Fabrikant erstellte Komplex Rosenhof vor gut 100 Jahren

Diese Ansichtszeichnung der Häusergruppe stammt aus dem Jahr 1911.

Serie: Häuser erzählen Geschichte(n) – Franke-Bau gehört heute zum Bestand der GFW

Von Frank Winter

Einen ganzen Gebäudekomplex wollen wir heute in Augenschein nehmen. Der befindet sich im äußersten Nordosten Rotthausens, kurz vor dem Übergang zu Alt- und Neustadt. Die Rede ist vom Rosenhof. So hatte Bauherr Josef Rosenbaum das Projekt vor gut 100 Jahren genannt, das heute postalisch an der Rotthauser Straße 67-75 und Im Gartenbruch 1-5 zu finden ist.

Eingereicht wurde das umfangreiche Projekt im Jahr 1911 vom Architekten Josef Franke, der für seinen Backsteinexpressionismus bekannt war. Wenige Jahre zuvor hatte Franke für Rosenbaum bereits dessen Wohnhaus an der Hindenburgstraße 73 (heute Husemannstraße, Altstadt) erstellt. Kein Wunder, dass sich der Fabrikant für seine Mehrfamilienwohnhaus-bebauung erneut an Franke wendete.
Seinerzeit hieß die Fortsetzung der schon zu Zeiten der Bauerschaft Rotthausen bestehenden Straße „Auf der Reihe“ Gartenbruchstraße. Die Gegend war um 1800 noch „Auf dem Gartenbruch“ genannt worden, woran heute nur noch die an der Bahnlinie endende kleine Sackgasse erinnert, die heute mit dem südlichen Teil des Gebäudekomplexes beginnt.

Die Ortswahl hatte Rosenbaum aus naheliegenden Gründen getroffen. Seit 1900 betrieb er eine Eisenwarenfabrik an der Wiehagenstraße. „Hemmschuhe, Wagenschieber, Oberbaugeräte, Werkzeuge“ bot er an. An diesem Standort, südlich vom Wiehagen zwischen Bahnlinie und Schwarzer Weg gelegen, befindet sich heute ein Penny-Markt.

 

Ein Schmuckstück ist das Ensemble auch heute noch. Es gehört zum Bestand der GFW, die es zuletzt vor zwei Jahren renovieren ließ.

Rosenbaum-Fabrik zog es schon 1914 nach Ückendorf

Nur gute 200 Meter von der Fabrik entfernt entstand also der neue Komplex, der nach der Fertigstellung allerdings ohne die Nähe der Fabrik auskommen musste. Denn die war vom damals noch zur Bürgermeisterei Stoppenberg und somit zum Rheinland gehörenden Rotthausen umgezogen ins westfälische Gelsenkirchen. Fortan befanden sich die „Westdeutsche Werkstätten f. Eisenbahn-, Industrie- und Baubedarf“ in der Ückendorfer Schlachthofstraße. Die Telefonnummer lautete übrigens zunächst weiterhin 222.

Auch ohne die Nähe zur Fabrik wurde der Rosenhof angenommen. Heute allerdings ist der Name immer weniger Menschen bekannt. Klar, ist doch die dem Komplex gegenüberliegende Gaststätte „Rosenhof“ an der Hartmannstraße längst geschlossen und der 1978 gegründete Freizeit- und Sportverein Union Rosenhof in Vergessenheit geraten.

Ansehnlich ist der aufgefrischte Gebäudekomplex des Bauherrn Rosenbaum und des Architekten Franke allerdings auch mehr als 100 Jahre nach seiner Entstehung noch. Er zählt mittlerweile zum Bestand der GFW, die ihn mehrfach überholt hat. Zuletzt wurde der Rosenhof vor zwei Jahren renoviert.