Rotthausen Goes Hollywood

Nachwuchsregisseur Urs Kessler verfilmt die Geschichte des Gelsenkirchener Stadtteils

„Die einzige Pflicht, die wir der Geschichte gegenüber haben, ist, sie umzuschreiben“, meinte einst Schriftsteller Oscar Wilde. Ein Zitat, das perfekt die Interpretation realer Ereignisse durch das Medium Film beschreibt, auch wenn Wilde das damals, im 20. Jahrhundert, noch nicht voraus geahnt haben mag. „Rotthausen 1944“ ist ein solches, filmisches Werk – und zwar mit einem sehr lokalen Bezug für den Gelsenkirchener Stadtteil.

Im titelgebenden Jahr fand im ehemaligen Tanzlokal „Wernscheid“ eine Tragödie statt, als eine Bomberstaffel für eine Beschädigung der örtlichen Hauptwasserleitung sorgte, wodurch die Personen im Bunker unter dem Lokal ertranken. Der Film erzählt die wahre Geschichte von der jungen Elsa, die von ihrer Freundin überredet wird, an jenem schicksalhaften Abend ins „Wernscheid“ zu gehen und sich schließlich einer folgenschweren Entscheidung stellen muss. „In Gelsenkirchen wächst der Alltagsrassismus jeden Tag, Wahlplakate mit rassistischen Botschaften werden in einer eigentlich weltoffenen, vielfältigen Heimat aufgehangen“, erklärt der 21-jährige Regisseur Urs Kessler, der seit 2015 an der Ruhrakademie Schwerte Filmregie studiert. Zuletzt machte er mit dem gemeinsamen Projekt der Gelsenkirchener Medienfirma Quest Media und der AWO „Walk in the Dark“, das sich mit der Flüchtlingskrise auseinandersetzt, auf sich aufmerksam. Aufgrund der jüngsten Entwicklungen, gerade nach dem AfD-Rekordergebnis in Gelsenkirchen bei den NRW-Landtagswahlen, sieht Kessler aufkeimende Parallelen zum Beginn der NS-Zeit und hält „die richtige Zeit für gekommen, um von diesem Ereignis zu erzählen und zu zeigen, dass Diskriminierung und Rassismus nie der richtige Weg sind!“. Die Geschichte von Elsa für ihn sehr persönlich: Bei der Überlebenden des Zweiten Weltkriegs handelt es sich um eine gute Freundin seiner Familie, die Kessler ihren emotionalen Augenzeugenbericht schilderte. Authentizität ist dem Kopf hinter „Rotthausen 1944“ wichtig, die Hauptdarsteller stammen aus der Umgebung und gedreht wird auf der Karl-Meyer Straße sowie vor dem ehemaligen Tanzlokal „Wernscheid“. Unterstützt wird Kessler nicht nur von einigen lokalen Jugendgruppen, sondern auch von Geschäften, die bei den Dreharbeiten als Kulisse dienen werden.