So ein Büro kann sich eine Stadt nur wünschen

OB Baranowski eröffnete neues QuartiersBüro für Arbeit und Bildung

(SuSch) Jetzt wächst zusammen, was auf den ersten Blick gar nicht zusammengehört: Ab sofort arbeiten das Integrationscenter für Arbeit (IAG) Gelsenkirchen, die Stadt Gelsenkirchen, das Rotthauser Netzwerk und die Rotthauser Post in einem QuartiersBüro zusammen.

Die neue und in dieser Form bundesweit einzigartige Einrichtung wurde am 8. März von Oberbürgermeister Frank Baranowski eröffnet: „Dieses Büro ist so entstanden, wie es sich eine Stadt nur wünschen kann – aus bürgerschaftlichem Engagement. Die Akteure haben nicht auf die Stadt gewartet. Sie wollen, dass es in Rotthausen eher rundgeht. Deshalb wollten auch wir als Stadt von Anfang an dabei sein.“ Das IAG wage ein „hochspannendes“ Experiment, so der OB, und eröffne die erste Außenstelle in einem Stadtteil. Es handele sich um einen Gegenentwurf zur klassischen Arbeitsverwaltung. Diese setze auf Zentralisierung, das IAG jedoch auf Dezentralisierung. Baranowski: „Arbeit und Stadtentwicklung werden in einem Büro gemeinsam umgesetzt. Das ist ein völlig neuer Politikansatz.“

Das QuartiersBüro mit dem Schwerpunkt Arbeit und Bildung befindet sich in einem ehemaligen Ladenlokal in der Karl-Meyer-Straße 23. Mit seinen Partnern will das IAG zur Verbesserung der Integrationschancen der Rotthauser Bürgerinnen und Bürger beitragen. Die Laufzeit des Projektes ist zunächst auf zwei Jahre festgelegt.

Raus aus den Amtsstuben – hin zu den Menschen
Drei Partner unter einem Dach: Innovatives QuartiersBüro setzt sich ehrgeizige Ziele – Schwerpunkt ist Arbeit und Bildung für Menschen in Rotthausen – Erste IAG-Außenstelle in einem Stadtteil – „Wir wollen ein arbeitsmarktpolitisches Dorf schaffen“

Wenn es um Arbeit und Bildung in Rotthausen geht, ist die Karl-Meyer-Straße 23 ab sofort die erste Adresse. In dem ehemaligen Ladenlokal eröffnete am 8. März ein neues QuartiersBüro.

Um 15 Uhr ging nichts mehr: Mehr als 30 geladene Gäste und Medienvertreter lauschten den Grußworten von Oberbürgermeister Frank Baranowski, IAG-Geschäftsführer Dirk Sußmann und Klaus Koschei, Vorsitzender des Rotthauser Netzwerkes. Die Neueröffnung stieß auf großes lokales Interesse. Aus erster Hand informierten sich u.a. Bürgermeisterin Martina Rudowitz, GfW-Geschäftsführer Klaus Nadolny, APD-Chef Claudius Hasenau, Bezirksbürgermeister Michael Thomas Fath und Ernst Majewski, Vorsitzender der SPD Rotthausen, über das neue Projekt. Aus Essen-Schonnebeck stieß CDU-Ratsmitglied Siegfried Brandenburg zur Gästeschar.

Ein Beitrag zur Stärkung des Stadtteils
Das QuartiersBüro ist ein neues Ladenlokal in der Karl-Meyer-Straße 23. In Kooperation mit dem Rotthauser Netzwerk, der Stadt Gelsenkirchen und der Rotthauser Post will das Integrationscenter für Arbeit Gelsenkirchen (IAG) als Jobcenter mit diesem Modellprojekt neue Wege gehen und zur Verbesserung der Integrationschancen der Rotthauser Bürgerinnen und Bürger beitragen. IAG-Geschäftsführer Dirk Sußmann umriss die Ziele des Projekts: „Wir möchten mit diesem Projekt die Themen Beschäftigung und Qualifizierung aus den Amtsstuben hin zu den Menschen vor Ort zu bringen und erhoffen uns, dadurch positive Effekte für den Arbeitsmarkt zu erzielen und somit einen Beitrag zur Stärkung des Stadtteils zu leisten.“

