Ein Lächeln als Lohn: zu gast bei der Tafel

Ein starkes und motiviertes Team für den Stadtteil: Ohne die tatkräftige Unterstützung von Christine Bartsch (dritte von links) und ihren Helferinnen gäbe es die Rotthauser Ausgabestelle nicht.

(JP) Hier gehört der Spaß bei der Arbeit mit dazu: Eine multikulturelle Gruppe aus neun Frauen betreut ehrenamtlich die Ausgabestelle der Tafel in Rotthausen. Durch Mundpropaganda wurde diese immer bekannter. Mittlerweile ist sie gut besucht.

Umarmungen, ein aufrichtiges „Danke“ oder ein einfaches Lächeln sorgen dafür, dass die Frauen um Christine Bartsch, Vorsitzende der Gelsenkirchener Tafel, jeden Montag gut gelaunt anpacken. Etwa 80 Kisten voller Lebensmittel werden verteilt. Die Rotthauer Post war bei der Ausgabe dabei.

Neue Tafel-Ausgabestelle verteilt 80 Kisten Lebensmittel pro Woche

Erst kamen zehn Menschen, heute 55: Rotthausen ist seit Oktober 2018 die jüngste von sechs „Filialen“

Von Julian Preuß (Text) und Ahmad Shihabi (Fotos)

Seit Oktober 2018 befindet sich im Pfarrsaal der St. Barbara-Kirche eine Ausgabestelle der Tafel. In den vergangenen Monaten kommen immer mehr Bedürftige, um Lebensmittel abzuholen. Ohne ehrenamtliche Helfer ist der Andrang nicht zu bewältigen. Neun Frauen sorgen jeden Montag dafür, dass alles reibungslos abläuft. Ihre Motivation: die Dankbarkeit der Menschen.

Im Oktober 2018 eröffnete die Gelsenkirchener Tafel an der Danziger Straße in Rotthausen die jüngste der insgesamt sechs Ausgabestellen. Rund 180 Ehrenamtler unterstützen die Initiative. zwei von ihnen sind Jutta Maurer (54) und Khitam Suleman (34). Sie stehen am Montagmorgen zusammen mit sieben weiteren Frauen am Eingang. Sie warten auf Christine Bartsch (51), Vorsitzende des Vereins.

Die Frauen begrüßen sich herzlich. Dann beginnen sie, den Raum für die Ausgabe der Lebensmittel herzurichten, die jeden Montag um 10.30 Uhr beginnt. „Als wir die Ausgabestelle eröffnet haben, kamen etwa zehn Menschen zu uns. Nun sind wir bei 55. Das schaffen wir nur mit dieser tollen Truppe. Die Mädels haben sehr gut zusammen gefunden“, lobt Christine Bartsch stolz. „Wir haben kaum Personalprobleme. In Rotthausen könnten wir aber noch männliche Untersützung gebrauchen,“ zwinkert Christine Bartsch.

Derweil haben die fleißigen Helferinnen vier lange Tische in einem Rechteck aufgestellt. „An einem Tisch packen die Kunden ihre Waren zusammen. Auf den weiteren Tischen werden die Lebensmittel aufgebaut. Diese werden nach Obst und Gemüse, Molkereiprodukten sowie Brot und Backwaren aufgeteilt und portioniert. So stellen wir sicher, dass jeder Besucher annähernd die gleiche Menge bekommt“, erklärt Jutta Maurer. Die Tafel bezieht die Lebensmittel über Spenden von Supermärkten und Großhändlern. Wöchentlich transportieren die Fahrer ungefähr zwei Tonnen Waren.

Davon liefert Fahrer Heinz Messing (59) mit seinem fünf-Tonnen-Sprinter etwa 80 Kisten an die Ausgabestelle nach Rotthausen. Seine Reise beginnt am frühen Morgen am Hauptsitz der Tafel im Stadtteil Buer, bis er am Pfarrsaal der St.-Barbara-Kirche ankommt.

Der Ton ist herzlich: Viele kennen sich mit Namen

Während die anderen Frauen die Einkaufskörbe mit Paprika, Tomaten, Champignons, Bananen, Äpfeln, Käse, Jogurt, Lachs, Nudeln und Vollkornbrot füllen, ruht sich Jutta Maurer ein wenig aus. Die Hausfrau kämpft mit einer angebrochenen Rippe. „Aber das hält mich nicht zurück. Ich darf nur nicht schwer heben“, erzählt die 54-Jährige. Darum beschränkt sie sich darauf, die Kunden zu bedienen. Viele kennt sie mit Namen. Auch das „Du“ wurde ihr oftmals angeboten. Der herzliche Ton und die Dankbarkeit der Menschen sind zusammen mit der freundschaftlichen Arbeitsatmosphäre die Gründe, weshalb sie sich auf jeden Montag freut.

Den Zusammenhalt der Gruppe spürt auch die hochschwangere Khitam Suleman. Auch ihr wird verboten, die schweren Kisten zu tragen. Die syrische Lehrerin lebt seit drei Jahren in Deutschland. In ihrer Heimat unterrichtete sie Georgrafie. „Ich habe mich bei der Tafel gemeldet, um besser Deutsch zu lernen“, führt sie aus, während sie Georg Dauhs Brot, Croissants und Rosinenbrötchen überreicht.
Der 60-Jährige geht seit zwei Jahren zur Tafel. Dauhs fühlt sich in der Rotthauser Ausgabestelle gut aufgehoben. Als er zur Altstadt ging, war das nicht immer so. „So freundliche Mitarbeiterinnen habe ich noch nicht gesehen. Auch mit der Auswahl an Lebensmitteln bin ich sehr zufrieden – ich bin einfach dankbar, dass es die Tafel hier im Stadtteil gibt.“