Kicken auf digitalem Rasen

Doppelpass zwischen der SpVg. Schonnebeck mit dem FC Team Spirit: Aus dem Zusammschluss entstand kürzlich die eSport-Abteilung des Vereins. Kapitän Marcus Michels (Bild) koordiniert Spieler aus dem gesamten Bundesgebiet und darüber hinaus.

Fußball auf der Playstation – SpVg. Schonneck startet eigene eSports-Abteilung

(JP) Bei der SpVg. Schonnebeck wird Fußball nicht nur auf dem grünen Rasen gespielt. Seit Anfang Juli heißt es auch auf der PlayStation elf gegen elf. Neben Rot-Weiss Essen, SV Meppen und dem SV Babelsberg 03 sind die Schonnebecker das vierte Team, das bei dem Spiel FIFA 18 im Pro Club Modus unter der Flagge eines Fußballvereins antritt.

Das Besondere: Die Akteure spielen nicht einzeln gegeneinander, sondern es treten elf Spieler gleichzeitig gegen die gegnerische Mannschaft an. Jeder übernimmt einen einzelnen virtuellen Fußballer. Die eSports-Abteilung entstand durch einen Zusammenschluss des Vereins mit dem  FC Team Spirit, einem bereits bestehenden eSports-Team. „Die Ähnlichkeiten zum richtigen Fußball auf dem Platz sind verblüffend.“ Für Marcus Michels, Kapitän der eSports-Mannschaft, macht das den Reiz des virtuellen Fußballs aus. „Das ist für die Jungs eine gute Möglichkeit, dem Sport treu zu bleiben, wenn sie nicht mehr auf dem Rasen aktiv sind“. Er selber hat vor vielen Jahren aus Spaß mit dem Zocken verschiedener Spiele angefangen. „Taktische Anweiseungen lassen sich wie auf dem Rasen einstudieren. Auch die Emotionen bei Torjubel oder Niederlage sind vergleichbar“, verrät der Kapitän. In dieser Funktion übernimmt er auch die Trainingsleitung. Wichtig ist dabei die Finger-Augen-Koordination. Ein spezielles Daumen-Training gebe es allerdings nicht. Da der 40-jährige Familienvater auf dem Kunstrasen in Schonnebeck selber als Jugendtrainer aktiv ist, helfen ihm diese Fähigkeiten, das Team zu koordinieren. Michels kommuniziert dabei über ein Head-Set, denn das Team ist in ganz Deutschland verteilt. „Die Jungs kommen aus verschiedenen Städten und sogar aus Österreich“.

Preisgelder weit entfernt

Die steigende Beliebtheit von eSports sorgt aktuell für Preisgelder in Millionenhöhe. Davon sind die „Schwalben“ noch weit entfernt. Es fehlen die Sponsoren und innerhalb der Pro Club Liga Deutschland und der National Gaming League muss sich das Team weiter nach oben spielen. „An 28 Spieltagen treten wir gegen 15 andere Teams an. Für eine Saison brauchen wir dann ca. ein Quartal“, so Michels. Die Gegner heißen dann unter anderem FC Supersoccer. Interessierte können über einen Link auf der Vereinshomepage die Begegnungen live auf YouTube verfolgen.Das Team trainiert dreimal in der Woche für je zwei Stunden. Der Kader umfasst 23 Spieler, da nicht immer jeder zu Verfügung steht.
„Für mich ist es mehr als  ein Hobby.“ Da die meisten Spieler ebenfalls berufstätig sind, finden Training und Spieltage von 20 bis 22 Uhr statt. „Zwar besteht das Team bisher nur aus Männern, aber selbstverständlich nehmen wir auch Frauen gerne auf.“ Damit es keine Schul-Probleme gibt, dürfen nur Volljährige mitmachen. „Meine Frau meckert schonmal, wenn es später wird und sie schlafen möchte“, so der Ehemann und Vater.

Feste Regeln gegen Risiken

Den Risiken von zu langem Zocken steht er gelassen gegenüber. Spätestens nach zwei Stunden ist Schluss. Dann lässt die Konzentration nach. Michels vermeidet so eine Überlastung der Augen und Kopfschmerzen. Hauptberuflich Computer zu spielen, lehnt Michels ab: „Die Jungs, die bei Schalke vierstellig verdienen, indem sie acht Stunden zocken, haben keine Möglichkeit, noch eine Berufsausbildung zu machen. Das ist wie bei den echten Profis und nicht gut.“ Zocken bleibt damit vor allem eins: Ein Hobby.