Der Nachfolger forscht zur Pandemie

Zwei Generationen kümmern sich in der Schulz-Briesen-Straße 3 um die Gesundheit der Rotthauser Bürger: Olaf Klug (links) und Dr. Willi Mast bilden ein Ärzte-Tandem. Foto: Günter Iwannek

Der Allgemeinmediziner Olaf Klug steigt ab Sommer 2022 als Partner in die Praxis von Dr. Willi Mast ein

Dr. Willi Mast und Olaf Klug arbeiten jetzt schon gemeinsam in der Praxis an der Schulz-Briesen-Straße 3. Klug befindet sich derzeit in der Weiterbildung zum Allgemeinmediziner und schreibt an seiner Doktorarbeit. Im Sommer 2022 soll er gleichberechtigter Partner und später Nachfolger von Mast werden. Mit Jennifer Humpfle von der Rotthauser Post sprachen die Ärzte über ihr gemeinsames Buch und über künftige Schwerpunkte der Praxis.

Dr. Mast, einer Ihrer Schwerpunkte ist die Naturheilkunde. Wie verbinden Sie das mit der Schulmedizin?
Mast: Naturheilkunde und Schulmedizin schließen sich nicht aus. Viel mehr handelt es sich um eine notwendige Ergänzung, die in Kombination mit etablierten Verfahren zu besseren Ergebnissen führt. Wir wissen heute, dass die Ernährung eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Erkrankungen spielt. Warum sollte sie im Umkehrschluss nicht auch gesundheitsfördernd wirken? Wir haben ein ganzes Spektrum an Naturheilkundeverfahren etabliert wie die Neuraltherapie, Akupunktur, Phytotherapie, Hyperthermie, Bio-Lasertherapie etc.

Wie hat sich die Pandemie auf Ihren Alltag ausgewirkt?
Mast: Das war schon ein großer Einschnitt. Gott sei Dank haben wir die Praxis noch umgebaut, bevor die zweite Welle kam, sodass wir den Praxisablauf „corona-gerecht“ gestalten können, mit Luftfilter etc. Es ist wichtig, frühzeitig zu diagnostizieren und auch zu behandeln und nicht erst zu warten, wie der Verlauf ist.

Wie kam es, dass Sie gemeinsam ein Buch geschrieben haben?
Klug: Im Frühjahr 2020 arbeitete ich im Rahmen meiner universitären Anbindung über drei Monate ausschließlich an der zu diesem Zeitpunkt neuartigen Erkrankung, ausgelöst durch den Erreger Sars-CoV 2. Es entstand eine „Metaanalyse“, so nennen wir die Zusammenfassung vieler einzelner Erkenntnisse, die später als Grundlage für unser Buch „Covid-19 – neuartig, gefährlich, besiegbar!“ dienen sollte. Wir waren uns einig, dass wir unser Wissen allgemeinverständlich aufbereiten wollten.

Was sind die Kernaussagen?
Mast: Die Hauptaussagen stecken eigentlich im Titel „Covid-19 – neuartig, gefährlich, besiegbar!“ Die Krankheit ist neuartig und wir müssen sie verstehen, um vorzubeugen und richtig zu behandeln. Sie ist gefährlich, auch wenn manche das Gegenteil behaupten. Sie ist besiegbar – und das ist letztendlich nicht nur ein medizinisches, sondern auch ein gesellschaftliches Problem.

Dr. Mast, warum haben Sie sich in Rotthausen niedergelassen?
Meine erste Assistenzarztstelle war am Bergmannsheil Buer, wo ich meine internistische Ausbildung begann. Aber ich habe mich später entschlossen, mich als Allgemeinmediziner niederzulassen, weil ich Patienten nicht nur fachspezifisch, sondern ganzheitlich behandeln wollte. Diesen Entschluss habe ich nie bereut. Mein Vorgänger, Dr. Backwinkel, hat mich 1984 eingeführt, und ich wurde von den Patienten im Stadtteil gut angenommen. Rotthausen ist inzwischen meine zweite Heimat.

„Ich schätze die respektvolle Art und Weise von Dr. Mast“

Wie schwer ist es heutzutage, einen Nachfolger zu finden?
Mast: Eine Zeitlang war es ziemlich schwierig. Irgendwann habe ich Olaf Klug gefragt, ob er sich das vorstellen kann. Im Juli nächsten Jahres ist seine Weiterbildung beendet und er steigt als mein Nachfolger ein.

Herr Klug, was ist für Sie der Reiz an Rotthausen?
Klug: Meine Beweggründe für eine Niederlassung waren weniger ortsgebunden, sondern mehr das selbstbestimmte Arbeiten. Ich schätze die kollegiale Zusammenarbeit mit Dr. Mast und die freundschaftliche und respektvolle Art und Weise, wie er mit den Menschen umgeht. Wenn im Stadtteil viele unterschiedliche Kulturen und Religionen aufeinander treffen, bedarf es für ein harmonisches Zusammenleben ein großes Maß an Akzeptanz, Toleranz und zum Teil auch Veränderungsbereitschaft. Dafür steht nicht nur Rotthausen, sondern das gesamte Ruhrgebiet.

Wie möchten Sie die Praxis weiterführen?
Klug: Ich möchte aktuelle Schwerpunkte wie die Naturheilkunde übernehmen, aber auch weitere setzen. Die gesellschaftlichen Entwicklungen gehen mit speziellen Krankheitsbildern einher. Wir beobachten zum Beispiel das vermehrte Auftreten von Erkrankungen wie Krebs, Rückenbeschwerden oder psychischen Erkrankungen. Das macht deutlich, dass die Therapie einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen muss.Ernährungsberater, Physio- und Psychotherapeuten sowie Ärzte verschiedener Disziplinen sollten die Patientinnen und Patienten beraten, um gemeinsam ein individuell ausgerichtetes Konzept anzufertigen. Somit ist mein Anliegen, den Menschen in seiner Ganzheitlichkeit in den Fokus der Behandlung zu stellen.


Zur Person

Dr. Willi Mast (73) ist in Augsburg aufgewachsen. Er studierte in München und Tübingen und machte den Facharzt der Inneren Medizin sowie der Allgemeinmedizin. Für seine erste Assistenzarztstelle kam er ins Ruhrgebiet und blieb. Er ist verheiratet und hat einen Sohn. Die Familie lebt in Rotthausen. Mast war 2016 Mitinitiator der Initiative „Medizin für Rojava“. Zusammen mit seiner Frau fuhr er nach Kobane/Nordsyrien, um die medizinische Ausstattung eines Gesundheitszentrums zu überbringen, das von deutschen „Brigadisten“ gemeinsam mit kurdischen Bauarbeitern dort errichtet wurde. Für AUF Gelsenkirchen ist er in der Bezirksvertretung Süd aktiv. In seiner Freizeit treibt er Sport, geht gerne schwimmen und spielt Geige.

Olaf Klug (30) ist gebürtig in Recklinghausen und lebt nun in Essen. Er studierte in Göttingen und Dresden, arbeitete an den Unikliniken in Heidelberg und Essen, ist seit 2016 Arzt. Klug spielt Klavier und Gitarre, macht Sport, kocht gern und geht gerne in die Natur. Die Medizin bezeichnet er auch als sein Hobby, ebenso wie das Fotografieren. Die in der Praxis aushängenden Fotos stammen von ihm.