Schüler Moritz kämpft gegen den Müll

Mit Handschuhen und Greifzange unterwegs – Mit Flaschenpfand verdoppelt der 14-Jährige sein Taschengeld

(JP) „Ich möchte nicht, dass der Mechtenberg als Müllhalde endet“. Der 14-jährige Schüler Moritz Nocke zieht regelmäßig los, um Rotthausen vom gröbsten Unrat zu befreien. Dabei findet er mehr als nur Flaschen und Plastik-Becher. Auch die Gelsendienste wurden auf ihn aufmerksam.

Sein Weg durchs Quartier führt Moritz Nocke meistens über die Mechtenbergstraße und einen Grünweg in das naheliegende Naturschutzgebiet. Mit einer Sackkarre transportiert er sein Equipment und den gesammelten Abfall. Greifzange, Besen und Kehrschaufel sowie mehrere Müllsäcke gehören zu seiner Ausrüstung. „Normalerweise bin ich zwischen drei und vier Stunden unterwegs“, erzählt der Schüler, während seine Augen den Wegesrand absuchen. Nach wenigen Metern landet das erste Taschentuch im Müllsack. „Ich habe schon großen Sperrmüll, eine Kettensäge und eine Bohrmaschine gefunden“, berichtet der Achtklässler. Das Resultat nach einer Stunde sammeln: Vier Schnapsflaschen, unzählige „Coffee-To-Go“-Becher und ein Schnuller. „Volle Pempers waren mal das Ekligste, was ich entsorgt habe. Deshalb trage ich auch Handschuhe“. Diese schützen ihn außerdem vor Verletzungen, da er sich schon mehrmals an Glasscherben geschnitten hat. Wenn Moritz Scherben, Kronkorken und Kabelbinder aufhebt, minimiert er so auch das Verletzungsrisiko für Hunde und andere Tiere.

Pfandflaschen bessern das Taschengeld auf

Neben Unrat fallen ihm zudem Pfandflaschen ins Auge. Diese hebt er auf und tauscht sie um. „So habe ich meinen Computer bezahlt“, schaut der Rotthauser zurück. Sein Vater Jürgen Nocke bestätigt: „Moritz verdoppelt damit sein Taschengeld. Es ist erstaunlich, wieviel dabei herumkommt.“ Dabei hat mit dem Sammeln von Pfandflaschen alles begonnen.  Wann genau er mit dem Aufsammeln angefangen hat, weiß er nicht mehr. Mit der Zeit ist zu den Flaschen weiterer Müll gekommen. Soviel, dass das die eigene Mülltonne nicht mehr ausgereicht hat. „Zwischenzeitlich haben wir die Säcke auf dem Balkon gelagert“, erzählte Jürgen Nocke. Volle Beutel entsorgt Moritz direkt in einem Mülleimer, sofern dieser nicht schon voll ist. Das spart Kraft, denn bei einer durchschnittlichen Runde kommen fünf bis sechs Müllsäcke zusammen. „Eine Bekannte hat mir sogar ihre Sackkarre geschenkt, damit ich nicht mehr alles tragen muss.“

Einladung der Gelsendienste

Die Reaktionen auf sein ungewöhnliches Hobby sind meistens positiv: „Die Leute grüßen freundlich und sind dankbar“, sagte er. SkeptischenBlicke ignoriert er. Die Mitschüler der Raphael-Schule in der Resser Mark finden seine Aktion gut. Auch den Gelsendiensten blieb sein Engagement nicht verborgen. Betriebsleiter Ulrich Husemann lud Moritz sogar zu einem Tagespraktikum ein. Moritz ging mit den Mülldetektiven und der Straßenreinigung auf Tour. Er besichtigte die Abfallwirtschaft und den Wertstoffhof. „Das war eine schöne Anerkennung für seinen Einsatz“, so sein Vater. Die Einblicke in den Betrieb haben Moritz in seinem Vorhaben bestätigt, später bei der Abfallentsorgung zu arbeiten.  Die Unterstützung seiner Eltern ist ihm dabei gewiss. Jürgen Nocke: „Wir waren zunächst erstaunt, aber warum sollten wir Moritz bremsen? Er ist an der frischen Luft und bewegt sich. Außerdem macht er es aus Spaß und eigenem Antrieb.“ Traurig wäre Moritz Nocke deshalb schon, wenn es nicht mehr nötig wäre, Müll aufzusammeln. „Doch dazu wird es nicht kommen“, meinte er. Solange gedankenlose Umweltrowdys ihren Abfall in der Natur entsorgen, wird Moritz aus Rotthausen alle Hände voll zu tun haben.


Müllsünden sind keine Kavaliersdelikte

Der unachtsame Umgang mit dem eigenen Unrat kann teuer werden. So informiert Gelsendienste, dass das Wegwerfen von Zigarettenkippen, Ausspucken von Kaugumi und liegengelassener Hundekot je 55 Euro Bußgeld nach sich ziehen. Wird der Hausmüll in gewöhnlichen Straßenpapierkörben entsorgt, werden bis zu 100 Euro fällig. Richtig teuer werden das Abladen von Abfällen neben Papierkörben oder Depotcontainern, die mit bis zu 500 Euro tief ins Portemonnaie greifen. Das zehnfache kostet die unerlaubte Ablagerung von Glaswolle oder Altreifen – für die illegale Entsorgung dieser Gegenstände müssen bis zu 5000 Euro gezahlt werden.