Lotsenfunktion für Arbeitssuchende vor Ort
Das „QuartiersBüro“ bietet Austausch, Information und  Beratung für Bürgerinnen und Bürger und möchte als erste Anlaufstelle eine Art „Lotsenfunktion“ für Rotthauser Arbeitsuchende übernehmen. Die ersten Schritte im Stadtteil sind bereits gemacht. Im vergangenen Juli präsentierte sich das IAG unübersehbar mit einem ausladenden „JobPoint“ und 500 freien Arbeitsplätzen beim „Spiel der Traditionen“ auf dem Sportplatz Auf der Reihe. Zunächst staunten Teilnehmer und Gäste über die ungewöhnliche Aktion, dann überwog die Neugier. Dirk Sußmann: „Es gab sogar Arbeitgeber, die uns spontan freie Stellen meldeten. Da haben wir gemerkt: Der Einsatz vor Ort lohnt sich!“ Momentan besucht Irene Pawellek, die Beauftragte für Chancengleichheit des IAG, alle Rotthauser Kindertageseinrichtungen, um mit alleinerziehenden Müttern ins Gespräch zu kommen. Ziel der Besuche ist es, die Frauen zu informieren, welche Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten ihnen offenstehen. Dirk Sußmann: „Vielleicht klappt es, mit der einen oder anderen Frau Ideen zu entwickeln, wie es gelingen kann, in den Arbeitsmarkt hineinzugehen.“

Die ersten 80 freien Stellen sind schon im Aushang
Auf besonderes Interesse bei OB Baranowski und den Gästen der Eröffnung stießen die Stellenangebote, die im QuartiersBüro ausgehängt sind. Diese wurden vom Arbeitgeberservice zusammen mit dem Rotthauser Netzwerk zusammengetrangen. Dirk Sußmann: „Die ersten 80 Arbeitsplätze sind da. Es handelt sich um reguläre Jobs, die sofort besetzt werden können – vom Minijob bis zur unbefristeten Vollzeitstelle.“

Das QuartiersBüro investiert nicht nur in Arbeitsvermittlung, sondern auch in Bildung. Schließlich gibt es arbeitssuchende Menschen, die aus den verschiedensten Gründen nicht so gerne in die City-Büros des IAG gehen. Dirk Sußmann: „Vielleicht bietet das neue QuartiersBüro Gelegenheit, ganz anders miteinander zu reden, zueinander zu finden und Perspektiven zu entwickeln.“

Bewerbertage und Arbeitgeberfrühstück
Selbstverständlich warten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der Karl-Meyer-Straße nicht darauf, dass die Menschen zu ihnen kommen. Sie laden auch aktiv ein. Im QuartiersBüro werden Bewerbertage stattfinden. Außerdem werden die Rotthauser Arbeitgeber zum Beispiel zu einem „Arbeitgeberfrühstück“ eingeladen, um mit ihnen über freie Arbeitsplätze zu sprechen. Dirk Sußmann: „Wir wollen aktiv herausfinden, welche Möglichkeiten es in Rotthausen gibt, Arbeitsplätze zu besetzen und Menschen für Qualifizierung und Bildung zu gewinnen.“

Vier Kolleginnen und Kollegen, die sich bei der IAG freiwillig für das Rotthauser Modellprojekt gemeldet haben, werden von nun an täglich im QuartiersBüro anzutreffen sein. Jeder von ihnen setzt einen Schwerpunkt: Arbeitgeberservice, Migration, Familie und persönliche Einschränkungen. Personalwechsel soll es nicht geben, um die Teammitglieder als feste Ansprechpartner zu etablieren. Die Laufzeit des Projektes ist zunächst auf zwei Jahre angelegt mit der Option auf Verlängerung und auf Ausweitung. Nach den ersten sechs Monaten – so haben der IAG-Chef und das Rotthauser Netzwerk vereinbart – soll erstmals eine Zwischenbilanz gezogen werden. Dirk Sußmann: „Wir stehen ganz am Anfang. Jetzt geht es an die Arbeit. Wir probieren aus, wir wollen lernen. Wir sind bereit, Neues zu implementieren und immer offen für innovative Ideen. Damit diese Aufgabe gelingt, brauchen wir die Mitwirkung der Rotthauserinnen und Rotthauser. Unsere Tür ist für alle offen, wir freuen uns auf den Dialog.“

