Eine verstecke Hausnummer als letzte Erinnerung

Serie: Häuser erzählen Geschichte(n) – Alte Ostermann-Villa stand hinter der Zechenmauer

Von Frank Winter

Auf dieser Aufnahme aus den 1960er Jahren ist die Lage der Villa vor dem Förderturm und dicht an der Seilbahn zu erkennen.

In der ersten Folge unserer Serie über geschichtsträchtige Rotthauser Gebäude ging es gleich um ein historisches Trio, das immer noch an der Steeler Straße zu bewundern ist, darunter die Ostermann-Villa. Es war allerdings nicht das erste Haus dieses Namens in Rotthausen. Widmen wir uns heute also einem Gebäude, das gar nicht mehr steht – sowie einer Hausnummer, die es postalisch nicht mehr gibt und die dennoch heute noch zu sehen ist, wenn auch nicht jederzeit. Die Adresse lautet Rotthauser Straße 108.

Diese Nummer sehen immer mal wieder Busfahrgäste, die an der Haltestelle Schulz-Briesen-Straße an der Mauer des alten Dahlbusch-Geländes Ecke Zechenstraße warten. Rechts neben der Tafel zur Erinnerung an die Seilbahn der Zeche muss aktuell der wuchernde Efeu beseitigt werden, um die Nummer 108 freizulegen. Von einem Haus aber ist nichts zu sehen, hinter der Mauer liegt alles brach.

Eines der letzten Fotos von der alten Ostermann-Villa schoss Karlheinz Rabas im Januar 2004, kurz vor deren Abriss.

Einst stand dort auf dem Zechengelände die erste Ostermann-Villa, die allerdings vor knapp 15 Jahren abgerissen wurde. Heimatforscher Karlheinz Rabas hatte sie im Januar 2004 noch als Ruine fotografiert und vermutet angesichts des damals schon tätigen Baggers den Abriss im Laufe jenes Jahres. Da die neue Ostermann-Villa schon Anfang des vorigen Jahrhunderts an der Steeler Straße noch vor der Gründung der Zementwarenfabrik entstand, diente die alte Villa jahrzehntelang als Wohnhaus am Eingang zum Zechengelände, wie Adressbücher beispielsweise aus den Jahren 1927 und 1961 belegen.

Auch nach dem Aus der Zeche im Jahr 1966 war sie noch mindestens bis 1995 bewohnt. Daran erinnert sich ein ehemaliger Postbote in den „Gelsenkirchener Geschichten“. Zur Bauzeit der Villa dürfte sie postalisch noch an der Brunostraße gelegen haben.

Rechts oberhalb der Seilbahn-Erinnerungstafel findet sich noch heute die Hausnummer 108 in der Rotthauser Straße.

Gut zu erkennen ist der einstige Standort der Villa in unmittelbarer Nachbarschaft von Fördergerüst Schacht VIII und der 1925 erbauten Loren-Seilbahn, einem einstigen Wahrzeichen Rotthausens, auf einem Foto aus den 1960er Jahren. Dort sind Spaziergänger vor der Mauer zum Zechengelände auf eben jenem Teil der Rotthauser Straße zu sehen, wo sich heute in etwa die Haltestelle befindet – und die Hausnummer 108 zu finden ist.


Danke!

Unsere Serie über geschichtsträchtige Gebäude wäre nicht möglich ohne die Hilfestellung vieler geschichtsinteressierter Rotthauser.
Unser Dank gilt daher den vielen fleißigen Helfern des Stadtteilarchivs mit Heimatforscher Karlheinz Rabas vorneweg, die uns Zugang zu vielen Informationen und historischen Fotos ermöglichten. Und ebenso danken wir den Teilnehmern der Rotthauser Foren auf „gelsenkirchener-geschichten.de“, auf denen zahllose Anregungen und Hinweise zu finden sind.