„Für uns ist das Luxus“

Aus Hanoi ins Ruhrgebiet: Fünf Vietnamesinnen berichten über ihre Altenpflege-Ausbildung bei der APD

Als ihre Eltern in Vietnam sich am 25. Januar ein frohes neues Jahr wünschten, konnten fünf junge Frauen das wichtigste Fest ihres Heimatlandes nur via Skype mitfeiern. Mehr als 9.000 Kilometer entfernt absolvieren sie eine Ausbildung zur Altenpflegefachkraft bei der APD Ambulante Pflegedienste Gelsenkirchen GmbH.

Alle fünf haben in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi ein halbjähriges Praktikum in einem Seniorenzentrum gemacht. „Dort habe ich von der Möglichkeit erfahren, die Ausbildung in Deutschland zu machen“, erklärt die 22-Jährige Pham Thi Hue. Die Verbindung entstand durch eine Kooperationsanfrage der Fresenius Schule in Herten. Letztere hatte ein neues Projekt gestartet und war durch eine Anwerbe-Initiative der APD für Pflegekräfte aus Serbien auf die APD aufmerksam geworden.

„Die jungen Frauen waren anfangs noch schüchtern und zögerten, ihre Meinung zu äußern“, erklärt Mareike Finger, die die Ausbildung bei der APD leitet. In den Schulstunden zeigen sich die Vietnamesinnen sehr engagiert. „Bei uns zu Hause gibt es nicht viele Möglichkeiten, Arbeit zu finden“, sagt Pham Thi Hue. Die Arbeit mit alten Menschen macht ihr Spaß. „Im Unterschied zu ihrer Heimat seien viel mehr Menschen in Deutschland pflegebedürftig, wundert sie sich. Ambulante Pflege gibt es in Vietnam nicht. Diese Aufgabe übernimmt meistens die Familie. Meine Mutter macht sich ständig Sorgen“, sagt Pham Diem Quynh und lächelt. Die 20-Jährige tauscht sich täglich zwei Stunden mit ihrer Familie aus, obwohl sechs Stunden Zeitverschiebung zu überbrücken sind. Pham Diem Quynh hat nach dem Abitur angefangen, deutsch zu lernen: „Ich wollte schon immer nach Deutschland kommen“, verrät sie. Der Pflegejob in Deutschland ist ganz anders ist als in Vietnam: „Man hat viel mehr Hilfsmittel.“

Tran Thi Nhat Linh fühlt sich ebenfalls wohl. Sie telefoniert oft mit ihrem „Opi“. „Wir haben in Deutschland bessere Möglichkeiten zu arbeiten“, sagt die 20-Jährige. Auch der Verdienst ist ganz anders. In Vietnam verdienen Auszubildende in der Altenpflege lediglich 200 Euro, examinierte Kräfte 400 Euro im Monat. Den Vietnamesinnen erscheint deshalb die Ausbildungsvergütung – im ersten Jahr rund 1150,- Euro monatlich – geradezu „luxuriös“. Und so schicken sie auch ab und an Geld nach Hause, um ihre Familien zu unterstützen.

Insgesamt haben die Frauen nach ihrem ersten Ausbildungsjahr einen positiven Eindruck von ihrem neuen Zuhause und ihrem Arbeitgeber gewonnen. Auch die APD ist zufrieden mit ihnen. Für die „United Nations of APD“ sind Frauen und Männer aus über zehn verschiedenen Nationen im Dienst, darunter Türken, Russen, Polen, Serben, Syrer und viele andere. Das Unternehmen betrachtet diese Vielfalt als große Chance. Mareike Finger: „Durch die vielen Muttersprachler können wir flexibler auf Situationen eingehen, da die Pflegeperson häufig die Muttersprache seines Patienten beherrscht.“

Mehr Infos: www.apd.de