ROTTHAUSEN WAR WUNDERBAR

Die bekannte deutsch-englische Schriftstellerin und Feministin erinnert sich gern an unbeschwerte Ferientage in der Bäckerei Deppermann an der Karl-Meyer-Straße, die ihr Leben und ihr Schaffen prägten - Lesung im Kulturraum „Die Flora“

Greta Friederun Sykes  ist eine deutsch-englische Schriftstellerin, Feministin und Kinderpsychologin. Sie lebt in London. Die schönsten Tage ihrer Kindheit aber verbrachte sie in Rotthausen. Am Mittwoch, 22. Februar, um 19.30 Uhr kommt Greta Sykes nach Gelsenkirchen zurück - für eine Lesung aus ihrem Buch „Unter verbranntem Himmel“ im Kulturraum „Die Flora“, Florastraße 26.

„Gelsenkirchen, insbesondere Rotthausen, war für mich als Kind wunderbar. Ich kam in den Ferien aus Hamburg, meine Tante und meinen Onkel Deppermann zu besuchen. Sie hatten eine Bäckerei in der  Karl-Meyer-Straße 61. Ich durfte im Geschäft helfen. Nachts schlief ich im Wohnzimmer und schaute immer den Wägelchen mit der Kohle zu, die mit der Seilbahn durch die Luft reisten. Ich lernte die Geschichten meiner Mutter kennen, die eigentlich eher unterhaltsam und friedlich waren und von der Familie handelten. Erst später wurde mir klar, was alle durchgemacht hatten und wovon man damals nie sprach. Ich konnte lange nicht verstehen, wie es dazu kommen konnte, dass so eine starke Arbeiterbewegung und so eine hochentwickelte Kulturlandschaft so einfach von faschistischen Banden zerstört werden konnte. Durch meine Forschungen für das Buch, die ich u.a. im Institut für Stadtgeschichte und im Stadtteilarchiv Rotthausen machte, wurde mir klar, wie sehr diese Banden von Banken und Industriellen unterstützt wurden, sonst hätten die Nazis nie so viel Unheil anrichten können“ erinnert sich Greta Sykes. 2015 erschien ihr erster Roman, „Unter verbranntem Himmel“. Greta Sykes beleuchtet darin den Widerstand einfacher Menschen in der Weimarer Republik und der aufkommenden NS-Zeit.

Sykes, Jahrgang 1944,  in Deutschland geboren und aufgewachsen, ging in den 60er Jahren zum Studium nach London. Als Mitglied der British Psychological Society war sie Repräsentantin für internationale Zusammenarbeit und Redakteurin des Nachrichtenblattes debate. Sie arbeitet als Dozentin und gehört der Dichtergruppe London Voices an.