Kontakt:
QuartiersBüro Rotthausen,
Karl-Meyer-Straße 23,
45884 Gelsenkirchen,
Telefon 0209 – 40528659
Quartiersbüro@rotthausen.info

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag
9 – 12.30 Uhr und 13.30 – 16 Uhr,
Freitag 9 – 13 Uhr

„Das neue Quartiersbüro ist ein Gegenentwurf zur klassischen Arbeitsverwaltung. Die Arbeitsverwaltung setzt auf Zentralisierung, das IAG auf Dezentralisierung. Das ist ein völlig neuer Politik-Ansatz. Arbeit und Stadtentwicklung werden erstmals in einem Büro gemeinsam umgesetzt. Das ist hochspannend. Wenn das Projekt in Rotthausen gut funktioniert, müssen wir mal sehen, ob es auch woanders gut funktionieren könnte. Doch zunächst hat das Büro Experimentiercharakter. Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass es genau am richtigen Ort. an einem Ort, an dem wir uns auf eine engagierte Bürgerschaft und starke Partner verlassen können.“
Frank Baranowski, Oberbürgermeister der Stadt Gelsenkirchen

„Uns bewegt die Idee, bürgerschaftliches Ehrenamt, Elemente der Quartiersentwicklung, Arbeit und Bildung unter einem Dach zusammenzubringen. Vielleicht entsteht auf diese Weise ein arbeitsmarktpolitisches Dorf im besten Sinne des Gedankens. Und vielleicht werden wir dort bestimmte Dinge anders hinbekommen als in unserer großen Behörde mit mehr als 700 Mitarbeitern. Wir wissen, es gibt viele arbeitssuchende Menchen, die kommen aus verschiedenen Gründen nicht so gern in unsere IAG-Büros. Vielleicht können wir in unserem Rotthauser QuartiersBüro ganz anders miteinander reden und gemeinsam Ideen entwickeln. Wenn wir so eine Identifikation aufbauen können, wenn dann jemand, der in Rotthausen wohnt, vielleicht auch in Rotthausen Arbeit findet, dann wäre das eine gute Situation für uns alle.“
Dirk Sußmann, Leiter des Integrationscenters für Arbeit Gelsenkirchen (IAG) – das Jobcenter

„Was ist eigentlich ein Netzwerk? Ein Netzwerk ist eine mehr oder minder organisierte Gruppe von Menschen mit gleichen Interessen, die sich gegenseitig unterstützen, indem sie sich zum Beispiel mit Informationen versorgen. Aus diesen Informationen entstehen gemeinsame Ideen und mit etwas Glück werden Ideen zu Projekten. So ein Projekt ist das QuartiersBüro. Ohne die Unterstützung durch die APD Ambulante Pflegedienste Gelsenkirchen GmbH und ihren Geschäftsführer Claudius Hasenau hätte unser Netzwerk das Vorhaben nie und nimmer stemmen können. Dafür danken wir unserem Partner APD ganz herzlich. Die Entwicklung zeigt: Das Rotthauser Netzwerk packt an und setzt um, ehrenamtlich und partnerschaftlich. Und das gehört sich auch so in einem Stadtteil mit großer Bergbautradition. Die Eröffnung des Quartiersbüros beweist: Die Zeit, in der Entscheider Rotthausen gar nicht auf dem Bildschirm hatten, wenn es um Stadtentwicklung, Fördermittel und neue Projekte ging, ist nun endgültig vorbei. Aus dem blinden Fleck auf der Landkarte ist ein selbstbewusster Stadtteil geworden, in dem die Bürgerinnen und Bürger Interesse zeigen, sich engagieren und mitgestalten wollen. Darauf können wir stolz sein.“
Klaus Koschei, Vorsitzender Rotthauser Netzwerk e.V. (2. von rechts), mit den Vorstandsmitgliedern Johannes Mertmann, Frederike Blanck-Voß und Günter Iwannek.