NEUE ARBEIT – NEUES ZUHAUSE

Drohender Personalmangel weckt den Pioniergeist: APD Ambulante Pflegedienste Gelsenkirchen wirbt erfolgreich Pflegefachkräfte aus Serbien an - Auch Demenz-WG „Leben in Rotthausen“ profitiert von Pilotprojekt

Sie haben echte Pionierarbeit geleistet: Sandra Jovanovic, Ivana Cvejic und Gordana Trkulja, die ersten drei von insgesamt 24 Pflegefachkräften aus Serbien, dürfen ab sofort in Deutschland die geschützte Berufsbezeichnung „Gesundheits- und Krankenpflegerin“ führen.

Den dafür erforderlichen Berufsanerkennungslehrgang nach dem Krankenpflegegesetz bestanden die Frauen nach fast zwölf Monaten mit Bravour. Ein fester Arbeitsplatz ist ihnen sicher. Bei der APD Ambulante Pflegedienste Gelsenkirchen GmbH werden sie ab sofort in der ambulanten Pflege tätig sein. Bis zum Sommer 2017 sollen alle Bewerberinnen und Bewerber aus Serbien die Lehrgänge absolviert haben.

„Unser Pilotprojekt gegen Fachkräftemangel in der Pflege hat einen wichtigen Meilenstein erreicht“, sagte APD-Geschäftsführer Claudius Hasenau bei der kleinen Feierstunde. Der private ambulante Pflegedienst gehört mittlerweile zu den zehn größten Unternehmen dieser Art in Deutschland. 52 der rund 350 Mitarbeitenden sind Auszubildende. Die Ausbildungsanstrengungen der APD reichen jedoch bei weitem nicht mehr aus, um die explodierende Nachfrage bei Pflegedienstleistungen zu decken. Claudius Hasenau: „Eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung hat errechnet, dass allein in Gelsenkirchen bis 2030 jede fünfte Arbeitsstelle im Pfl egebereich unbesetzt sein wird. Gegen diese Unterdeckung von 20 Prozent müssen wir jetzt etwas tun!“ Deshalb brachte Hasenau im November 2014 in Serbien eine erste Anwerbe-Initiative auf den Weg - gemeinsam mit dem stellvertretenden Pflegedienstleiter Björn Schulte und Misa Radunovic, Leiter des APD-Büros in der serbischen Hauptstadt Belgrad. Im November 2015 kamen die ersten Pflegekräfte in Gelsenkirchen an. Um in ihrem erlernten Beruf arbeiten zu dürfen, war die Teilnahme an einem Berufsanerkennungslehrgang zwingend erforderlich.

Was so einfach klingt, stellte in der Praxis echte Pionierarbeit dar. Projektleiter Björn Schulte. „Niemand wusste, wie’s geht. Wir sind gemeinsam durch Höhen und Tiefen gegangen, so haben wir das System kennengelernt.“ Und zwar so gut, dass bereits die zweite Bewerberrunde läuft . Dazu sind Björn Schulte und Theresia Hasenau, Fachkraft und Hausmutter in der Demenz-WG Rotthausen, im Dezember in die APD-Dependance nach Belgrad gefahren. Begrüßt wird die APD-Initiative auch von der Agentur für Arbeit in Gelsenkirchen. „Die drei Frauen haben sich das Ticket erarbeitet, um auf einer sehr soliden Ausbildungsbasis in Deutschland sicheres Geld zu verdienen, wann immer dies in ihr Leben passt. Diese Grundlage geht nie mehr verloren“, beglückwünschte Karl Tymister, Leiter der Agentur für Arbeit Gelsenkirchen, die neuen APD-Kräfte bei der Übergabe der Zertifikate. Auch das Gesundheitsamt der Stadt war aktiv an der Kooperation beteiligt.