„Kinderarmut im Stadtteil steigt an“

Arbeitslosigkeit, veränderte Familienstrukturen: Kinderschutzbund Gelsenkirchen betreut 37 Kids aus Rotthausen

(JP) 830 Kinder und Jugendliche betreute der Kinderschutzbund Ortsverband Gelsenkirchen im Jahr 2017 – davon 37 in Rotthausen. Das klingt zunächst wenig, dennoch zeigt die Entwicklung der vergangenen drei Jahre vor allem eines: Die Kinderarmut im Stadtteil steigt.

Silke Kozicki und Susanne Schwittay vom Ortsverband Gelsenkirchen des Deutschen Kinderschutzbundes scheuten sich nicht, beim Mai-Treffen des Rotthauser Netzwerks die nackten Zahlen vorzutragen. 2015 kümmerte sich der Verein noch um 705 bedürftige Kinder und Jugendliche in ganz Gelsenkirchen, 33 davon in Rotthausen.

Ein Jahr später stieg die Zahl auf 800 Kinder in der ganzen Stadt und 35 in Rotthausen.  „Es gibt viele Gründe und Erklärungsansätze für den Anstieg“, erklärte Kozicki auf Nachfrage. „Wir beobachten, dass sich die Gesellschaft verändert – und das nicht unbedingt zum Besten.“ Sie konkretisierte, dass eine steigende Kinderarmut auf die ebenfalls steigende Arbeitslosigkeit zurückzuführen sei.
Die Veränderung von familiären Strukturen ist zudem ein wichtiger Faktor, so Kozicki. „Gegenwärtig gibt es mehr Haushalte, in denen es ein alleinerziehendes Elternteil mit einem oder mehreren Kindern gibt. Dieses Elternteil versorgt das Kind und geht arbeiten. Entsprechend fehlt dann auch die Zeit, sich mit dem Kind zu beschäftigen und beispielsweise bei den Hausaufgaben zu helfen.

Hausaufgabenhilfe und Leihgroßeltern

An diesen Punkten kann der Kinderschutzbund ansetzen und auf die steigende Anzahl von zu betreuenden Kindern reagieren. Hausaufgabenbetreuung und Leihgroßeltern sind Möglichkeiten, Eltern und Kinder zu unterstützen. Scheidungs- und Trennungsberatung ermöglichen Eltern und Kindern einen begleiteten Umgang mit dem Wegfallen eines Elternteils.

Kinderschützer brauchen Unterstützung

Hier sei zudem die Zusammenarbeit mit den Institutionen gefragt, denn mit 15 hauptamtlichen und ebenso vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern ist die Betreuung der 830 bedürftigen Kinder kaum möglich. „Die ehrenamtliche Arbeit kann nur stattfinden, wenn die Gelder für dessen Durchführung, sprich Räume oder auch Material, da sind. Diese sind allerdings rückläufig“, so die Kinderschützerinnen.

Zusammenarbeit mit Quartiersbüro geplant

Ein gezieltes Agieren, um die Armutsentwicklung aufzufangen sei deshalb nicht möglich. Auch deshalb kann sich der Kinderschutzbund eine Zusammenarbeit mit dem Rotthauser QuartiersBüro gut vorstellen. In dem multifunktional nutzbaren Büro könne man beispielsweise Sprechstunden ausrichten oder einen Aktionstag zum Thema Ehrenamt veranstalten. Somit können auch die Stadtteilinstitutionen dazu beitragen, die Kinderarmut einzudämmen.