Programmierer baut Kirchen im Mini-Format

Rolf-Ulrich Schäfer kreiert Miniatur-Kirchen aus der eigenen Phantasie.

Mit großer Liebe zum Detail: Rolf-Ulrich Schäfer gestaltet Kathedralen im Maßstab 1:300

(ER) Schon in früher Jugend faszinierte Rolf Schäfer die historische romanische und gotische Kirchenbaukunst des Mittelalters. Er begann real existierende Kirchen – und frei erfundene als Spiel mit Architekturformen – zu zeichnen.

Viel hat der 52-jährige Rotthauser, der von Beruf Programmierer ist, über Kirchenbaukunst gelesen. Zusammen mit seiner Frau besucht er häufig Städte mit historischen Bauwerken, die ihn inspirieren: neue Ideen zum Bau seiner filigranen und detailreichen Miniatur-Kirchenbau-Kunstwerke im Maßstab 1:300.

Pralinenschachteln, Papier und Schere

Der erste Schritt für ein neues Modell ist die Zeichnung einer Phantasie-Kirche, die, basierend auf Rolf Schäfers großer Sachkenntnis sowohl einem zeitlichen, als auch geografischen Baustil zugeordnet ist. Dann benötigt er Pappe, Pralinenschachteln, Papier, Folien, Schere, Bleistift, Lineal, Zahnstocher, Kleber und Plakatfarben. Zunächst schneidet und formt er ein Gerippe aus Pappe und Papier. Er arbeitet von innen nach außen und von oben nach unten. Erst das Gewölbe und die Säulen, dann nach und nach die Außenwände. Fenster für Fenster, Segment für Segment. Alle Einzelteile werden mit der Schere ausgeschnitten – bei einem Fenster waren es 64 Teile, die einzeln mit Papierkleber zusammengefügt wurden. Dann wird die aufwändige Fassade aus Portalen, Balustraden Dächern und Türmen erarbeitet. Der letzte Arbeitsgang ist der Außenanstrich in der Farbe des zur Epoche passenden Steins und Stils und die Bemalung der bunten Glasfenster.

Manchmal dauert der Modellbau Jahre

Es bedarf äußerster Präzision, erfordert eine ruhige Hand und viel Geduld, die 15 bis 20 cm hohen Modelle zu bauen, von denen er 18 bisher gefertigt hat.
„Die Bauzeit für ein Modell dauert mehrere Monate, manchmal brauche ich auch Jahre dafür, dann allerdings mit Unterbrechungen, in denen ich meinen Plan durch neue Anregungen wieder ändere bzw. verbessere“ erklärt der Bauherr. Rolf Schäfers Modelle sind über die Jahre immer komplexer geworden – mit seinen Fertigkeiten stiegen auch seine Ansprüche. Das Resultat sind sehr detailreiche und realitätsnahe Phantasie-Kirchen im Kleinformat, die im Internet unter www.kirchenmodelle.de zu bewundern sind. Dort zeigt er auch seine vielen in verschiedenen Techniken gefertigten Zeichnungen realer und erfundener Kirchen.

Ausstellung bis zum 19. August

In der Christuskirche am Trinenkamp 46 in Bismarck, läuft noch bis zum 19. August eine vom Förderverein der Kirche veranstaltete kostenfreie Ausstellung mit einem Teil der Exponate von Rolf Schäfer. Diese sind dank offener Böden in Vitrinen mit Spiegeln zu bewundern. Es ist nicht seine erste Ausstellung, vorherige waren im Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium in Gelsenkirchen-Buer, in der Stadtbibliothek Wesel und im Baumberger Sandsteinmuseum Havixbeck. Der Bekanntheitsgrad des Rotthausers ist also nicht nur auf Gelsenkirchen beschränkt.

Architektur oder Datenverarbeitung

Nach dem Abitur waren Rolf Schäfers Interessen die Architektur und die Datenverarbeitung. Er entschied sich für die DV-Branche, begann eine Lehre zum Datenverarbeitungs-Kaufmann bei der Flachglas AG in Rotthausen, arbeitete dort 13 Jahre. In Rotthausen lernte er auch seine Frau kennen. So zog er im Jahr 2000 von Buer nach Rotthausen. Unterdessen absolvierte er ein Abendstudium zum Wirtschaftsinformatiker. Dann wechselte er zu Karstadt nach Essen und schließlich zur Knappschaft nach Bochum, wo er auch jetzt noch als Programmierer tätig ist.

Besichtigung der Ausstellung wochentags von 9 – 12 Uhr und Sonntag, 19. August, 11.15 – 12 Uhr nach telefonischer Absprache unter 0209 95680566.