Hausarzt warnt vor psychischen Störungen nach frühem Cannabis-Konsum

Seit 35 Jahren sorgt sich Dr. Willi Mast um das Wohl sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher

Dr. Willi Mast hat die gesundheitliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen in den vergangenen Jahren genau beobachtet. Er sieht das Projekt „Rotthausen – gesund und munter“ als Chance, die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen zu verbessern.

(JP) Dr. Willi Mast (71) betreibt seit 1984 eine allgemeinmedizinische Praxis im Quartier. Viele seiner Patienten sind Kinder und Jugendliche. Mit der Rotthauser Post sprach der Arzt über seine Beobachtungen und einige besondere Gesundheitsgefährdungen.

Herr Dr. Mast, wie beurteilen Sie die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen in Rotthausen?

Kinder und Jugendliche sind unsere Zukunft, in ihnen steckt so viel drin – aber ein wachsender Teil droht chronisch krank zu werden. Oft sind das Kinder aus ärmeren und alleinerziehenden Familien – mit und ohne Migrationshintergrund. Wir müssen darauf achten, dass diese nicht abgehängt, sondern gestärkt und gefördert werden.

Wie sieht diese Entwicklung konkret aus ?

Es sind vor allem drei große Probleme: Fehlernährung, Bewegungsarmut und der zu frühe und intensive Konsum von digitalen Medien. Häufig verstärkt sich das gegenseitig. Etwa 15 bis 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind übergewichtig. In ärmeren Familien ist der Anteil wesentlich höher. Viele Kinder haben zu früh und unkontrolliert Zugang zu Smartphone, PC und Internet. Das hat negative Auswirkungen auf die psychomotorische, intellektuelle und soziale Entwicklung. Natürlich sind digitale Medien auch eine Chance. Aber sie ziehen junge Menschen in ihren Bann und fördern suchtartiges Verhalten, bevor diese überhaupt Medienkompetenz erwerben können. Ich beobachte auch, dass Online-Spielsucht ein zunehmendes Problem wird. Die Bedeutung ist vergleichbar mit dem Cannabis-Konsum. Bei Jugendlichen, die damit früh in Kontakt kommen, führt das oft zu schweren psychischen Störungen. Deshalb bin ich auch gegen die öffentlich viel diskutierte Legalisierung von Cannabis.
Wie können diese Probleme im Stadtteil eingedämmt werden?

Bewegung und Sport sind ein wichtiger Schlüssel. Es gibt positive Erfahrungen mit Vereinssport, mit intensiverem Schulsport oder mit der „Bewegungs-Kita“, wie an der Lothringer Straße. Auch in der Wiederbelebung des Volkshauses sehe ich eine große Chance, mehr Kinder und Jugendliche für sportliche und kulturelle Aktivitäten zu gewinnen. Gleichzeitig müssen die Eltern sensibilisiert werden, insbesondere auch für gesunde Ernährung. Das ist auch eine wichtige Aufgabe des Programms „Rotthausen – gesund und munter“.