Anwohner machen mobil gegen „Friedberg“

Marianne Backhaus (links) wohnt seit 1973 an der Saarbrücker Straße, 1998 kauften Heidemarie Reske (rechts) und ihre Eltern ein Haus an der Achterbergstraße. Sie fühlen sich durch Lärm, Staub und Gerüche belästigt, die durch die Firma Friedberg verursacht würden.

Nachbarn klagen über Lärm, Staub und Gerüche – Traditionsfirma hat nach Kritik erste Maßnahmen ergriffen

Noch immer kein Frieden bei „Friedberg“:
In einem Brief an die Rotthauser Post berichten Anwohner des metallverarbeitenden Traditionsunternehmens von Lärm-, Staub- und Geruchsbelästigung. Sie fürchten nach eigenen Aussagen um ihre Gesundheit. „Friedberg“ reagierte auf die Beschwerden umgehend mit ersten Maßnahmen. Auch die Wirtschaftsförderung schaltete sich ein. Prüfungen an der Achternberg-, Saarbrücker und Elsässer Straße ergaben: „Alle Werte befinden sich im erlaubten Bereich.“

Friedberg kontert Anwohnerkritik: „Qir halten uns streng ans Gesetz“

Untersuchungen der Fachämter bestätigen Traditionsfirma: Alle Werte befinden sich im erlaubten Bereich – Anwohner klagen über erhöhte Lärm-, Geruchs- und Staubbelästigung durch Metallverarbeiter

(SuSch/JP) Seit 136 Jahren verarbeitet das Familienunternehmen „Friedberg“ in Rotthausen Metall. Am historischen Standort Achternbergstraße – an den die Wohnbebauung immer näher herangerückt ist – produziert die Traditionsfirma heute mit rund 170 Mitarbeitenden für die Windenergie, Stahl- und Hochbau sowie Spezialverbindungsteile. Über Jahrzehnte hinweg pflegte man ein gutes Verhältnis zu den Nachbarn. Doch damit ist es vorbei. Seit 2018 wehrt sich eine Gruppe Anwohner gegen eine aus ihrer Sicht zu hohe Lärm-, Geruchs- und Feinstaubelastung durch den Metallverarbeiter. Die Firma widerspricht.

Heidemarie Reske und Marianne Backhaus sind die Köpfe der Anwohne rinitiative. Nach eigenen Angaben vertreten sie eine Gruppe von rund zehn Personen, die an der Achternberg-, Saarbrücker und Elsässerstraße in direkter Nachbarschaft zu „Friedberg“ leben. In einem Brief an die Rotthauser Post heißt es: „Mit Ausdehnung der Produktion war es in der letzten Zeit zu einer für [die Anwohner] unzumutbaren Lärm-, Geruchs- und Verkehrsbelästigung gekommen.“ Darin sehen die Vertreterinnen eine Gefährdung ihrer Gesundheit. Der Lärm entstehe durch das Befüllen von Containern mit Metallschrott – eine Arbeit, die zwischen 6 und 22 Uhr durchgeführt werde. Der Lärm sei auch auf den Motorlärm der Sattelzüge zurückzuführen, die auf den Firmenhof fahren. Zusätzlich trete seit mehr als zehn Jahren tagsüber und nachts ein „extremer Ölgestank“ durch die Härterei auf. „Wir können uns im Sommer nicht im Garten aufhalten. Gleichzeitig muss man Fenster und Türen geschlossen halten“, erläutern Backhaus und Reske. Man schlafe unruhig, leide unter Magen- und Kopfschmerzen.

Ende August 2019 fand eine öffentliche Anwohnerversammlung zum Thema statt. Die Firma Friedberg war nicht eingeladen, Geschäftsführer Michael Belasus saß jedoch als Gast im Publikum. Belasus: „Wir nehmen die angesprochenen Punkte sehr ernst und haben mit der Wirtschaftsförderung überlegt, was wir tun können, um die gute Nachbarschaft wiederherzustellen.“

Aufpflasterung des Hofes und neue Lagerhalle

Seitdem wurden eine Reihe von Maßnahmen durchgeführt. So ließ der Betrieb den Hof an der Ecke Achternberg-/Saarbrücker Straße für einen sechsstelligen Betrag pflastern. Der alte Schotterbelag hatte für Staubaufwirbelungen gesorgt. Belasus: „Wir hatten beispielsweise wiederholt Probleme mit Lärmbelästigung in der Nacht durch aufstehende Dachluken. Dies Problem haben wir jetzt zu 100 Prozent durch eine technische Maßnahme gelöst.“ Zusätzlich wurden die Schrottcontainer schallgedämmt. Kurz vor Fertigstellung ist der Bau einer neuen Lagerhalle. Sie ersetzt ein Zelt auf dem Firmenhof, in dem bisher gelagert wurde. Die neue Halle werde den Gabelstapler-Verkehr auf dem Hof reduzieren, führt Belasus aus. Eines jedoch kann und will er nicht ändern: den Standort des Unternehmens im Herzen von Rotthausen. „Ein produzierendes Unternehmen wie wir kann nicht vollständig unbemerkt bleiben“, so Belasus. Das müsse jeder wissen, der in einem solchen „Gemenge-Gebiet“ wohne.

Die Anwohnerbeschwerden wurden auch von der Stadt Gelsenkirchen sehr ernst genommen. Dort prüfte das Referat Umwelt, die Stadt- und Verkehrsplanung und das Bauordnungsreferat die beanstandeten Sachverhalte. Die Koordination übernahm Rainer Schiffkowski, Leiter der Wirtschaftsförderung. Das Ergebnis liegt vor. Schiffkowski: „Friedberg ist ein im Bestand genehmigtes Unternehmen. Alle Kritikpunkte der Anwohner wurden genau geprüft. Die Firma arbeitet ohne jede Beanstandung. Damit sind die Umstände für das Betriebsgelände und die Umgebung zumutbar.“