KGV Gelsenkirchen Süd: Die Grüne Oase im Quartier

Gemeinschaftsgefühl, Natur und Erholung: Der Kleingärtnerverein ermöglicht Flucht aus dem Alltag

(JP) Seit 1923, also schon seit 95 Jahren, kommen nicht nur Rotthauser zu den Kleingärten des KGV Gelsenkirchen Süd, um der Stadt und dem täglichen Leben zu entfliehen. Damit gehört der Verein zu den ältesten in Gelsenkirchen.

„Groß gefeiert wird aber erst der hundertste Geburtstag“, sagt Rainer Tiemann (63). Er ist Kleingärtner aus Leidenschaft und gleichzeitig Fachberater des Vereins. Tiemann berät die Vereinsmitglieder und gibt ihnen Tipps. „Beispielsweise sollte eine Gemüsesorte nicht immer auf dem selben Fleck ausgesät werden, sondern immer reihum gehen“, erklärt er direkt. Der KGV Gelsenkirchen Süd zählt rund 450 Mitglieder und 274 Gärten. „Wir sind ein Zusammenschluss aus vielen verschiedenen Parzellen und Interessen – ein Spiegelbild der Gesellschaft sozusagen“, beschreibt Tiemann den Kleingärtnerverein. Was den Verein ausmacht, ist die Gemeinschaft, der Zusammenhalt. „Es geht darum, aufeinander aufzupassen, zu quatschen und zusammen aus der Alltagswelt herauszukommen. Aber man muss schon ein Frischluftfanatiker sein“, so Tiemann, für den das Tageslicht und die Bewegung im Garten der Ausgleich zu seinem Job im Einzelhandel sind. Er selbst ist seit gut 20 Jahren Kleingärtner. Sein Wohnwagen in Nordholland ist der Gartenparzelle gewichen.
Tiemann erinnert sich gerne an das Erntedankfest 2005 zurück, das er als sein schönstes Vereinserlebnis beschreibt. „Damals haben wir Erntedank im wahrsten Sinne des Wortes gefeiert und als Gärtner die Gaben gestellt. Zusammen mit der evangelischen Kirche Rotthausen haben wir einen Freiluftgottesdienst gefeiert, bei den rund 250 Personen anwesend waren“, erinnert er sich. Besonders ist auch das Vorhaben, dass der KGV mit dem Imkerbund Gelsenkirchen plant. Es werden Blumenwiesen gesät und Bienenstöcke aufgestellt, damit dem 75 prozentigen Rückgang der Insektenpopulation entgegengewirkt werden kann.

Aller Anfang ist schwer

Jeder Kleingärtner sei zudem angehalten, sein kleines Reich ökologisch zu gestalten. Tiemann rät deshalb zu einer Dreiteilung des Gartens. Neben Rasen, Blumen und einer Erholungsfläche sollte ein Drittel Nutzfläche sein, auf der Obst und Gemüse angebaut werden kann. Als Fachberater empfiehlt er einfache Gewächse, wie Kohlrabi, Salate oder Möhren. „Alles, was hier heimisch ist, gelingt so gut wie immer“, gibt er Anfängern als Faustregel aus.
Doch junge Kleingärtner finden sich immer schwieriger. „Wir haben viel Leerstand“, bemängelt der 63-Jährige und spricht von Nachwuchsproblemen, unter denen auch die Gemeinschaft leidet. „Die Alten, die das Miteinander gepflegt haben, schaffen es oftmals nicht mehr weiter. So zerbricht der Zusammenhalt immer weiter, das ist schade.“ Doch grade das Modell des Kleingartens habe Zukunft, denn es werde immer weniger Häuser mit Gärten geben, so Tiemann. Mit Festen wie dem hundertsten Geburtstag, will sich der Verein auch wieder für jüngere Naturfreunde attraktiv machen, damit die lange Vereinsgeschichte noch weitergeschrieben werden kann.