Mit der Vespa auf den Ätna

Kein Weg zu weit, kein Berg zu steil: Der Wahl-Rotthauser Björn Bourdin hat auf seiner Vespa schon viele Länder Europas bereist – und noch längst nicht genug.

Ein Weltbürger zwischen London und Rotthausen: Sony-Manager Björn Bourdin schraubt im Hobbykeller an italienischen Kultrollern der Marke Piaggio – Auf zwei Rädern durch ganz Europa

(JP) Wenn Björn Bourdin (43) über die beliebten Vespa-Motorroller des italienischen Unternehmens Piaggio spricht, gerät er ins Schwärmen.

Leidenschaftlich sammelt, restauriert und fährt der gebürtige Essener verschiedenste Modelle aus den 1950er, -60er, -70er und -80er Jahren. Nun wohnt er in Rotthausen, von wo er zu zahlreichen Rennen mit seinen Rollern aufbricht. Das Interesse an Rollern wurde bei Björn Bourdin schon als kleiner Junge geweckt. Im Alter von drei Jahren wanderten seine Eltern mit ihm nach Kanada aus, wo er das erst Mal mit motorisierten Zweirädern in Kontakt kam. „Dank der Arbeit meines Vaters, bin ich in mehreren Ländern aufgewachsen. So bin ich in jungen Jahren in Kanada das erste Mal mit Rollern in Kontakt gekommen habe sie leider durch einen Umzug in die Türkei aus den Augen verloren,“ erzählt der Ehemann und Familienvater. Erst mit 16 ging es zurück nach Deutschland. In Essen entdeckte Bourdin seine Leidenschaft für Motorroller, jetzt die der Marke Vespa. Regelmäßig zog es ihn in eine Werkstatt, wo er lieber das erste eigene Geld verdiente anstatt zur Schule zu gehen. Dabei lernte er an den italienischen Rollern zu schrauben.

„Ich habe das beruflich nie gelernt, aber es macht mir unheimlich Spaß. Eine Vespa hat ihre eigene Ästhetik und recht einfache Technik. Es ist ein Lebensgefühl. Das fasziniert mich“, beschreibt der 43-Jährige, der als europäischer Marketingleiter bei Sony in London tätig ist.

Zehn Roller – und jeder hat eine eigene Geschichte

Etwa zehn Vespas stehen im Keller seines Rotthauser Hauses – jeder Roller mit seiner eigenen Geschichte. Egal ob eine Vespa mit Beiwagen, eine originale Dienst-Vespa der Polizia Urbana aus Trieste oder die Vespa, mit der Bourdin den Großglockner in Österreich und den Ätna auf Sizilien erklommen hat: Alle Fahrzeuge hat er eigenhändig wieder fahrtüchtig gemacht. „Die Vespa, mit der ich auf dem höchsten Berg Österreichs und dem höchsten aktiven Vulkan Europas war, hatte nicht mal fünf PS. Mich haben sogar Fahrradfahrer überholt“, schmunzelt der Hobby-Schrauber und ergänzt: „Gut, dass es bei den Vespa-Rennen nicht darum geht, als Erster im Ziel zu sein.“

Beim Vespa-Rennen ist digitale Hilfe verboten

Bei den Rennen, die von verschiedenen Vespa-Clubs aus ganz Europa organisiert werden, ist Präzision wichtiger als Geschwindigkeit. „Wir fahren nach einem Fahrtenbuch, da die Fahrer zu bestimmten Zeitpunkten an festgelegten Kontrollpunkten sein müssen. Jede digitale Hilfe ist verboten“, erklärt er und zeigt auf eine Teilnehmerplaquette einer 450-km-Tour durch Belgien. 1996 nahm er zusammen mit einem Freund zum ersten Mal an einem Vespa-Treffen in Italien teil. „Entweder begleiten mich Freunde oder manchmal meine Familie. In diesem Jahr fahren wir wahrscheinlich nach Belgien, Italien und  Ungarn“, schaut Bourdin voraus.

Bourdin selbst ist Mitglied in drei Vespa-Clubs. Darunter ist auch der Vespa-Club von Gelsenkirchen, der in diesem Jahr das 35. Bestehen feiert und das aller Voraussicht nach mit  einem Treffen von ca 100 “Vespisti” am 13. Juli. Abgeben möchte Bourdin seine Rollersammlung nicht. Im Gegenteil – das nächste Schrauber-Projekt steht schon in der Garage bereit: Eine verrostete Vespa APE aus dem Jahre 1953, die in ihre Einzelteile zerlegt ist.  „Es ist eine besondere Nostalgie. Das spürt man besonders wenn man in Italien ist. Wenn Italiener eine Vespa sehen, sind sie stolz – vergleichbar mit uns Deutschen, wenn wir einen alten Käfer sehen.“

Stichwort: Vespa
Die Vespa (lat./ital. Wespe) ist ein Motorroller des italienischen Unternehmens Piaggio. Sie zählt zu den weltweit bekanntesten und beliebtesten Rollertypen. Die erste Vespa kam 1946 auf den Markt. In den 1950er Jahren wurde die Vespa auch nördlich der Alpen zu einem Lieblingsfahrzeug insbesondere der jungen Generation. Die Motorroller, die noch heute produziert werden, haben Kultstatus erreicht. Einige Vespa-Fahrer bezeichnen sich als „Vespisti“, die teilweise in Vereinen, Fahrgemeinschaften und Stammtischen organisiert sind, wobei auch regelmäßige Treffen (Vespa World Days, Nationale Vespa Days) oder Sternfahrten stattfinden. www.vespa.com