Wie Rotthausen fast olympisch wurde

Auch mit 80 Jahren zeigt Sportbogenschütze Horst Krafzik der Konkurrenz, wo die Zielscheibe steht.

Auch mit 80 Jahren bleibt Horst Krafzik dem Bogensport treu

(JP) Mehrfacher deutscher Meister, Sportler des Jahres und beinahe Olympionike: Die Vita von Sportbogenschütze Horst Krafzik liest sich beeindruckend. Am 13. August feierte der Vereinsgründer seinen 80. Geburtstag, nimmt noch immer regelmäßig an Turnieren teil und zeigt der jüngeren Konkurrenz, wo die Zielscheibe steht.

Seit mehr als 55 Jahren brennt in ihm die Leidenschaft für den Bogensport. Zusammen mit fünf Freunden traf er sich anfangs regelmäßig auf einer Wiese in Dorsten, um mit Pfeil, Bogen und Zielscheibe zu trainieren und Turnierschütze zu werden. „Es gab sogar Ehekrisen, weil wir mehr Zeit mit Schießen verbracht haben, als mit unseren Frauen“, erzählt Krafzik. Jahrzehnte später gehört er zu den besten Bogenschützen Gelsenkirchens und ist Mitgründer des „Bogensport Clubs Gelsenkirchen“.

Als deutscher Meister zur Nationalmannschaft

„Die Begeisterung für das Bogenschießen entsprang schon in der Kindheit“, erinnert sich der 80-Jährige zurück. 1963 schloss sich Krafzik mit seinen Freunden dem Bürger-Schützenverein Erle Middelich an und baute dort eine Abteilung für den Bogensport auf. Ein Jahr später folgte der erste große Erfolg: In Hagen gewann er 1964 seine erste Deutsche Mannschafts-Meisterschaft. Das gelang ihm mehrfach – „Kurioserweise nur in den graden Jahren“.

Durch viele Titel sicherte sich der Schütze sogar einen Platz im Kader der Nationalmannschaft. Er nahm an Länderwettkämpfen gegen Belgien teil und gehörte zum Olympiakader für die Sommerspiele 1972 in München. Die beruflichen Verpflichtungen des gelernten Mess- und Regeltechnikers verhinderte eine Teilnahme. Ein Jahr zuvor machte er sich mit einem Restaurant im Gelsenkirchener Stadtgarten selbstständig.

Turnierreisen durch halb Europa

Für Turniere fuhr er bis in die Niederlande, Belgien und Frankreich. „Es ist schön, zusammen mit den Vereinskollegen zu reisen. Trotz des finanziellen Aufwandes bereue ich keine Sekunde“, erinnert sich der Linksschütze. Heute tritt er in der Seniorenklasse ab 65 Jahren an.

„Ich bin überall der Älteste, meine Konkurrenz ist fast 15 Jahre jünger“, berichtet der Rotthauser. Geschossen wird auf eine 50 Meter entfernte Zielscheibe. Es kommt auf Nuancen an. Pfeil und Bogen gleichen Hightech-Konstruktionen, bei denen jedes Gramm entscheidet. „Ist ein Pfeil schwerer als der andere, landet er sofort etwas tiefer, als anvisiert“, erklärt der mehrfache deutsche Meister. Ein Technikfanatiker ist er aber nicht.

Krafziks zweite Leidenschaft ist Radfahren. „Früher bin ich Straßenrennen gefahren, aber das war mir bald zu wild und zu gefährlich. Deshalb bin ich beim Bogensport geblieben.“ Heute macht er regelmäßige Radtouren mit dem Rotthauser Bürgerverein und trainiert zweimal die Woche im Fitnessstudio, um auch noch in einigen Jahren den Bogen spannen zu können.