Stolpern gegen das Vergessen

In Rotthausen erinnern vier Stolpersteine an die Opfer des Nationalsozialismus: Die Rotthauser Post sprach mit dem Gelsenkirchener Initiator und Historiker Andreas Jordan über das Denkmalprojekt.

Der Künstler hatte eine scheinbar einfache Idee: „Ich will den Opfern des Nationalsozialismus ihren Namen, ihre Biographie wiedergeben.“ Mittlerweile hat Gunter Demnig aus Köln fast 60.000 Stolpersteine in der ganzen Welt verlegt, davon 161 in Gelsenkirchen. Hier kümmert sich der Historiker Andreas Jordan (55) mit der Projektgruppe STOLPERSTEINE des Vereins Gelsenzentrum um die Finanzierung und Durchführung der Verlegungen. In Rotthausen konnte Demnig mittlerweile vier der Stolpersteine platzieren.

Was hat Rotthausen mit den NS-Gräueln von Auschwitz und Theresienstadt zu tun? Wenn es nach Andreas Jordan, dem Leiter der Projektgruppe STOLPERSTEINE in Gelsenkirchen geht, ist das eine ganze Menge. Um dem Vergessen und der „Schlussstrich-Mentalität“ vieler Menschen entgegenzuwirken, setzt er sich seit 2009 für die Verlegung von Stolpersteinen in Gelsenkirchen ein.

Vor der eigenen Haustür

Stolpersteine sind zehn mal zehn Zentimeter große Betonwürfel. Ein Messingblech auf der Oberfläche der Würfel erinnert an Namen, Geburtsjahr und Verfolgungsgeschichte der Opfer des Nationalsozialismus. Verlegt werden die Steine stets vor dem ehemaligen Wohnhaus der Verfolgten. So werden diese symbolisch nach Hause gebracht und bleiben in ihrer Heimat in Erinnerung – andererseits wird sichtbar, dass die Verbrechen nicht in Ausschwitz und Theresienstadt begannen, sondern vor der eigenen Haustür.
Um diese Botschaft zu verbreiten, wollte Andreas Jordan vor mehr als zehn Jahren zunächst für einen Stolperstein in Gelsenkirchen spenden. Der Plan scheiterte daran, dass es niemanden gab, der sich um die Verlegung der Steine kümmerte. Kurzerhand übernahm Jordan diese Rolle und führt sie bis heute aus. Pro Woche ist er mit dem Projekt STOLPERSTEINE etwa zwanzig Stunden beschäftigt. Patenschaften für einen Stolperstein kosten 120 Euro.
Wo sind die Stolpersteine in Rotthausen zu finden?

Seit 2009 hat Gunter Demnig mithilfe der von Jordan gesammelten Spenden 161 Stolpersteine in Gelsenkirchen verlegen können. In Rotthausen erinnern vier dieser Steine an die Familie Löwenthal (Karl-Meyer-Str. 2), an Erich Lange (Schwanenstr. 6), Hartwig Wurm (Karl-Meyer-Str. 10) und Michael Hojnacki (Steinfurthstr. 26). Beim nächsten Verlegetermin am 24. November werden an sieben anderen Orten in ganz Gelsenkirchen insgesamt fünfundzwanzig neue Steine verlegt – Rotthausen ist nicht dabei.

Alle Informationen:
www.stolpersteine-gelsenkirchen.de

Andreas Jordan:
a.jordan@gelsenzentrum.de
Telefon 0209-999 4676