„Fine“ feiert 100. Geburtstag im Besucherzelt

Vier Generationen auf einem „Mädels-Foto“: Josefine Baumeister (unten, Mitte) mit ihren Urenkelinnen Nele Redottè und Lia Staudinger, ihrer Tochter Brigitte Staudinger und ihren Enkelinnen Andrea Staudinger und Beate Redottè (von links). Foto: Brigitte Staudinger

Josefine Baumeister musste wegen Corona auf große Fete verzichten – Rückblick auf ein bewegtes Leben

(JP) Rotthausen, 25. Mai 1920: Josefine Baumeister, geboren Elsner, erblickt das Licht der Welt. 100 Jahre später feiert sie mit ihren engsten Verwandten im Seniorenheim an der Schonnebecker Straße ihren Geburtstag – längst heißt sie Josefine Baumeister und lässt sich vom Corona-Virus nicht unterkriegen.

Das Leid nach dem ersten Weltkrieg (1914 bis 1918), die Goldenen Zwanziger, die Nazi-Diktatur (1933 bis 1945), der Kalte Krieg, der Mauerfall (1989), die Jahrtausendwende (2000): Josefine Baumeister blickt auf ein bewegtes Leben zurück. Kaum vorstellbar ist heute das Leben, in das die Rotthausern 1920 hineingeboren wurde.

Umso fröhlicher war die Stimmung, als ihr der engste Verwandschaftskreis auf der Wiese des Seniorenheimes an der Schonnebecker Straße ein Geburtstagständchen sag. Sichtlich berührt genoss das Geburtstagskind die Aufmerksamkeit. Ein großer Ballon mit einer 100 zierte ihren Rollstuhl. „Der Moment war natürlich auch mit vielen Tränen verbunden“, gestand Tochter Brigitte Staudinger. „Eigentlich hatten wir unten das Café für rund 30 Personen reserviert. Dann kam Corona dazwischen“, ergänzt sie.

Seniorenheim ermöglichte kleine Geburtstagsfeier

Doch das Personal des Seniorenheimes ermöglichte den Familienmitgliedern den Besuch. Auf der großen Wiese konnte der Abstand eingehalten werden. Im Besucherzelt durften jedoch nur zwei Personen gleichzeitig mit Josefine Baumeister sprechen – und das für nur 30 Minuten. „Das hat mich sehr belastet. Allerdings hat das Personal nicht ganz genau auf die Uhr geschaut“, sagt ihre Tochter dankbar. „Schließlich liegt es nicht bei uns in der Familie, dass Menschen so alt werden.“

„Fine“, wie die Seniorin von Familie und Freunden nur gerufen wird, ist stark in ihrer Heimat verwurzelt. Noch vor Corona nahm sie regelmäßig an den Stammtisch-Treffen ihrer ehemaligen Gymnastik-Gruppe teil. Beim damaligen Verein DJK Rotthausen gehörte sie zu den Gründern der Gymnastikabteilung. Auch Schwimmen gehörte zu den Hobbies der früheren Hausfrau. Am Abend verbrachte „Fine“ viel Zeit im Rotthauser Kolpinghaus. „Das war das Stammlokal meiner Eltern“, erinnert sich Brigitte Staudiner und ergänzt: „Sie erzählt noch immer gerne von früher.“

Allgäu war ein beliebtes Urlaubsziel

1943, auf dem Höhepunkt des zweiten Weltkrieges, heiratete sie ihren Mann, einen gelernten Bäcker und Konditor. Josefine Baumeister liebte dessen selbstgebackenen Keks. Er verstarb 2007. Einige Jahre zuvor hatte das Paar die diamantene Hochzeit begangen. Trotz ihrer Verbundenheit zum Stadtteil waren beide gerne gereist. Überwiegend ins Allgäu oder nach Schleswig-Holstein. „Mein Mann und ich waren vor zwei Jahren nochmal in Fischen und haben die Ferienwohnung von früher besucht. Die Vermieterin erinnerte sich sogar an meine Mutter“, blickt Brigitte Staudinger zurück.