„Fast alles“ war nicht genug

Haben das Lachen trotz der nahenden Geschäftsaufgabe nicht verlernt: (v.l.) Willy Brake, die langjährige Mitarbeiterin Heike Hopp, Anne-Kathrin Looft und Jörg Brake.

Nach 111 Jahren schließt Haushaltwaren Brake die Pforten mit Räumungsverkauf

(win) 111 Jahre – das ist eigentlich ein Grund, das Glas zu erheben. Doch es ist kein Freudentrunk, der im Hause Brake serviert wird. Der Schonnebecker Traditionsbetrieb, seit 1907 in der Huestraße beheimatet, schließt im November seine Pforten. Beim Räumungsverkauf haben die Kunden bis Ende Oktober noch die letzte Gelegenheit, das ein oder andere Schnäppchen zu machen. Auch Vitrinen und Regale können erstanden werden.
In diesen Tagen ist auch Willy Brake immer wieder im Geschäft zu finden, das seit 2001 in vierter Generation von seinem Sohn Jörg geführt wird. Der bald 80-Jährige kennt das Geschäft von klein auf. Es ist sein Leben. Natürlich spielt da Wehmut mit, wenn er über alte Zeiten spricht. Als er 1960 den Laden vom Vater übernahm, habe es im Gürtel Schonnebeck, Rotthausen, Stoppenberg, Katernberg und Kray noch 13 Kollegen gegeben, „davon vier bis fünf in ähnlicher Größenordnung wie wir“. Nach und nach mussten alle aufgeben, Brake blieb übrig und zieht jetzt auch den Schlussstrich.Haushaltswaren aller Art wurden dort jahrzehntelang feilgeboten, das Angebot stetig erweitert, in allen Bereichen um Qualitätsmarken. Neben dem üblichen Hausrat ist vornehmlich Spielzeug und Wohn-Dekoration auf den 400 Quadratmetern Verkaufsfläche zu finden.

„Brake hat fast alles“ heißt es in Schonnebeck  – nur eben immer weniger Kunden. „Die werden immer weniger, sterben langsam aus“, hat Willy Brake festgestellt. Die Kinder seiner alten Stammkunden kämen noch, die Enkel aber nicht mehr. Die hätten sich längst an den Einkauf im Internet gewöhnt. Und den Internetverkauf ordentlich zu stemmen sei für ein inhabergeführtes Geschäft letztlich zu aufwändig, so Willy Brake. Während Jörg Brake das „immer billiger, billiger und noch günstiger“ bei den Internetangeboten beklagt, sieht sein Vater weniger die Preisgestaltung als mehr die Bequemlichkeit als großen Vorteil der Online-Konkurrenz. Und so erkennt er denn in den Klagen der Kunden über das Schließen alter Geschäfte so manche Krokodilsträne. Schließlich äußern nicht nur Stammkunden ihr Bedauern, sondern auch einige,  die nur äußerst selten bei Brake anzutreffen sind. Willy Brakes realistisches Fazit dazu: „Wer nicht gefüttert wird, verhungert.“

Und so ist nun das Ende eines Traditionsbetriebs eingeläutet, stöbert die Kundschaft nach Schnäppchen. Dass die rund 20.000 Artikel Abnehmer finden werden, da sind sich Brakes sicher. Noch nicht sicher ist, wer in die Huestraße 83 einziehen wird. Gespräche hat es zwar bereits gegeben, Konkretes ist aber noch nicht zu vermelden. Auf 111 Jahre wird es der nachfolgende Mieter aber wohl kaum bringen.