Rotthauser Blütenteppich

Rotthauser Wochenmarkt, Folge IV: Am Blumen-Stand von Angelika Schweidler

„Mein Sortiment wächst ab März von Woche zu Woche. Je besser das Wetter ist, desto mehr Ware gibt es bei mir.“ Wenn es um Blumen geht, dann ist Angelika Schweidler in ihrem Element. Mit ihrem großen Verkaufswagen setzt die 57-jährige die schönsten Farbtupfer auf den Rotthauser Wochenmarkt. Kaum zu glauben, dass diese jugendlich muntere und freundliche Händlerin bereits drei Enkelkinder und sogar ein Urenkelkind hat. Auf dem Ernst Käsemann-Platz bietet sie ihre Pflanzen nicht nur im Verkaufswagen an, sondern legt einen frühlingshaften Blütenteppich mit vielen Frühblühern rund um den Stand und füllt obendrein mehrstöckige Rollregale.

So viel Ware muss eine Frau erst einmal bewältigen können. Angelika Schweidler hat darin seit vielen Jahren Übung. In Rotthausen verkauft sie seit 1994. Bis auf Ostern und Muttertag - da hilft ihr Ehemann – wuppt sie die Arbeit alleine. Um 4 Uhr in der Frühe ist für Angelika Schweidler die  Nacht schon zuende. Ab  5 Uhr räumt sie Schnittblumen in den großen Transporter und lädt  Pflanzen auf insgesamt neun Rollcontainern in den Anhänger. Damit ist der erste Kraftakt des Tages geschafft. Anschließend chauffiert sie ihr Gespann höchstpersönlich 90 Kilometer weit von Goch nach Rotthausen. Ab 6.15 Uhr wird alles ausgeladen und für den Verkauf vorbereitet.
Das Geschäft gehört Dieter van der Post, dem Neffen von Angelika Schweidler. Er führt einen landwirtschaftlichen Betrieb, den er 1995 nach dem Tode seines Vaters übernommen hatte. Zweimal pro Woche fährt Dieter van der Post zur großen Versteigerung von Schnittblumen und Pflanzen nach Straelen-Herongen. Die gibt es dann am Stand von Angelika Schweidler: „Für Schnittblumen ist das Hauptgeschäft vor den Feiertagen Ostern, Pfingsten, Muttertag und Weihnachten. Die Pflanzsaison beginnt im März. Ab Ende April gibt es dann die Sommerpflanzen. Aber auch winterharte Stauden gehören der Jahreszeit entsprechend ständig zu meinem Angebot.“ In den Ferien beruhigt sich das Geschäft. Im Januar macht Angelika Schweidler Pause, dann ist es zu kalt für die Pflanzen. Wenn es das Wetter zulässt, fährt sie ab Februar wieder raus - bis zu einer Temperatur von minus 4 Grad Celsius. An solchen Tagen muss der Anhänger komplett geschlossen und durch einen Gasstrahler erwärmt werden. Der Verkaufs-Transporter wird ebenfalls durch Planen vor Kälte geschützt.
Mit dem Verkauf in Rotthausen ist Angelika Schweidler recht zufrieden. Sie hat viele Stammkunden, die die fast jede Woche sieht. Wenn die Pflanzsaison beginnt, steigt die Kundenzahl. Die Blumenfrau: „Die Kunden stellen mir häufig Fragen zur Pflege der Pflanzen oder zu möglichen Krankheiten. Da kann ich auf mein Wissen zurückgreifen und Tipps geben, denn seit meinem 17. Lebensjahr arbeite ich in dem Gewerbe.“ Bedauerlich findet sie das Fehlen von Laufkundschaft: „Das liegt wohl an der Lage des Marktplatzes, er ist einfach zu weit weg vom täglichen Geschehen.“
Trotzdem macht ihr die Arbeit auf dem Markt noch immer große Freude, auch wenn sich die jahrelange Anstrengung mittlerweile bemerkbar macht, besonders in der kalten Jahreszeit oder bei starkem Regen und Wind ist es kein Vergnügen, Tag für Tag auf dem Wagen zu stehen. Angelika Schweidler: „Bei schönem Sommerwetter macht mir die Arbeit immer noch Spaß. Dann sind die Menschen gut drauf, diese Stimmung überträgt sich. So lange ich das kann, werde ich weiterhin unterwegs sein.“