Im Roten Doppeldecker durch die Heimatstadt

Rotthauser Netzwerk: Jahresausflug auf den Spuren des jüdischen Lebens in Gelsenkirchen

Sieben Teilnehmer hatten sich am 8. August zum diesjährigen Jahresausflug des Rotthauser Netzwerkes getroffen, um sich auf die kulturellen Spuren der Stadt Gelsenkirchen zu machen. Die Mitglieder erlebten eine kunsthistorische Führung durch das Rathaus, einen Vortrag in der Synagoge an der Georgstraße und zum Schluss eine Stadtrundfahrt im Doppeldecker.

Der Ausflug des Netzwerks startete beim Hans-Sachs-Haus. Dort informierte der 45-jährige, freiberuflich auch für die Stadt Gelsenkirchen arbeitende Kunsthistoriker Thomas Buchardt die Gruppe über den Backsteinexpressionismus des Hans-Sachs-Hauses. „Dieses Rathaus wurde in den 20er Jahren vom damals  modernen Architekten Alfred Fischer, der auch Direktor der Handwerker- und Kunstgewerbeschule Essen (ab 1928 Folkwangschule) war, erbaut und 1927 eröffnet. Das Gebäude zeigt eine reduzierte Formensprache, dessen Fassade aus gemauerten, vor- und zurückgesetzten, extrem wetterbeständigen Klinkern besteht, die ein spannungsreiches Bild zeigen,“ erklärte Thomas Buchardt. Das gesamte Gebäude wurde während des Umbaus ab 2003 entkernt und im Inneren vom Architekten Prof. Volkwin Marg vom Architekturbüro gmp ab 2009 völlig neu gestaltet und 2013 feierlich wiedereröffnet.

Auf den Spuren von Glaube und Geschichte

Danach ging es für die Gruppe zur Synagoge in die Georgstraße, wo Judith Neuwald-Tasbach, die in dritter Amtsperiode tätige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen, Gladbeck und Bottrop viele interessante Erläuterungen zur Synagoge, die seit dem 1.Februar 2007 besteht, erzählte. Vor 2007 befand sich die Synagoge in der von-der-Recke-Straße, deren Räume heute Begegnungsstätte und Museum sind und für Vorträge und Veranstaltungen genutzt werden. In der neuen Synagoge befinden sich aus der vorherigen einige von 1958 stammende bleiverglaste Fenster des Glasmalkünstlers Walter Klocke. Sie stellen einen Großteil der jüdischen Feiertage dar. „Etwas Besonderes unseres Hauses ist, dass Mitarbeiter mit unterschiedlichen Konfessionen erfolgreich zusammenarbeiten. Außerdem gibt es eine Theatergruppe, einen Gemeindechor, einen Chor der Christlich-Jüdischen Gesellschaft und noch mehr. Von den zehn Jüdischen autarken Gemeinden in Nordrhein-Westfalen ist unsere die viertgrößte, so dass wir auch einen eigenen Rabbiner haben.“

Eine Tour im Cabrio-Bus durch Gelsenkirchen zu sehenswerten Orten und ein gemeinsamer Ausklang im „Haus Dahlbusch“, bei dem Hunger und Durst gestillt wurden, rundeten den erlebnisreichen Tag ab.