderei zum Jahresende

(JP) Wenn die Hose gekürzt werden musste, die Jacke einen neuen Reißverschluss oder der Mantel einen neuen Knopf brauchte, stets war Caterina D‘Ettorre die richtige Ansprechpartnerin. Nun möchte sie in den Ruhestand gehen und zu ihrer Tocher nach Italien ziehen.

Drei robuste Nähmaschinen stehen in der kleinen Änderungsschneiderei an der Schonnebecker Straße 38. Mehrere Mäntel, Hosen und Hemden hängen hinter dem Tresen. „Die Kunden haben sie noch nicht abgeholt. Aber einen neuen Reißverschluss einzunähen, ist billiger, als eine neue Jacke zu kaufen“, sagt Caterina D‘Ettorre, während sie an einem weißen Hemd arbeitet.

Viel Zeit bleibt den Rotthausern nicht mehr, um Kleidung vorbeizubringen. Ab dem 31. Dezember, Caterina D‘Ettorres 77. Geburtstag, ruhen die Nähmaschinen. „Die Finger möchten nicht mehr so wie ich“, sagt die Italienerin, die rund 20 Kilometer von Venedig entfernt aufwuchs. 1963 kam D‘Ettorre nach Deutschland. „Eigentlich wollte ich nur meinen Bruder besuchen. Dann lernte ich hier meinen mittlerweile verstorbenen Ehemann kennen“, erzählt sie. D‘Ettorre lebte zunächst in Essen, dann in Gelsenkirchen-Erle, ehe sie nach Rotthausen zog.

Anfangs arbeitete sie in der Eisdiele ihres Bruders, anschließend in einer Schneiderei, ehe sie in Rotthausen ihren eigenen Laden eröffnete.

Mehr als 40 Jahre liegt das nun zurück. Im Stadtteil wurde D‘Ettorre zu einer festen Größe. Im Vorbeigehen winken die Stammkunden durch das Fenster. „Natürlich bin ich traurig, dass ich Rotthausen verlasse, aber ich habe hier niemanden mehr. In Italien ziehe ich zu meiner Tochter und kann mich um die Enkel kümmern“, sagt D‘Ettorre, die mit 13 Jahren begonnen hatte, in einer Schneiderei zu arbeiten.

Mittlerweile räumt sie ihren Laden auf und sortiert aus. Ein Nachfolger habe sich noch nicht gefunden. „Es interessieren sich viele für die Räumlichkeiten. Die Lage ist sehr gut, aber der Zustand nicht“, sagt D‘Ettorre, die noch bis März Miete zahlt. Weitermachen, das möchte sie jedoch nicht mehr.