JEDER KUNDE HAT SEINE ZEIT

Wurst, Käse und Milchprodukte in der dritten Generation: Zu Besuch bei Hermann und Andreas Krakenber samstags auf dem Rotthauser Wochenmarkt

Ja – es gibt ihn immer noch, den Rotthauser Wochenmarkt. Und das ist auch gut so. Er liegt vielleicht etwas versteckt auf dem Ernst-Käsemann-Platz, aber er hat Tradition. Es ist ein „Grüner Markt“, es werden ausschließlich Lebensmittel und Blumen zum Kauf angeboten. Sechs Händler bieten bei jedem Wetter ihre Waren feil. Für die Rotthauser Post hat sich Ellen Reinhardt am Wurst- und Käsestand von Andreas und Hermann Krakenberg umgeschaut.
1948 begannen Anna und Paul Krakenberg auf dem Steeler Wochenmarkt mit einem Stand aus Holz - so wie es früher üblich war. Der Stand und die Waren wurden mit einem Handkarrren und später auf einem Tempo-Dreirad mit Kettenantrieb transportiert. Die Großeltern von Andreas begannen ihr Geschäft aus der Not der damaligen Zeit heraus. Später kamen die Märkte in Kray, Katernberg, Stoppenberg und Schonnebeck hinzu, seit Mitte der 50er Jahre auch in Rotthausen. 1958 übernahm Hermann den elterlichen Stand, seit Anfang der 60er Jahre unterstützt durch seine Frau Ingrid. Damals wurden auch die heutigen Verkaufswagen für Lebensmittelhändler Pflicht, die Holz-Stände mussten weichen. Seit 1990 arbeitet auch Sohn Andreas mit, der schon vorher als Schuljunge geholfen hatte. Der gelernte Fleischer übernahm 2002 das Marktgeschäft von seinen Eltern.

Um 4 Uhr schellt der Wecker

Es ist keine leichte Arbeit, die von dienstags bis samstags zu leisten ist. Schon gegen 4 Uhr schellt der Wecker. Dann werden die Waren aus dem Kühlhaus geholt, um den Transporter zu beladen. Auf dem Markt angekommen, müssen die Lebensmittel ausgepackt, in den Verkaufswagen eingeräumt und für den Kunden gut sichtbar und appetitlich präsentiert werden. Das dauert gut und gerne zwei Stunden - und dann kommen auch schon die ersten frühen Kunden. Zum Marktende nach 13 Uhr wird die restliche Ware eingepackt und wieder in den Transporter zurückgeladen. Es geht nach Hause. Wenn alles im Kühlhaus gut verstaut ist, muss noch der Verkaufswagen gereinigt werden. Das dauert bis 15.30 Uhr und dann gibt es noch viele andere Arbeiten zu erledigen, die zu einem erfolgreichen Marktgeschäft gehören.

Große Vielfalt an Wurst, Käse und Schinken

Wurst und Schinken gibt es bei Andreas und Hermann in großer Vielfalt. Die Kunden schätzen auch das große Käse-Angebot und die hochwertigen Milchprodukte. Besonders beliebt sind selbstgemachte Produkte wie z. B. Fleisch- und Eiersalat.
Immer sind „Andy“ und Hermann gerne bereit, die Kunden probieren zu lassen. Das gibt es längst nicht überall. Und genauso freundlich wie diese Geste, so freundlich und herzlich sind auch Bedienung und Beratung der beiden. Das wissen ihre Kunden zu schätzen. „Jeder Kunde hat seine Einkaufszeit“, sagt Andreas. Er weiß: Stammkunden kommen fast immer um die gleiche Uhrzeit. Andreas: „Das ist das Schöne auf unserem Markt: Man kennt sich.“ In Rotthausen kennt nicht nur der Verkäufer den Kunden, auch die Kunden untereinander treffen sich gern auf dem Wochenmarkt. Andreas freut sich, wenn er sieht, wie sie sich begrüßen und miteinander lange reden, und nicht selten hört man lautes Lachen. Ein Besuch auf dem Rotthauser Wochenmarkt ist viel mehr als ein morgendlicher Einkauf. Er ist Lebensqualität, der Einkauf wird zum Erlebnis. Dieses uralte „Dorf auf dem Marktplatz“ ist eine Tradition, die es zu erhalten gilt.