„Es gibt nicht nur Hungerhaken“

Kampf gegen Tabu: Curvy-Model Maren Masjosthusmann ermuntert Menschen, sich im eigenen Körper wohlzufühlen

Maren Masjosthusmann steht selbstbewusst zu ihren Kurven. Bei ihren rund 600 Instagram-Followern kommen die Fotos gut an.

(JP) Maren Masjosthusmann (26) liebt Fotos und steht gerne vor der Kamera – auch ohne die typische Modelfigur. Am 14. Dezember steht die Rotthauserin im Finale von „Fräulein Kurvig – Deutschlands schönste Kurven 2019“. Bei der Musical-artigen Show im Krefelder Circus Probst geht es aber um mehr, als den Modelvertrag für die Gewinnerin. Es geht darum, selbstbewusst ein Zeichen für Vielfältigkeit zu setzen.

Initiiert wird das weltweit erste PlusSize-Fashion Musical mit dem Titel „A Million Dreams“ von Melanie Hauptmanns. Als Moderatorin, Kolumnistin, Autorin, Bloggerin und mit Instragram möchte sie Männer und Frauen dazu motivieren, sich selbst zu lieben. 2014 rief sie die erste „Fräulein Kurvig“-Wahl und 2016 das männliche Pendant „Mr. Big“ ins Leben. Deutschlandweit nahmen etwa 2.300 Menschen an den Wahlen teil.

Auch Maren Masjosthusmann ließ sich davon inspirieren. „Ich habe das Thema ebenfalls auf Instagram verfolgt. Dann habe ich entschieden, mich für eine Wildcard bei der Wahl zu bewerben“, schaut die 26-Jährige zurück, die sich selbst als „mollig, aber schick“ beschreibt. Familie, Freunde und Bekannte stimmten über Facebook und Instagram für die Rotthauserin ab. Sie schaffte es ins Halbfinale und schließlich unter die besten 16 bei den „Big Twisters“ – einer Kategorie, bei der auch getanzt wird.

Auf die Unterstützung ihres Umfeldes und ihrer fast 600 Instragram-Follower kann sie sicher zählen. Kritische Stimmen gab es nicht: „Glücklicherweise habe ich ehrliche Freunde. Da hat niemand gesagt, dass ich mich nicht bei der Show bewerben soll.“ Vielmehr erhielt sie durchweg positive Rückmeldungen. „Meine Mutter wurde beispielsweise schon von den Nachbarn angesprochen. Das macht natürlich stolz“, schildert die 26-Jährige und ergänzt: „Persönlich musste ich es weder auf der Straße, noch in der Schule erleben, wegen meines Körpers schief angeschaut zu werden“, berichtet Masjosthusmann.

Aufmerksam auf die Vielfalt der Menschen machen

Anfang Dezember startet sie in die Vorbereitung auf die finale Show. Tanz- und Modenschautraining stehen an. Auf den Sieg schielt das PlusSize-Model aber nicht. Das Modeln sieht sie als Hobby und zweites Standbein neben ihrem Job als Tourismuskauffrau. Viel wichtiger ist ihr, auf die Vielfalt der Menschen aufmerksam zu machen und Mut zuzusprechen. „Es gibt nicht nur die Hungerhaken. In vielen TV-Formaten wird sich über Menschen mit großen Größen lustig gemacht. Zudem scheint es ein Tabuthema zu sein. Medien wollen sich damit nur selten ernsthaft befassen“, so Masjosthusmann.

Sie ist der Meinung, dass sich deshalb gesellschaftlich noch viel verändern muss. „Klamotten in großen Größen sind teuer, wenn es überhaupt welche gibt“, führt die Rotthauserin beispielhaft an und beschreibt ihr Lebensmotto: „Ich verstecke mich nicht und habe Spaß am Leben. Man sollte zu sich stehen und nicht jedem Ideal hinterher hechten.“