GURBÜRGERLICH MIT STIL

Seit 35 Jahren nix aus dem Eimer: Marianne und Franz Martinik pflegen im Restaurant „Bei Onkel Hans“ die gutbürgerlicher Küche

Rinderrouladen, Gulasch, Schweinsbraten, Grünkohl und Gänsebrust: Im Restaurant „Bei Onkel Hans“ an der Karl-Meyer-Straße 53 steht auf der Speisekarte, was man woanders lange suchen muss: reelle gutbürgerliche Küche zu vernünftigen Preisen. Alles von Köchin Marianne selbst gezaubert. Ein echter Geheimtipp für Genießer jenseits der Rotthauser Grenzen, die zudem ein gepflegt gezapftes Stauder Pils vom Fass zu schätzen wissen.

Ob die Saucen für die Schnitzelparade, das leckere Brot oder die Dipps: „Bei uns kommt nix aus dem Eimer“, sagt Franz Martinik (67), dem das Haus mit 100 Plätzen auch gehört. Hier legt man Wert auf Service und Qualität. Die Lebensmittel, insbesondere seine legendären Steaks, kauft der Chef bei dem Qualitätshändler Niggemann Food Frischemarkt in Bochum. Das hat sich herumgesprochen. Nicht nur Gäste aus Rotthausen, auch Stammpublikum aus Katernberg, Schonnebeck oder Kray machen sich auf den Weg zum „Onkel Hans“.

Hier wählt man aus einer umfangreichen Speisekarte, die jeden Monat um eine Handvoll saisonaler Gerichte ergänzt wird. Im Winter schmaust man Enten und Gänse, im Frühsommer leckeren Spargel vom Bauernhof. Legendär ist Mariannes „Toast Hawaii“, der staunen macht, wieviel Aroma dieses scheinbar belanglose 1960er-Jahre-Gericht entfalten kann.

„Meine Frau liebt das Kochen, besonders für viele Gäste,“ sagt Franz Martinik, der Marianne zuliebe vor mehr als 35 Jahren den Montage-Job als Stahlbauschlosser an den Nagel hängte, um Gastronom zu werden. Von Hans Schneider, dem ehemaligen Chef der Trabrennbahn Gelsenkirchen, übernahm er nicht nur das Restaurant, sondern auch den Namen. „Das war die richtige Entscheidung zur richtigen Zeit“, erinnert sich der Quereinsteiger.

Daran denkt Franz Martinik gern zurück. An die vielen Kegelclubs, die seine neue Bahn schon buchten, als sie noch im Bau war. So wie Irmgard Nowack vom Freitagskegelclub, die von der ersten Minute an bei „Onkel Hans“ in die Vollen warf. Seit 25 Jahren schiebt Nowack mit ihren Freitagskeglerinnen hier Woche für Woche eine ruhige Kugel - sie sind mittlerweile der älteste Kegelclub im Restaurant.

Mehrmals pro Woche bescherte die Reisevereinigung Gelsenkirchen-Süd ein volles Haus, die am Wochenende vom Rotthauser Markt 6.000 Tauben auf die Reise schickte. Bis zu 400 Züchter frönten bei „Onkel Hans“ ihren Lieblingsbeschäftigungen - Taubensport und Pilstrinken. Früher - das war auch die Zeit, als die Karl-Meyer-Straße noch eine Hauptschlagader des Verkehrs war und Franz Martinik um 11 Uhr die Tür zum Wirtshaus aufsperrte. Die Stammgäste warteten schon. Der Rotthauser Markt war belebt. Händler und Kunden trafen sich bei „Onkel Hans“ zum Eintopf.
Mit Ausnahme des Sonntags bleibt heute mittags die Küche kalt. Der Aufwand lohnt nicht mehr für die wenigen, die vielleicht kommen könnten. „Für ein Restaurant habe ich heute die denkbar ungünstigste Lage. Wer zu uns kommt, der muss uns schon kennen“, sagt Gastronom Martinik. Heutige Gäste finden meist auf Empfehlung oder über Werbemaßnahmen wie Internet oder Anzeigenschaltungen hierher.

Auch wenn Martinik selbst bereits das Rentenalter erreicht hat, will er den Zapfhahn noch nicht aus der Hand legen. Sohn Frank (40) lebt und arbeitet als international gefragter Disc-Jockey in Berlin. Mal meldet er sich aus Paris oder New York oder der Ukraine, doch eine Rückkehr nach Rotthausen scheint wohl ausgeschlossen. „Ich mache durch, bis ich umfalle“, sagt der Wirt aus Leidenschaft. Die Gäste wird‘s freuen.