Haus Steinfurt gab Vereinen eine Heimat

Das historische Foto zeigt den Bau kurz vor dessen Fertigstellung im Jahr 1902.

Serie: Häuser erzählen Geschichte(n)

Von Frank Winter

Nein, einladend sieht es wahrlich nicht mehr aus an der Belforter Straße 18, Ecke Schemannstraße. Dass das traditionsreiche Haus Steinfurt seit knapp einem Jahr leer steht, ist nicht zu übersehen. Mehr als 110 Jahre Betrieb hat die Gaststätte mit dem geschichtsträchtigen Rotthauser Namen hinter sich.

Die Nachfahren von Johann Theodor Steinfurt (1779-1847), der vom Hof Steinfort in Essen-Holsterhausen nach Rotthausen einheiratete, haben Spuren hinterlassen. Zwar blieb die Ehe mit der Witwe des Bauern Georg Plaar kinderlos, gut 30 Morgen Land aber wurden genutzt. Die befanden sich in etwa im heutigen Gebiet zwischen Schonnebecker, Steinfurth- und Schemannstraße. Die Steinfurt-Kinder entstammen der zweiten Ehe mit Elisabeth Vollminghoff vom gleichnamigen Hof aus Bismarck.
Während Heinrich Steinfurt mit der Schmiede sein Glück fand, bewirtschaftete Johann Heinrich Steinfurt, genannt Plaar (1828-1986) den Hof.

Sein Sohn gleichen Namens (1859-1936) merkte, dass die Landwirtschaft allein wohl nicht reichen würde und bewarb sich um eine Gaststätten-Konzession. 1903, ein Jahr nach Fertigstellung des Gebäudes, fand die Eröffnung statt. Mit Ehefrau Anna Maria Puls brachte er den Betrieb ans Laufen, der auch dank vieler Vereine (Kegel-, Gesangs-, Tauben-, Arbeitersportverein) sehr rege war. Sohn Josef Steinfurt, eigentlich Bäckermeister, übernahm dann mit seiner Frau Mia, Tochter des Gastwirts Johann Höing. Sie führte den Familienbetrieb nach Josefs Tod 1963 noch viele Jahre mithilfe ihrer Töchter und des Schwiegersohns.

Als Wilsberg den Oppa vom Stammtisch abholte

Zu dieser Zeit war es auch, als sich ein heute bekannter Schauspieler als Knirps dort blicken ließ. Leonard Lansink, der Darsteller des Wilsberg in der gleichnamigen ZDF-Krimiserie, wuchs bei seinen Großeltern in der Schemannstraße 61 auf. Seinen Oppa Leonhard musste er in den 60er-Jahren regelmäßig sonntags vom Frühschoppen im Haus Steinfurt abholen.

Auch nach der Vermietung blieb die Gaststätte noch beliebt, war zuletzt bei der ersten Rotthauser Musiknacht (2016) ebenso prall gefüllt wie bei Henny Hilles Künstlertreff (2015). Nun steht die Zukunft eines Gebäudes in den Sternen, das vor rund 40 Jahren beim Fassadenwettbewerb der Stadt Gelsenkirchen noch mit einem Preis bedacht wurde.


Schreibweise

Verwirrend ist die Schreibweise des Namens Steinfurt. Als Johann Theodor nach Rotthausen kam, schrieb er sich noch Steinfort, also mit o. Das vormalige h als Endung war schon zu Essener Zeiten verschwunden. In Rotthausen wurde aus dem o nach und nach ein u. Die zu Beginn des vorigen Jahrhunderts auf dem Grundbesitz der Familie erbaute Steinfurthstraße wiederum verdankt ihre Schreibweise einem Schreibfehler seitens der Stadt. Es handelt sich um den gleichen Familien-Ursprung.