Ein kleiner Frosch macht großen Ärger

Am Brunnen auf der Bühne genießen das Mondpalast-Ensemble, Regisseur Thomas Rech, Autor Sigi Domke, Dramaturg Philipp Regener und Prinzipal Christian Stratmann den Jubel der Gäste.

Der Mondpalast von Wanne-Eickel begeistert mit der Nachbarschaftskomödie „Das Schweigen der Frösche“

Artenschutz und Klimawandel, soziales Gefälle und Gewaltbereitschaft: Lassen sich solche Themen auf der Bühne überhaupt vergnüglich verhandeln? Die Antwort lautet: Ja – im Mondpalast von Wanne-Eickel. Unter dem Titel „Das Schweigen der Frösche“ haben Hausautor Sigi Domke und Regisseur Thomas Rech Deutschlands großem Volkstheater eine neue Komödie verpasst, in der ein kleiner Frosch für großen Zoff sorgt. Am Donnerstag, 30. Januar, hatte das große Desaster hinter‘m Gartenzaun Premiere – und die Gäste ihren Spaß an zeitgemäßem Volkstheater der Extraklasse.

Die Ausgangssituation kennen doch alle: Die einen wohnen Tür an Tür zur Miete, die anderen genießen ihr Eigenheim. Die einen wünschen sich Ruhe nach einem stressigen Arbeitstag, die anderen können sich am fröhlichen Quaken der Frösche im Teich vor dem Haus gar nicht satt hören. Mit einer feucht-fröhlichen Gartenparty unter Nachbarn fängt es an. Zu diesem Zeitpunkt ahnt niemand, dass im Gartenteich des Ehepaars Brockmeier noch in derselben Nacht ein neuer Mieter einziehen wird, ein ziemlich kleiner, ziemlich laut quakender Frosch.

Störenfried und Kindersatz

Den Anwohnern aus dem Mietshaus (Astrid Breidbach/Heiko Büscher, Silke Volkner/Axel Schönnenberg, Andreas Wunnenberg/Melanie Linka und Thomas Hünerfeld) raubt der Grüne Schlaf und Nerven. Das neureich-prollige Ehepaar Brockmeier (Susanne Fernkorn/Dominik Brünnig) in seinem protzigen Eigenheim betrachtet „hyla arborea“, wie der Laubfrosch auf Lateinisch heißt, als eine Art Kindersatz und tauft ihn „Zombie“. Schon bald können die Gäste erleben, wie Zombies nächtliche Balzrufe die Emotionen hochkochen lassen. Sogar die Lokalzeitung gießt Öl ins Feuer – in Person eines Lokalreporters mit Alkoholproblem (Ekki Eumann).

Und der Funke springt über: Die Gäste amüsieren sich königlich über die mit großem Wortwitz, klasse Timing, Körperkomik und deftigen Sprüchen gespickten Szenen. Das große Ensemble zeigt sich ohne Ausnahme engagiert, spielfreudig und quicklebendig. Wegen der Erkrankung von Mondpalast-Urgewalt Martin Zaik übernahm Dominik Brünnig kurzfristig die Rolle des „Rooooobärt“ Brockmeier. Eine gute Wahl, da Brünnig die Gelegenheit nutzt, um zu zeigen, welches komödiantische Können in ihm steckt. Szenenapplaus gibt es für Axel Schönnenbergs Slapstick-Spagat auf dem Gartentor und für Susanne Fernkorns faszinierende Darstellung einer ganz besonderen Verwandlung. Auch Thomas Hünerfeld, ein neues Gesicht im Ensemble, tut als zackiger Soldat viel mehr als seine Pflicht.

Das Ende kommt rasch und anders als erwartet. Das sorgt für Standing Ovations, strahlende Gesichter beim Abschlussapplaus und jede Menge Gesprächsstoff im Foyer. So muss modernes Volkstheater sein. Mehr geht nicht.

Infos und Termine: www.mondpalast.com