Kein Ehrendes Andenken für Nazis

Verwaltung startet Vorstoß zur Umbenennung der Hohoffstraße – Vereine wollen Erinnerung an ersten Rotthauser Bürgermeister erhalten – Netzwerk einstimmig für Namensänderung

(SuSch) Carl Heinrich Wilhelm Hohoff (1873 – 1939) ist vermutlich der letzte Name auf der ToDo-Liste von Dr. Daniel Schmidt, Leiter des Instituts für Stadtgeschichte Gelsenkirchen (ISG). Schon bald soll er aus dem Straßenbild verschwinden, denn Hohoff, der erste Bürgermeister Rotthausens, wurde bereits vor der „Machtergreifung“ Mitglied der NSDAP. Trotzdem ist bis heute eine Straße nach ihm benannt. In einer Vorlage an die Bezirksvertretung Süd für die Sitzung am 19. Februar empfiehlt die Stadtverwaltung die Umbenennung. Dagegen erhebt sich in Rotthausen Widerspruch.

Dabei erfüllt Dr. Daniel Schmidt nur eine Aufgabe, die der Rat der Stadt dem ISG bereits im Jahr 2010 gestellt hat. Danach sollen die Namen von Straßen, Plätzen oder Einrichtungen geändert werden, wenn nach gegenwärtigem Kenntnisstand Aktivitäten der Namensgeber im Interesse des NS-Regimes nachweisbar sind, die über eine Mitgliedschaft in der NSDAP hinausgehen.
Der Ältestenrat des Rates setzte eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der Ratsfraktionen ein, die über die Forschungsergebnisse des ISG berieten und der Verwaltung im Umgang mit den Umbenennungen Entscheidungsgrundlagen an die Hand gaben. 96 Biografien wurden seinerzeit überprüft. Hohoff wurde erst 2013 im Zuge einer weiteren Überprüfung auf sein politisches Wirken untersucht. Wer die Diskussion der letzten Jahre in den Medien verfolgt hat, erinnert sich an die Umbenennung des Paul-Schossier-Weges, die damals den Stein ins Rollen brachte. Es folgten der Karl-Wagenfeld-Weg und zuletzt das Eduard-Spranger-Berufskolleg, das 2018 einen neuen Namen bekam. Damit hatte Schmidt die Aufträge fast abgearbeitet – nur noch die Hohoffstraße war übrig. Diese letzte Aufgabe – so scheint es – wird keine leichte sein.

Rabas: „NSDAP-Mitgliedschaft allein reicht für Umbenennung nicht aus“

Nach Ansicht des Bürgervereins Rotthausen und der Bergbau-Sammlung ist eine Umbenennung nämlich nicht erforderlich. Diese Position machten Georg Gerecht vom Bürgerverein Rotthausen und Karlheinz Rabas, Leiter der Bergbau-Sammlung, in einem Gespräch am 4. Februar mit der Verwaltung deutlich. Zum einen müsse man die Verdienste Hohoffs würdigen, der von 1906 bis 1923 als Bürgermeister über eine lange Zeit in einer wirtschaftlich überhaus schwierigen Phase in Rotthausen hart gearbeitet habe, so Karlheinz Rabas im Gespräch mit der Rotthauser Post. Zum anderen sei Hohoff sehr früh – nämlich bereits am 1. Februar 1932 – in die NSDAP eingetreten. Rabas: „Die Straße umbenennen zu wollen, nur weil Hohoff in der NSDAP war, das reicht nicht.“

ISG: „Früher Parteieintritt bedeutet mehr als reines Mitläufertum“

Diese Auffassung kann Dr. Daniel Schmidt nicht teilen. Gerade die Tatsache, dass sich ein Mann wie Hohoff, der als Bürgermeister und später als Beigeordneter die Belange der Republik zu vertreten hatte, so früh den Nazis anschloss, sei ein Beleg für eine Gesinnung, die über „reines Mitläufertum“ hinausgehe. Schmidt: „Die Nazis nannten Mitglieder der ersten Stunde ,alte Kämpfer‘.“ Diese „alten Kämpfer“ seien von der Partei besonders privilegiert behandelt worden, weil die Nazis in ihnen wahre Anhänger der Nazi-Ideologie erkannten.

Dr. Schmidt: „Dem Institut liegt die Personalakte von Heinrich Hohoff vor. Sie enthält Schreiben an die Gauleitung mit der Bitte um Wiedereinsetzung als Beigeordneter und belegt, dass Hohoff die SA in Rotthausen unterstützt hat.“
Als weiteres Indiz für die braune Gesinnung des einstigen Bürgermeisters verweist der Stadthistoriker auf Heinz Hohoff, Sohn des Bürgermeisters, der 1910 in Gelsenkirchen geboren wurde. Dieser bekleidete später eine hohe Position in der Hitlerjugend und saß als Abgeordneter im nationalsozialistischen Reichstag. Dr. Schmidt: „Auch wenn man den Vater nicht für den Sohn in Haftung nehmen kann, deutet dies darauf hin, dass in der Familie der Geist der Nazizeit gelebt wurde.“

Dass Bürgerinnen und Bürger nicht immer mit der Umbenennung von Straßen einverstanden sind, kann Dr. Daniel Schmidt verstehen. Schließlich bedeutet eine solche Namensänderung für die Anwohner der betroffenen Straße einen nicht unerheblichen Verwaltungsaufwand. Die Stadtverwaltung wisse um diese Misslichkeiten und sei bemüht, den Bürgerinnen und Bürgern die Änderungen so einfach wie möglich zu machen.

Netzwerk-Vorstand spricht sich einstimmig für Umbenennung aus

Unterstützung findet die Verwaltung beim Rotthauser Netzwerk. Nach intensiver Beratung fällte der Vorstand einstimmig den Beschluss, sich für eine Umbenennung der Hohoffstraße einzusetzen. Der Netzwerk-Vorsitzende Klaus Koschei bestätigt die Entscheidung: „Gerade in der heutigen Zeit ist es wichtig, entschlossen gegen rechtes Gedankengut vorzugehen. Dazu gehört auch die Umbenennung der Hohoffstraße. Mit dieser Aktion setzt Gelsenkirchen in Rotthausen ein wichtiges Zeichen.“