United Nations of Rotthausen

Arbeitssuchende, Geflüchtete, Vertriebene und Zugewanderte aus 57 Nationen: Jeder vierte Einwohner im Stadtteil besitzt keine deutsche Staatsbürgerschaft

Es waren einmal 334 Einwohner, die um 1832 Rotthausen bewohnten. Sie hießen Hartmann, Tiemann, Ostermann oder auch Schemann, Schwattmann, Vorrath. Rotthausen war zu der Zeit noch etwas größer und reichte bis zum Gut Nienhausen. Diese Zeiten sind lange vorbei.

Industrialisierung und Bergbau sorgten dafür, dass die Einwohnerzahl um 1867 die 1000er Marke übersprang. Die weitere Entwicklung war rasant und gipfelte 1922 bei etwa 33.000 Einwohnern in Rotthausen. Danach sank die Bevölkerungszahl und lag 1972 erstmals wieder unter 20.000 Menschen. Der Abwärtstrend hatte 2012 seinen Tiefststand bei 13.329 Einwohnern. Zwischenzeitlich hat sich die Zahl wieder leicht auf 14.075 erhöht (31.03.2017). Woher kamen nun die Menschen, die nach Rotthausen zogen? Die Werber für den Bergbau wurden in den angrenzenden Gegenden „fündig“. Um 1880 kamen Polen, Masuren und Schlesier ins Revier. Nach 1945 strandeten hier viele Flüchtlinge und Vertriebene aus ehemaligen deutschen Ost-Gebieten. Ab 1950 trafen die ersten Gastarbeiter auch in Rotthausen ein: Italiener, Spanier, Griechen und später auch Türken, die heute noch die stärkste Personengruppe ausmachen. In den 1980er und 1990er Jahren zog es viele Aussiedler aus Polen nach Deutschland, so auch nach Rotthausen. Sie stellen nach Deutschen, Türken und Rumänen die viertgrößte Personengruppe. 2007 traten Bulgarien und Rumänien der EU bei. Ab der zweiten Hälfte 2011 zogen verstärkt Menschen aus diesen Ländern nach Deutschland, viele von ihnen auch nach Rotthausen. Die momentane Aufnahme von Geflüchteten vornehmlich aus Kriegsgebieten sorgt dafür, dass Menschen aus Syrien und der Arabischen Republik die fünftgrößte Personengruppe ausmachen. Es leben zurzeit 10.602 Personen mit erster deutscher Staatsangehörigkeit in Rotthausen und 3.402 Personen, deren erste Staatsangehörigkeit nicht deutsch ist. (Stand 31.12.2016). Der enorme Bevölkerungszuwachs in 150 Jahren geht also auf Arbeitssuchende, Flüchtlinge, Vertriebene und Zugewanderte zurück. Das hat nahezu immer gut funktioniert.