„Habe noch Kunden meines Opas bedient“

1979 waren an der Steeler Straße noch Dauerwellen angesagt, mussten alle Bediensteten Kittel tragen und durfte der frische Lehrling Fritz Justen jun. erst einmal zuschauen. Foto: privat

Ära der Friseurfamilie Justen in Rotthausen endet nach 87 Jahren – 1933 erstes Geschäft an der Steeler Straße

Von Frank Winter

„Ich kannte unter meinen Kunden Menschen, denen schon mein Großvater die Haare geschnitten hatte .“ Sagt Fritz Justen junior, der seinen Salon im Juni verkauft hat. Damit endete in Rotthausen eine Friseur-Geschichte nach 87 Jahren in vierter Generation.

Großvater Fritz begann im Jahr 1933 an der Steeler Straße 62. Sein Sohn Fritz, mittlerweile senior, übernahm 1961. „Damals gab es noch 26 Friseurläden in Rotthausen“, erinnert er sich. Mit Frau Hannelore an der Seite blieb er bis 1990 dort und betrieb ab 1989 noch einen Laden im Düppel.

Sohn Fritz junior eröffnete 1987 mit der Meisterprüfung einen eigenen Salon in der Karl-Meyer-Straße, den er unter dem Namen Top Hair Justen mit neuem Konzept versah. An seiner Seite Frau Heike, die bei Justen ausgebildet worden ist. „Früher haben die Leute auf der Straße gewartet. Und manchem Kind wurden bei großem Andrang die Haare auf der Treppe geschnitten“, blickt sie zurück.

Schon seit 1979 hatte Justen auch montags geöffnet

Noch ehe Top Hair Justen in der KMS mit Bonuskarten und Terminvorgabe neue Konzepte umsetzte, waren auf der Steeler Straße immer mal neue Versuche angesagt. Da gab es schon eine Flatrate – Für Maniküre musste nur einmal monatlich gezahlt werden. Auf neue Zeiten wurde sich ebenfalls schnell eingestellt. Schon 1979 öffnete Justen senior auch montags seinen Salon.
Die Schere aus der Hand legt dennoch auch Jana, die Friseur-Meisterin der vierten Justen-Generation. Sie hat 2017 mit dem Meisterbrief Top-Hair übernommen, jetzt aber andere Zukunftspläne. Alleine möchte Jana Justen den Salon nicht halten. „Wir waren immer zu zweit“, blickt sie auf die Firmengeschichte zurück. Zudem hegt Jana eigene Kinderwünsche. Daher legt sie noch eine kauftechnische Ausbildung nach, geht damit einen ähnlichen Weg wie Schwester Nele und verlässt den Pfad der Frisuren Ihre Eltern wiederum geben der Gesundheit den Vorzug und sagten dem Friseurleben ade.

Fünf nunmehr ehemalige Friseure und Friseurinnen aus drei Generationen der Familie Justen: (v.l.) Heike, Fritz ­junior, Jana, Hannelore und Fritz senior. Foto: Frank Winter

Die Familie wünscht ihrem Nachfolger alles Gute

Und so endet nach 87 Jahren das Kapitel Justen der Rotthauser Friseur-Historie. Der Name Top-Hair Justen dagegen bleibt der Karl-Meyer-Straße erhalten. Ihn durfte Nachfolger Abdulkarim Al-Gergery übernehmen. Und mit Andrea, Dani, Jan und Kübra sind auch noch viele bekannte Gesichter unter den Mitarbeitenden.

Die gesamte Familie Justen wünscht Al-Gergery alles Gute in ihren nun ehemaligen Räumen und bedankt sich auf diesem Wege nochmals bei allen Mitarbeitenden in den vielen Jahrzehnten und bei der Kundschaft für deren Treue – oft über Generationen hinweg.


Gefühlswelten mit der Kundschaft geteilt

Im Laufe der Jahre hat sich so einiges geändert. Lachend blicken die Justens auf die Zeiten zurück, als im Salon noch Unmengen Haarspray versprüht wurde, die Dauerwellen angesagt waren und drei Stunden Zeit in Anspruch nahmen. Nicht nur die Frisuren, auch die Techniken haben sich mit der Zeit verändert.

Dass der Friseuberuf mehr bedeutet als nur Haare zu pflegen, das wiederum ist über die Jahnzehnte unverändert geblieben.

Ob Steeler oder Karl-Meyer-Straße – mit den Jahren kannten die Justens nicht nur die Frisuren ihrer Kundschaft. Ob Trauer, Krankheit Scheidung auf der einen Seite oder Freude, Hochzeit, Geburt auf der anderen – die Justens haben alle Gefühlswelten miterlebt, oft geteilt. „Wir haben gerne gearbeitet“, lautet die einhellige Aussage.


Die Schule des Wartens

Aus der Gründerzeit des Salons Justen sind keine Fotos vorhanden. Im Familienbesitz befinden sich allerdings einige Zeichnungen des Gelsenkirchener Künstlers Fritz Schwartz (1898-1981). „Fritz Justens Bartschererei – Die Schules des Wartens“ ist auf einer zu lesen. Laut Fritz Justen junior sei sein Großvater darauf sehr gut getroffen. Ebenso der erste Salon in der Steeler Straße in den 30er-Jahren.