Wedinktorpe – im Dorf der freien Männer

Auf Spurensuche im Stadtteil: Wie kommt Weindorf, eine Keimzelle Rotthausens, zu seinem Namen?

(GG) Zwischen Schwarzbach und Sauerland gelegen, findet sich in idyllischer Lage eine kleine Siedlung, aus mehreren Hof- und Kottenhäusern bestehend. Erstmals im 14. Jahrhundert urkundlich erwähnt, bildet Weindorf eine der Keimzellen des späteren Rotthausen. Aus den Siedlungen Weindorf und Scheven, zusammen mit den Höfen „Op de Rige“ (Auf der Reihe) bildete sich später das heutige Rotthausen. Aber warum der Name Weindorf?

Nährstoffreiche Böden westlich des Schwarzbachs, eine hinreichende Wasserversorgung durch den Vossgraben, der die Gebiete „Im Dahlbusch“ und das Lüttgenfeld entwässert, sowie eine leichte Hanglage im nördlichen Weindorf lassen den Anbau bestimmter Rebsorten vermuten.
Doch Weinsorten wie „Rotthauser Rote“ oder „Himmlisches Mechtenbergtröpfchen“ sind den Bewohnern im Gelsenkirchener Süden leider nicht vergönnt. So hilft nur ein Blick in die „Rotthauser Vergangenheit“ um die Herkunft des Namens zu klären. Wenn der heutige Schwarzbach eine natürliche Grenze zwischen den Sachsen im Osten und den Franken im Westen darstellte, so gab es Grenzbefestigungen wie auch das Haus Leithe am Junkerweg. Im „Wedinktorpe“ (heute Weindorf) lebten wohl die „freien Männer“, die Wedinge, die Wachmannschaften der benachbarten Befestigungsanlagen in einem kleinen Dorf. Das spätere Leben in dieser Dorfgemeinschaft war eher landwirtschaftlich geprägt. Galt es doch die Flächen im Umland wie das Weindorfer Feld zu beackern. Erst im 19. Jahrhundert änderte sich das Bild um Rotthausen. Der Bau der Köln-Mindener Eisenbahn durchschnitt Rotthausen von West nach Ost im Jahre 1847 und 1853 wurde schließliche der erste Schacht der späteren Zeche Dahlbusch abgeteuft.

Die heutige Weindorfstraße ist reines Wohngebiet ohne Industrie, Handwerk oder größere Dienstleister. Eine Kindertagesstätte und ein Telekom-Technikbau sind hier die Ausnahme. Ältere Wohnbebauung, vornehmlich drei- bis viergeschossig, entstand ab dem Jahr 1900. Weitere Bebauung in der Mitte entstand um 1950-1960. Ergänzt wurde in den verbliebenen Flächen die neuere Bebauung in den 80-iger und 90er Jahren. Die Weindorfstraße ist etwa 360 Meter lang und hat die Hausnummern 1-47.