Dorf der freien Männer ist Ursprung Rotthausens

Serie: Name Weindorf geht auf ein Wort der alten Sachsen zurück – Bistum Essen nutzte Höfe einst als Wache gegen Angreifer aus der Mark

Von Frank Winter

Die Karte der Bauernschaft Rotthausen um 1800 macht die Lage Weindorfs deutlich.

War Rotthausen einst ein Weindorf? Mitnichten! Der Name der Straße, die Ostermann- und Mechtenbergstraße im Ortsteil Düppel verbindet, führt uns zwar zu den Ursprüngen des heutigen Gelsenkirchener Stadtteils, geht aber keinesfalls auf den Weinanbau zurück.

Obwohl die Geschichte eigentlich zu schön ist, die sich ein Forumsmitglied der „Gelsenkirchener Geschichten“ vor einigen Jahren erdachte: „Im letzten Jahrhundert wurde dort eine dem Chardonay ähnliche Traube angebaut und daraus Weine wie Rotthauser Grubenstürzer oder auch Achternberger Stößchen gekeltert. Beide sind Rote, zeichnen sich durch ein kräftiges Pfingstrosenaroma aus, sind recht trocken, im Abgang fast staubig.“

Letztes Gebäude des Hofs Weindorf brannte 1897 ab

Das Stadtteilarchiv kann sich auf die Namensforschung des gebürtigen Esseners Alfred Weindorf stützen. Demnach handelt es sich um das „Dorf der alten Männer“. Um 1200 wurde Wedinkthorpe erstmals erwähnt. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich der Name über u.a. Weydingtorpe, Weidentorpe und Widinctorpe zu Weindorf. Namensursprung ist laut Geschichtsschreiber Tobien das Wort „Weiding“. So bezeichneten die alten Sachsen einen freien Mann, der im Wald wohnt.
Das Stift Essen nutzte Weindorf in kritischen Zeiten auch zum Anlegen einer Wache gegenüber Angriffen aus der Mark. Als letzter Besitzer des Hofs Weindorf ist der Name Ostermann vermerkt, der die Tochter des letzten Schulten zu Weindorf geheiratet hatte. Dieser vereinigte beide Höfe und ließ das Hauptgebäude des Schultenhofs Weindorf in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts abbrechen. Das letzte verbliebene Gebäude, eine Scheune mit Tor-Durchfahrt, brannte 1897 ab. Die heutige Weindorfstraße befindet sich an der Stelle, wo einst der Hof die Basis für die Entstehung Rotthausens gelegt hat.

Denn der Flecken Weindorf gehört neben dem Flecken Scheven (Schemann) und dem Reihendorf Auf der Reihe zu den drei Siedlungen, die den Kern des späteren Dorfs Rotthausen bildeten.

Die unterschiedlichen Schreibweisen der vielen Besitzer dürften für den schon seit Jahrhunderten gebräuchlichen heutigen Namen verantwortlich sein, der mit dem ursprünglichen Sinn nichts mehr gemein hat, aber längst selbst historisch ist.


Straßennamen ab 1896

Im ersten Teil unserer neuen Serie hatten wir uns der Karl-Meyer-Straße gewidmet und dabei erwähnt, dass Straßennamen in Rotthausen erst seit etwa 1875 erwähnt wurden. Karlheinz Rabas machte uns darauf aufmerksam, dass der aktuelle Forschungsstand den Zeitpunkt einige Jahre später ansiedelt. Im Essener Stadtarchiv wurde festgestellt, dass Straßennamen von 1896 bis 1898 schrittweise eingeführt wurden, auch in Rotthausen. Während für Katernberg (1.11.1896), Stoppenberg (1.11.1897) und Schonnebeck (1.11.1898) der Beginn genau ausgemacht werden konnte, wurde das genaue Datum der Einführung für Rotthausen noch nicht gefunden.