NEUE CHANCEN AM NACHMITTAG

Frisches Obst und knackiges Gemüse sind gut, veränderte Marktzeiten für jüngere Berufstätige noch besser?
Zu Besuch bei Sorin Iacobuta samstags auf dem Rotthauser Wochenmarkt

Was wäre ein Wochenmarkt ohne frisches Obst und Gemüse?
Sorin Iacobuta sorgt dafür, dass Rotthausen mit Vitaminen versorgt wird. Er hat das Marktgeschäft vor zwei Jahren von dem langjährigen Inhaber Jürgen Grafweg übernommen. Dessen Ehefrau holte ihren Cousin Sorin 2004 aus Rumänien nach Deutschland geholt, um im Marktgeschäft mit zu helfen. Der Stand ist also in der Familie geblieben. Inzwischen ist sie sogar etwas größer geworden, denn Ende Oktober 2016 heiratete Sorin im Schloss Borbeck Jennifer Wessling, die Tochter einer Mitarbeiterin.

Sorins Arbeitstag beginnt gegen zwei Uhr nachts. Er fährt zum Großmarkt „Frischezentrum“ in Essen,  wo er seine Waren einkauft und ein Kühlhaus zur Zwischenlagerung betreibt. Dort sortiert und lädt er die Waren in seinen Transporter, um dann zum jeweiligen Markt zu fahren. Gegen 4.30 Uhr beginnt dann der  Aufbau des großen Standes, der mit vielen Kisten voller zum Teil sehr schwerer Waren bestückt werden muss. Das braucht Zeit und Kraft. Aber als Ergebnis kann sich sehen lassen. Sorins Angebot an Obst und Gemüse ist vielfältig, groß und bunt.

Marktgeschäft fordert vollen Körpereinsatz
Mit seinem Marktstand kommt der Rumäne im Ruhrgebiet viel herum. Sorin Iacobuta verkauft dienstags in Essen-Stadtwald, mittwochs morgens in Stoppenberg, nachmittags auf der Margarethenhöhe, freitags morgens in Stoppenberg und zeitgleich in Stadtwald und samstags in Rotthausen. Der Donnerstag ist dem Einkauf vorbehalten, dann wird auch Büroarbeit erledigt. Montag hat Sorin frei und genießt die Zeit mit seiner jungen Frau.

Kunden, die bei Iacobuta einkaufen, treffen am Stand stets auf bekannte Gesichter. Vier langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen hinter der Theke. Ihr Einsatz erfolgt nach Bedarf, im Sommer häufiger als im Winter. Wer körperlich so schwer arbeiten muss wie Sorin, braucht natürlich einen Ausgleich geben. Gerne spielt der Markthändler deshalb sonntags Fußball in Essen-Borbeck im Verein. Sorin Iacobuta: „Ich passe immer auf, dass ich mich nicht verletze. Schließlich erfordert mein Geschäft den vollen Körpereinsatz.“

Jüngere Kunden bevorzugen leider den Supermarkt
Seit Jahrzehnten ist Iacobuta nun auf den Märkten im Ruhrgebiet unterwegs. Hat sich sein Geschäft im Laufe der Zeit verändert? „Ich vermisse die vielen Kunden, die es früher gab,“ bedauert der Kaufmann. Viele Ältere seien verstorben, und es kämen nicht so viele neue Kunden nach. Iacobuta: „Junge Leute sind wochentags berufstätig. Sie greifen deshalb gern auf Supermärkte zurück.“

Eine neue Chance jedoch sieht Sorin Iacobuta in den Nachmittagsmärkten, die es mittlerweile an vielen Orten gibt: „Dort treffen sich junge, berufstätige Kunden, die auf dem Markt auch gern essen und trinken. Es wäre toll, wenn es ein solches Angebot auch in Rotthausen geben könnte.“


NUR EIN TRAUM?!

Wenn ich an andere Wochenmärkte denke, stelle ich mir vor, dass die Möglichkeit, Speisen und Getränke in anregender Atmosphäre zwischen den Marktständen zu genießen, auch in Rotthausen eine Chance hätte. So wie in Buer oder Essen-Rüttenscheid, auch wenn die dortigen Angebote von der Größe her mit unserem Stadtteil nicht vergleichbar sind. Ich wünschte mir, einige Rotthauser Geschäftsleute schlössen sich dieser Idee an und starteten gemeinsam im Frühjahr einen Versuch. Wir träfen uns nicht nur beim Einkauf, sondern auch zum Schnack bei belegten Brötchen, Kaffee Würstchen oder Reibeuchen. Eine solche Aktion würde unseren Markt und unseren Stadtteil zusätzlich  beleben, genau wie in Buer, Rüttenscheid oder Bochum. Lasst uns gemeinsam Mitstreiter für diese Idee finden! Die Rotthauser Post ist auf jeden Fall dabei.
       Ellen Reinhardt