RAG-Chef übergibt Lore an Wilhelm Tax

OB Frank Baranowski, Schalke-Ehrenpräsident Gerd Rehberg, der Jubilar Wilhelm Tax und RAG-Chef Bernd Tönjes (von links)

Ruhrkohle und Stadt Gelsenkirchen ehren das Rotthauser Urgestein für besondere Verdienste um Bergbau, Stadtteil und Wohnungswirtschaft

Zum Geburtstag einen Förderwagen! Für Wilhelm Tax (*1923) dürfte das historische Grubenfahrzeug eines der schönsten Geschenke zu seinem 94. Wiegenfest gewesen sein. Für seine Verdienste um den Bergbau, den Stadtteil Rotthausen und die Gesellschaft für Wohnungsbau (GfW) übergab Bernd Tönjes, Vorstandsvorsitzender der Ruhrkohle AG und Vorsitzender des Initiativkreises Ruhrgebiet, dem Jubilar inmitten einer fröhlichen Gästeschar das historische und sorgfältig renovierte Gefährt an seinem neuen Platz vor der weißen Villa Dahlbusch an der Steeler Straße. Auch Gelsenkirchens OB Frank Baranowski und Schalke-Ehrenpräsident Gerd Rehberg, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der GfW und Ehrenbürger der Stadt Gelsenkirchen, würdigten den GfW-Geschäftsführer und seine tiefreichenden Wurzeln im deutschen Steinkohlebergbau.

OB verspricht: „Wir setzen heute fort, was Wilhelm Tax begonnen hat.“

Die Geschichte des Stadtteils erlebt und über Jahrzehnte mitgestaltet: Historischer Förderwagen für Wilhelm Tax symbolisiert Verbundenheit, Engagement und Zukunft für Rotthausen

Es gibt Ereignisse, die sich tief in das Gedächtnis der Menschen eingegraben haben. Die Ermordung John F. Kennedys gehört für die Älteren dazu, die Mondlandung und das „Wunder von Lengede“, die Rettung verschütteter Bergleute im Jahr 1963 mit der sogenannten „Dahlbusch-Bombe“. Ein Mann aus Rotthausen erinnert sich besonders lebhaft an das Ereignis: Wilhelm Tax – heute 94 – gehörte auf Zeche Dahlbusch zu den Mitentwicklern der weltberühmten Rettungskapsel. Beim Grubenunglück auf Dahlbusch führte er die Zielbohrung durch und holte erstmals Kumpel aus der Tiefe ans Licht – so wie später in Lengede und zuletzt 2010 in Chile. Auch wenn Wilhelm Tax nicht gern im Mittelpunkt steht, am 22. September kamen alle, um ihn anlässlich seines 94. Geburtstags zu ehren: RAG-Chef Bernd Tönjes, Dr. Heinz-Werner Voß, Direktor des Bergwerks Ibbenbüren der RAG Anthrazit, Gelsenkirchens OB Frank Baranowski, die erste Bürgermeisterin Martina Rudowitz und viele andere. Sie versammelten sich um das Symbol für Tax‘ Verdienste – einen historischen Grubenwagen. Er steht – nur 500 Meter Luftlinie von Wilhelm Tax‘ Schreibtisch bei der GfW entfernt – vor der schneeweißen Villa Dahlbusch. Einst war sie imposanter Sitz des Bergwerksdirektors, heute präsentiert sie sich als attraktiver Hingucker auf der Steeler Straße und ist das Zuhause elf Rotthauser Familien.
„Das waren noch glorreichere Zeiten für den Bergbau im Ruhrgebiet“, sagte RAG-Chef Bernd Tönjes mit Blick auf die historische Villa Dahlbusch. Er würdigte insbesondere die „Pioniertat“ des Wilhelm Tax bei der Entwicklung der Dahlbuschbombe: „Er hat als leitender Vermessungsingenieur im Mai 1955 den entscheidenden Beitrag dazu geleistet, dass die Bergleute gerettet werden konnten.“

Zeichen gesetzt

Auf die Geschichte der Zeche Dahlbusch nahm auch OB Frank Baranowski Bezug: „Die Geschichte der Zeche Dahlbusch wirkt bis heute weiter. Die Lore ist ein Zeichen, woher dieser Stadtteil stammt.“ Wilhelm Tax stehe wie kein zweiter im Stadtteil Rotthausen und in der ganzen Stadt für diese Geschichte.
Er habe Geschichte nicht nur erlebt, sondern über viele Jahrzehnte mitgestaltet. Baranowski: „Dass die Nachfahren der Bergleute heute in Rotthausen gut leben und wohnen können, ist zu einem guten Stück auch dem Engagement von Wilhelm Tax in der GfW zu verdanken. Er hat Zeichen gesetzt und wird nicht müde, dies auch weiterhin zu tun. Das Stadtteilerneuerungsprogramm für Rotthausen ist eine Bekräftigung, eine Verstärkung des persönlichen Engagements von Wilhelm Tax. Wir setzen heute in Rotthausen fort, was er schon vor Jahren begonnen hat.“

Etwas zurückgeben

Zum Abschluss der kleinen Feierstunde griff auch der Jubilar zum Mikrophon. Er empfahl, auch nach der Rente in Bewegung zu bleiben: „Wir Alten haben vielleicht nicht mehr das Tempo, aber wir haben die Erfahrung“. In seiner Ansprache erinnerte Wilhelm Tax auch an seine Jugend. Mit 21 Jahren sei er schwer verwundet in Kriegsgefangenschaft geraten, fremde Menschen hätten ihm geholfen, zu überleben. Wilhelm Tax: „Diese Erlebnisse waren für mich die Verpflichtung, etwas von dem an die Gesellschaft zurückzugeben, was ich empfangen durfte.“ Für das nächste Jahr kündigte der 94-Jährige eine Veränderung an: „Ab 95 Jahren darf man zweimal im Jahr Geburtstag feiern, dann sehen wir uns jedes halbe Jahr wieder. Glück auf!“