Rotthausen nach der Wahl

Rückblick auf die Ergebnisse: Ein Kommentar von Günter Iwannek

Einen Tag nach der Bundestagswahl hatte der eine oder andere Politiker oder politisch interessierte Mensch das Gefühl, in einer anderen Welt aufgewacht zu sein. Zu tief saß bei einigen auch am Tag danach noch der Schock.

In meinem Kommentar im Juni dieses Jahres hatte ich dazu aufgefordert, das Wahlprogramm der AfD genauer zu lesen. Aber wieder fuhr in Rotthausen die AfD ein für sie mehr als gutes Ergebnis ein. In Rotthausen-West 17,7% und in Rotthausen-Ost sogar 19,9% der Zweitstimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 65,6%. In Rottthausen-Ost, wo dem ein bekannter Rotthauser Arzt, Mitglied der MLPD/AUF und aktiv in der Bezirksvertretung-Süd, seine Praxis und Wohnung hat, hatte ich eigentlich mehr Stimmen für seine Partei, zumindest in den umliegenden Straßen, erwartet. Am Tag vor der Wahl feierte man dort zum 31. Mal ein Nachbarschafts und Straßenfest. Es ist eine gutbürgerliche Gegend, kleine Straßen, alles sehr ordentlich, mit liebevoll renovierten Gründerzeithäusern. Im Wahllokal in der Straße „Am Koprath“ erreichte die AfD sogar mit 28% der Zweistimmen ihr bestes Ergebnis in Gelsenkirchen, gefolgt von einem Wahllokal in Gelsenkirchen-Schalke mit 27%. Jetzt ist „alle Welt“ mit dem Zustandekommen dieser Ergebnisse voll beschäftigt. In den Zeitungen, im Fernsehen, bei Talkshows werden von Politikern, Politwissenschaftlern und selbsternannten „Fachleuten“ viele Gründe für das Abschneiden der rechtspopulistischen Partei genannt, die sich wenige Tage nach der Wahl aber schon in der Parteispitze zersplittert hat. Die große Zustimmung für die AfD macht aber auch deutlich, dass die etablierten Parteien derzeit viele Menschen nicht erreichen, geschweige denn, dass es ihnen gelingt, ihnen die Ängste zu nehmen. Vor allem die Eurokrise und die deutsche Ausländer- und Flüchtlingspolitik haben in einem Maße zur Verunsicherung, Angst, auch Wut und Hass geführt, dass viele Wähler den sogenannten „Altparteien“ nichts mehr zutrauen.