Erste Bilanz: Quartiersbüro baut Vertrauen auf

Vier Partner unter einem Dach – IAG-Geschäftsführer sieht positive Tendenz: Wir haben die Richtigen gefunden

(SuSch) IAG, Stadt Gelsenkirchen, Rotthauser Netzwerk und Rotthauser Post unter einem Dach: Kann das funktionieren? Die erste Bilanz nach sechs Monaten fällt positiv aus.
„Der Start ist mehr als gelungen“, so IAG-Chef Dirk Sussmann. Man habe Kontakt zu 100 Arbeitgebern knüpfen können, Kindergärten und Quartierszentren besucht. Alle Arbeitslosen im SGBII-Bezug seien eingeladen worden. Mittlerweile suchten einige das Büro auch ohne Einladung auf, um nachzufragen Das Quartiersbüro habe sich zu einem „Vertrauenstreffpunkt“ entwickelt.

Förderprogramm sucht Arbeitgeber

Quartiersbüro setzt auf Gesetz für Sozialen Arbeitsmarkt – Fünf Jahre Förderung für Langzeitarbeitslose

Nach sechs Monaten ist das Quartiersbüro in Rotthausen angekommen. In Zukunft geht es darum, positive Effekte auf dem Arbeitsmarkt zu erzielen und diese messbar zu machen. Erste Statistiken geben Anlass zur Hoffnung.

Integrationscenter für Arbeit – das Jobcenter
„Wir haben Zahlen erhoben. Die sind nach sechs Monaten noch nicht wirklich belastbar. Nach einem Jahr wird das anders sein. Was wir aber auch jetzt schon sicher sehen, das ist eine positive Tendenz“, erläuterte IAG-Chef Dirk Sussmann die Entwicklung der Projektarbeit. Über drei Monate verglich sein Team, wie viele Menschen das IAG in Gelsenkirchen in sozialversicherungspflichtige Arbeitsplatze vermitteln konnte – und wie viele davon in Rotthausen. Sussmann: „In Rotthausen haben wir in dem Zeitraum prozentual mehr Menschen in Arbeit vermittelt als in der Gesamtstadt.“

Ein ähnliches Ergebnis ergab der Zahlencheck im Bereich arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen wie Qualifizierung oder Umschulung. Dirk Sussmann: „Auch hier liegt die Quote der Aktivierungen in Rotthausen höher als im gesamten Stadtgebiet.“ Alles deute darauf hin, dass die zusätzlichen Möglichkeiten, die dem Quartiersbüro zur Verfügung stehen, auch tatsächlich Wirkung zeigen.

Positive Effekte erwartet Sussmann von der Einführung eines neuen Gesetzes für den Sozialen Arbeitsmarkt, das zum 1. Januar 2019 in Kraft treten soll. Das neue „Teilhabechancengesetz“ richtet sich an Arbeitslose, die mindestens seit sechs Jahren Unterstützungsleistungen beziehen. Ihr Lohn wird mit Hilfe des Programms über fünf Jahre auf Basis des Mindestlohns gefördert: zwei Jahre 100 Prozent, dann 90, dann 70. Das Tätigkeitsfeld ist nicht eingeschränkt, sie dürfen jede Arbeit tun.

Für Rotthausen hat das IAG erste Überlegungen angestellt. Dirk Sussmann: „Wir denken darüber nach, einen Quartiersservice in Rotthausen einzurichten mit fünf oder sechs Mitarbeitenden – idealerweise aus dem Stadtteil. Koordiniert über unser Quartiersbüro wären sie Ansprechpartner für Ordnung, Sicherheit und Sauberkeit im Stadtteil, präsent immer zu festen Zeiten.“ In diesem Zusammenhang rief der IAG-Chef Arbeitgeber in Rotthausen auf, sich über das neue Förderprogramm zu informieren: „Melden Sie sich bei uns. Wir beraten Sie gerne!“

Stadt Gelsenkirchen – Planungsamt
Trotz vielfältiger Stolpersteine blickte auch Janine Feldmann, Abteilungsleiterin für Stadterneuerung in den Bezirken Süd und Mitte der Stadt Gelsenkirchen verantwortlich, in die Zukunft. Der Weggang von „Quartierskümmerer“ Andreas Beilein im Herbst habe eine große Lücke in die ohnehin knappe Personaldecke der Planungsverwaltung gerissen, zumal Rotthausen schon vorher lange auf Unterstützung habe warten müssen. Nun gebe es eine weitere Durststrecke, doch man gehe davon aus, dass Beileins Stelle spätestens im Frühjahr 2019 wieder in Vollzeit und kompetent besetzt werden könne. In der Zwischenzeit versuche sie so gut es geht selbst, den Erneuerungsprozess in Rotthausen in Gang zu halten, so Feldmann.

Wichtig sei in jedem Fall, dass der Stadtteil offiziell ins Städtebauförderungsprogramm des Landes aufgenommen sei. Für 2018 seien bereits erste Mittel in Höhe von 594.000 Euro für den Aufbau des Quartiersmanagements und des Verfügungsfonds bewilligt worden, die für bürgerschaftliche Kleinstprojekte gedacht sind. 2019 seien – unter der Voraussetzung, dass für Andreas Beilein ein geeigneter Nachfolger gefunden werden kann – weitere Mittel in Höhe von 700.000 Euro beantragt worden. Diese seien für die Weiterführung des Quartiersmanagements und die Aktivierung der Öffentlichkeitsarbeit für den Quartiersfonds gedacht.

Rotthauser Post
Zum Stichwort Öffentlichkeitsarbeit hatte Susanne Schübel, Chefredakteurin der Rotthauser Post und Partnerin im Quartiersbüro, viele Beispiele mitgebracht. Seit Vorstellung der ersten Idee, ein gemeinsames Büro zu beziehen, hat die Quartierszeitung die Entwicklung des Projekts regelmäßig begleitet. Susanne Schübel: „Stadtteilerneuerung und Quartiersarbeit funktionieren nicht ohne Kommunikation. Die Rotthauser Post transportiert die Inhalte in die Bürgerschaft hinein. Gleichzeitig bietet sie sich als Plattform an für Initiativen, Wünsche und Kritik aus dem Quartier an die Planer.“

Rotthauser Netzwerk
Da blieb Klaus Koschei, Vorsitzender des Rotthauser Netzwerks und Mitinitiator des Büros, nur noch, sich für die breite Unterstützung und gute Zusammenarbeit zu bedanken. Dabei würdigte er nicht nur Rainer Luka, der sich in seiner Eigenschaft als ehemaliger IAG-Geschäftsführer für den Aufbau eines Quartiersbüro stark gemacht hatte, sondern auch Claudius Hasenau, Geschäftsführer der APD Ambulante Pflegedienste Gelsenkirchen GmbH, der dem Abend krankheitsbedingt fernbleiben musste. „Ohne die Unterstützung der APD bei der Ausstattung und der Unterhaltung des Büros wäre eine Beteiligung des Netzwerks am Quartiersbüro nicht möglich geworden“, so Koschei. „Nur so konnte es zu einer einzigartigen Anlaufstelle werden, die weit über Rotthausen hinaus wirksam werden wird.“