Wenn die Schule nebensächlich wird

Zusammen für eine gesunde Umwelt: Die Rotthauser Schülerinnen Nicole Kappes und Selina Kessler nehmen während der Schulzeit an einer „Fridays For Future“-Demonstration teil

Für die Zukunft: Rotthauser Schülerinnen protestieren während der Schulzeit für den Umweltschutz

(JP) Selina Kessler (19) ist Teil der „Fridays For Future“-Bewegung. Zusammen mit vielen anderen Jugendlichen aus Gelsenkirchen protestiert die Rotthauserin während der Schulzeit für den Umweltschutz. Die Kritik, sie würde nur „schwänzen“, weist sie entschieden zurück.

Eine Gruppe Jugendlicher versammelt sich auf dem Heinrich-König-Platz in der Gelsenkirchener Altstadt. Sie halten bunte Schilder mit Aufschriften in die Höhe: „No Nature, No Future“, „Es gibt keinen Planet B“ oder „Smells Like Green Spririt“. Auch Selina Kessler ist unter den Teilnehmenden. Eigentlich müsste die Abiturientin im Mathe-Unterricht sitzen. Stattdessen macht sie die Passanten auf Mikroplastik, Tierschutz und die menschengemachte Klimaerwärmung  aufmerksam. Die Botschaft ist deutlich: „Wir schwänzen um euch zu lehren“ steht auf einem Plakat geschrieben.

„Fridays For Future“ wurde von der 16-jährigen Schwedin Greta Thunberg initiiert. Sie möchte mit Schulstreiks erreichen, dass Schweden sich an das Übereinkommen von Paris hält. Dies besagt auch, dass der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf unter 2 Grad Celsius begrenzt werden soll. „Jeder von uns kann dazu beitragen, dieses Ziel zu erreichen. Jeder kann auf Plastiktüten und Coffee-To-Go-Becher verzichten oder Zigarettenkippen im Müll entsorgen. Weniger Fleisch zu essen ist ebenfalls möglich – auch in finanzschwächeren Gebieten wie Rotthausen“, meint Selina Kessler.

Schulen drohen mit Konsequenzen

Schon lange ernährt sich die Familie von Selina Kessler vegetarisch. Seit Beginn dieses Jahres verzichtet die 19-Jährige komplett auf tierische Produkte. Wegen ihres umweltpolitischen Interesses ist sie auf die Aktion von Greta Thunberg aufmerksam geworden und überzeugt: „Durch unsere Streiks ist der Umweltschutz wieder medial präsent. Das übt Druck auf Politiker aus“, so Selina Kessler, die einen Pädagogik- und Englisch-Leistungskurs belegt.

Die Schülerin des Ricarda-Huch-Gymnasiums sieht es als politische Bildung an, während der Unterrichtszeit zu protestieren. Die Schulleitung sieht das anders. „Obwohl viele Lehrer ‚Fridays For Future‘ nicht schlecht finden, wurde die offizielle Beurlaubung nicht akzeptiert. An anderen Schulen haben mit Tadeln gedroht“, ist sich Selina Kessler dem Risiko bewusst. Ihre Eltern unterstützen sie bei der Protestaktion. „Sie finden es gut, dass ich mich politisch engagiere“, erzählt sie. So sehen es auch viele ältere Passanten, die sich interessiert anhören, was die Protestierenden zu sagen haben. Auch Prominente, wie der ehemalige Schalker Benedikt Höwedes unterstützen die Proteste. Wenn er könnte, würde er eigenhändig Entschuldigunen ausstellen, schrieb er in den sozialen Medien.

„Wer schwänzen will, macht das, wenn er möchte“

Dennoch gibt es viele Kritiker. Sie unterstellen der Gruppe, nur auf den Trend aus Schweden aufgesprungen zu sein, um nicht in der Schule zu sitzen. Das kann die Selina Kessler nicht nachvollziehen. „Wer schwänzen will, macht das, wenn er möchte. Dann stellt man sich nicht in den Regen um zu demonstrieren. Ist es schlimmer,  zwei Stunden Schule zu verpassen, oder dass zukünftige Generationen noch alle vier Jahreszeiten erleben können?“