Gastronom mit Tradition

Seit 1979 im Dienste des guten Geschmacks: „Bei Onkel Hans“-Inhaber Franz Martinik ist der dienstälteste Wirt der Stadt

Ein starkes Team: Seit 1979 arbeiten Franz Martinik und seine Frau Marianne gemeinsam in der Gelsenkirchener Gastronomie.

(ER) „Bei Onkel Hans“: Dieser Name ist den meisten Rotthausern bekannt. Seit rund 100 Jahren besteht das Haus auf der Karl-Meyer-Straße 53 und hatte von Anfang an eine Gastronomie. Damals wurde das Bier noch in Krügen gezapft durch eine Fenster-Ausgabe an die Kunden verkauft. Heute ist das ganz anders.

Wenn sich die Eingangstür zur Gaststätte öffnet, tritt man in warmes Licht und der Blick fällt auf die große Theke. Dahinter steht Charly, der Wirt, und grüßt freundlich. Egal ob Mann oder Frau, ob alleine oder zu mehreren, in dieser Traditions-Gaststätte fühlen Gäste sich willkommen. Denn der Wirt Franz Martinik, von allen nur Charly genannt, ist in Person die Tradition in diesem Hause. Mit seiner Frau Marianne, die als gelernte Köchin die leckeren Speisen zubereitet, führt er seit 37 Jahren und drei Monaten den Gastronomie-Betrieb. Damit sind sie das dienstälteste Gastronomen-Paar in Gelsenkirchen.

Charly ist gelernter Stahlbauschlosser, war auf Montage im In- und Ausland tätig, bevor er sich 1979 mit seiner Frau, die einen Automatenvertrieb führte, und so die Kontakte zur Gastronomie hatte, mit der Gaststätte „Zum Fleigenfänger“ in Buer selbständig machte. Aber die Zeit in Buer währte nicht lange, bereits im Februar 1981 kam das Ehepaar nach Rotthausen und übernahm von ihrem Bekannten Werner Naruhn die heutige Speisegaststätte. Damals war der Betrieb freilich mehr Gasthaus als heute. Die Straße „Am Dahlbusch“ existierte noch nicht, das Grundstück begrenzte hinten ein Zaun zum damaligen Delog-Gelände, und die Arbeiter der Delog kamen zum Feierabend-Bier auf kurzem Weg über den Zaun zur Gaststätte. Einer von ihnen übernahm stets alle Stempelkarten der Kollegen um Zeit für’s Bierchen einzusparen.
Es war auch die Zeit der Taubenzüchter-Reisevereinigungen. Diese, aus Gelsenkirchen-Süd und Essen-Nord, trafen sich freitags, samstags und sonntags bei Charly, und setzten von der damaligen hinteren Halle aus ihre Tauben ein. An diesen Tagen brummte der Betrieb im Gastraum bei entsprechender Lautstärke,  dann waren 150 bis 200 Männer zu Gast, und die Frikadellen wurden nicht einzeln sondern direkt zu hundert auf einmal bestellt.
Die Reisevereinigung wechselte 1989/90 in ein eigenes Gebäude auf den Hördeweg, wodurch es bei Charly ruhiger wurde . Nun hieß es, sich umzuorientieren. Zu dieser Zeit kaufte das Ehepaar Martinik das Haus, in dem es seither auch wohnt. Die ehemalige Halle wurde umgebaut, mit einer Kegelbahn versehen und die anderen Räume sowie die Theke wurden für die Restauration ebenfalls renoviert und modernisiert. Die Speisegaststätte verfügt innen über 100 Sitzplätze und im schönen blumengeschmückten Biergarten über 25, die man bei Sonnenwetter tunlichst reservieren sollte, da sie heiß begehrt sind.Ob drinnen oder draußen, es kann aus 40 Gerichten der Speisenkarte ausgewählt werden, zusätzlich gibt es saisonale Angebote. „Bei Onkel Hans“ ist die einzige Speisegaststätte mit deutscher Küche im Gelsenkirchener Süden. Diese Küche  wird überwiegend von auswärtigen Gästen besucht, die auch immer wieder kommen – ein Zeichen von Qualität. Ergänzt werden die Speisen durch Stauder Pils und Diebels Alt im Ausschank. „Wir werden unser Lokal auf jeden Fall noch weitere Jahre betreiben, denn es sind eh keine Nachfolger für deutsche Küche in Sicht“ versichert Charly.
Da muss es natürlich einen Ausgleich zum täglichen Geschäft für den Wirt geben. Charly hat in jungen Jahren Fußball gespielt, Position Rechtsaußen (wie Charly Dörfel vom HSV) – daher sein Spitzname – später dann Tennis. Nach einer Erkrankung mutierte er zum ausgesprochenen Fahrradfan. Jährlich legt er 4.000 km auf dem Rad zurück und kennt alle Radwege in Gelsenkirchen und Umgebung. Wenn es das Wetter zulässt, fährt er jeden Tag 30 km, hört dabei Radio und liest  während einer Kaffeepause seine Zeitung. Als Highlight verbringt er traditionell einmal im Jahr einen einwöchigen Radurlaub mit drei Freunden im In- oder Ausland.  Mit Martiniks 68 Jahren ist aus dem Fahrrad mittlerweile ein Pedelec geworden – es sei ihm gegönnt.

„Bei Onkel Hans“
Karl-Meyer-Straße 53,
Telefon 0209-137798
Öffnungszeiten: montags bis samstags von 16 bis 23 Uhr (außer dienstags = Ruhetag) und sonntags durchgehend von 12 bis 22 Uhr.