Historisches Trio an der Steeler Straße

Das Gebäude-Trio auf einer gut 100 Jahre alten Fotografie: Links das Bürgermeisterhaus, in der Mitte das haus des Rentmeisters der Sparkasse und rechts die Ostermann-Villa.

Neue Serie: Wenn diese Häuser erzählen könnten… Auf den Spuren des Architekten Josef Franke in Rotthausen

Von Frank Winter

Die Steeler Straße hat mehr geschichtsträchtige Häuser zu bieten als die berühmte, denkmalgeschützte weiße Dahlbusch-Villa. Wer von dort aus nach Norden geht, findet auf der gegenüberliegenden Seite eine Reihe alter Villen, die auf eine mehr als hundertjährige Geschichte zurückblicken. So zeigt ein altes Foto deutlich auf, dass dort zu Beginn des vorigen Jahrhunderts drei Häuser einsam standen. Dies sind heute die Gebäude Steeler Straße 28, 30 und 32.

Das Foto diente auch als Vorlage für eine kolorierte Postkarte, die jedoch mit „Kaiserstraße“ falsch beschriftet wurde. Diese sei die heutige Schonnebecker Straße, so der bekannte Rotthauser Heimatforscher Karlheinz Rabas. Vielmehr habe vor gut 100 Jahren nur ein Weg zu den Häusern geführt, der in alten Adressbüchern (1911 nur Haus-Nr. 32 und 30) als Kaiserplatz ausgewiesen ist. Aus aktuellem Anlass findet das linke Haus (Nr.?32) besondere Beachtung. Es wurde 1908 von dem bekannten Gelsenkirchener Architekten Josef Franke als Bürgermeisterhaus entworfen. Erster Bewohner war Heinrich Hohoff, der einzige Bürgermeister, den Rotthausen je hatte.

Einst ein belgisches Konsulat

Von 1906 bis 1923 war Rotthausen vor der Eingemeindung zu Gelsenkirchen eine eigenständige Bürgermeisterei. Hohoff ist derzeit wegen seiner Nazi-Vergangenheit umstritten. Für die nach ihm benannte Stichstraße an der Wetterstraße wird bekanntlich gerade ein neuer Name gesucht. Nach Hohoff hat in dem heute gelb gestrichenen Haus an der Steeler Straße Werner Lüthgen gewohnt, 1935 bis 1960 Vorstandsvorsitzender der Dahlbusch AG.
Das mittlere Haus (Nr.?30) wurde etwa zur gleichen Zeit erstellt und gehörte dem damaligen Rentmeister der Sparkasse Rotthausen, Bernhard Dissen. Die Nummer 28 ist ein weiterer Franke-Bau, der um 1904 errichtet wurde. Es handelt sich um die Villa Ostermann, benannt nach dem Eigentümer der Zementwarenfabrik Ostermann & Comp. Diese existierte von 1909 bis 1968, zuletzt als Tochtergesellschaft der Dahlbusch AG. Später befand sich dort bis zu ihrer Insolvenz die Stauffenberg-Brotfabrik.

Nicht zu vergessen ist das Haus Nummer 34, links neben dem Bürgermeisterwohnhaus. Dieses war einst Standort eines belgischen Konsulats, bewohnt von Konsul Karl Holstein und später von Vorstandsmitgliedern der Delog/Flachglas AG. Hintergrund für das Konsulat war die Tatsache, dass das Kapital der Bergwerksgesellschaft Dahlbusch aus Belgien stammte.